Autovermietung

Carsharing im Travel Management

Daimler AG

Raus aus der Öko-Nische, hin zum Geschäftsmodell: Carsharing erlebt in Deutschland einen Boom. Inzwischen haben sich etliche kleine und große Firmen als Nutzer der Leihautos registriert.

Starkes Wachstum für Carsharing erwatet

Dabei sind die Zahlen hierzulande schon jetzt beeindruckend. Mehr als 450.000 Autofahrer hatten sich Ende 2012 für eines der Carsharing-Angebote registriert: doppelt so viele wie 2011, so der Bundesverband Carsharing. Er erwartet auch für 2013 gewaltiges Wachstum.

So funktioniert Carsharing

Moderne Elektronik ist der Schlüssel zu den Carsharing-Autos. Registrierte Kunden bzw. die Firmenmitarbeiter öffnen die Fahrzeuge mit einer Chip-Karte oder mit einem RFID-Chip, der auf ihren Führerschein aufgeklebt wird. Den Weg zum Fahrzeug weist eine Smartphone-App. Die Autos können im Stadtgebiet beliebig lange genutzt und fast überall kostenfrei geparkt werden. Abgerechnet wird minutengenau oder per Stundenpauschale. Vor Fahrtantritt wählen Mitarbeiter auf einem Berührungsbildschirm, ob sie das Auto privat oder dienstlich nutzen.

Denn neben den Privatnutzern entdecken auch immer mehr Firmen die Vorzüge der flexiblen Flotten. Die Erfindung umweltbewegter Aktivisten aus den 80er-Jahren setzen Unternehmen heute als Sparhebel ein. Gezahlt wird schließlich nur, solange die Autos in Bewegung sind. So hat gerade erst Lufthansa ihren Fuhrpark umgestellt und nutzt die Corporate- Carsharing-Lösung von Autovermieter Hertz, Hertz on Demand genannt. 1000 Fahrzeuge hat der Anbieter aus Eschborn mit einer hauseigenen Technik ausgestattet. Sie stehen jetzt für die Mitarbeiter des Unternehmens an den Flughäfen Frankfurt, München und Hamburg bereit. Das Gute daran: Die können die Autos sowohl geschäftlich als auch privat nutzen.

Ähnlich verhält es sich bei Alphabet, die ihr Carsharing-Konzept speziell auf Firmen zuschneiden. Das Pilotprojekt startete die BMW-Tochter bereits 2011 mit dem Chip-Hersteller Infineon – mit großem Erfolg. „Wir sind von den Mitarbeitern, was das Interesse am Carsharing betrifft, förmlich überrannt worden“, berichtet Infineon-Travel-Manager Jörg Gerhardt. Gleich am ersten Tag hätten sich in nur wenigen Stunden mehr als 600 Mitarbeiter registriert.

Mietwagen als Alternative

Inzwischen sind die Carsharing-Autos zu 75 Prozent ausgelastet. Was auch am einfachen Ausleihverfahren liegt: Gestartet werden die Wagen per Knopfdruck, und ins Fahrzeug gelangt man nach der Buchung über das Intranet mit einem RFID-Chips, der auf dem Führerschein klebt. „Sie halten den Chip einfach an die Frontscheibe, und schon lässt sich der Wagen öffnen“, erläutert Gerhardt, der sich nun die umständliche Schlüsselverwaltung erspart. Dann meldet sich der Mitarbeiter bei einem Bordcomputer an. Das System, das auch ein elektronisches Fahrtenbuch führt und die Reisedaten kostenstellengenau in die Reisekostenabrechnung importiert, fragt auch danach, ob der Wagen Schäden aufweist oder gereinigt werden muss. Ist das der Fall, werden automatisch Dienstleister informiert. Bei Infineon, Microsoft und Allianz ergänzt das Alphabet-Carsharing den Flottenpark. Ist dieser gar nicht erst vorhanden, kann das Leihauto eine Option sein, damit Mitarbeiter überhaupt schnell per Auto zum Termin kommen. „Das Interesse von Firmen nimmt stark zu“, stellt auch Andreas Schaaf, Chef von Drive Now fest, einem Joint Venture von BMW und Autovermieter Sixt. Er hat 1500 Minis und BMW 1er auf der Straße. „Free-Floater“ (Freischwimmer) nennen sich Unternehmen wie Drive Now oder Car2go, hinter dem Daimler und Europcar stecken.

Travel Manager freuen sich über Preiswettbewerb

Im Gegensatz zu Alphabet, Hertz oder DB-Tochter Flinkster haben die Flotten der Free-Floater keine festen Standorte. Die zweisitzigen Smarts von Car2go etwa stehen zu Hunderten in Berlin, Hamburg oder Ulm. Einmal registriert, können Kunden jederzeit in freie Autos einsteigen und losfahren. Bezahlt wird nutzungsabhängig. Hinzu kommt eine Registrierungsgebühr. Kunden können die in ihrem Umfeld freien Fahrzeuge per Smartphone oder Website finden und für 15 Minuten reservieren.

Das Plus für Unternehmen: Die Anbieter geben in der Regel großzügige Rabatte auf die Registrierungsgebühren. „Mitarbeiter können vor Fahrtantritt auf dem Touch Screen unterscheiden, ob es sich um eine private oder eine dienstliche Fahrt handelt und somit angeben, welches Konto belastet werden soll“, erklärt Schaaf. Selbst Fahrten über die jeweilige Stadtgrenze hinaus erlauben einige Anbieter. Durch der großen Zahl an Carsharing-Anbietern kommt es inzwischen zu einem echten Preiswettbewerb – zur Freude der Travel Manager. Verhandeln kann sich in barer Münze auszahlen, und mancherorts werben mittlerweile sogar schon Billiganbieter um Firmenkunden: In Hamburg etwa startete gerade Citeecar mit Stundenpreisen von einem Euro. Fest steht: Carsharing hat die Öko-Nische, in der es vor etwa 25 Jahren entstand, verlassen und wird zur Wachstumsindustrie. In einem jedoch bleibt es grün: Alphabet hat gerade die ersten Elektroautos in seine Flotte genommen.

Carsharing-Anbieter und ihre Konzepte

Alpha City ist die Lösung von BMW für Firmen. Flotten können privat wie geschäftlich genutzt werden. Gebucht wird via Inter- oder Intranet. Infineon und Microsoft machen mit. Kosten: Firmen leasen Autos und Technik, sparen bei der Verwaltung, Preise für Privatfahrten legen sie selbst fest. Car2go wurde 2008 gegründet, 2009 Start in Deutschland (Ulm). 18 Städte sind weltweit angeschlossen, 7000 Smarts stehen in den Innenstädten bereit, 300.000 Kunden haben sich bereits registriert. Kosten: 29 Cent pro Minute, 14,90 Euro je Stunde, 59 Euro pro Tag plus 19 Euro Registrierungsgebühr. CiteeCar: Als„Low Cost Car Sharing“ ist das Luxemburger Unternehmen gerade in Hamburg gestartet: 100 Autos, die 1 Euro pro Stunde und 20 Cent pro Kilometer kosten. Firmen können als „Host“ für Fahrzeuge fungieren: Die Autos stehen während der Geschäftszeiten dann ausschließlich den Mitarbeitern zur Verfügung. Drive Now besteht seit Mai 2011, Start in München. Fünf Städte sind angeschlossen, darunter San Francisco, 1500 Autos im Einsatz, 100.000 Kunden registriert. Ziel: eine Million Mitglieder weltweit. Kosten: wie bei Car2go, Abrechnung läuft via EC-oder Kreditkarte. Wer den Wagen auftankt, erhält Freiminuten. Flinkster: Die Carsharing-Tochter der Deutschen Bahn zählt 270.000 Kunden und 2800 Fahrzeuge in 140 Städten. Die Bahn setzt auf ein Kombi-Konzept aus Stationen und Parkplätzen rund um alle großen Bahnhöfe. Anmeldegebühr 50 Euro, hinzu kom men Stundenkosten (ab 1,50 Euro) und km-Pauschalen bis maximal 20 Cent. Hertz on Demand bietet basierend auf eigener Technik Carsharing in Berlin, 35 feste Standorte, 4600 Mitglieder, diverse Fahrzeugtypen im Einsatz. Hinzu kommen individuelle Lösungen für Firmen. Kombi von privat und Business. Kosten: Firmentarife, privat: ab1,50 Euro pro Stunde, Kreditkartenzahlung. ZipCar gilt als weltgrößter Anbieter des Carsharing. Das in den USA ansässige Unternehmen wurde gerade erst vom Autovermieter Avis gekauft und ist in mehr als 150 Städten der USA, Kanadas, Großbritanniens, Spaniens und Österreichs vertreten. Je nach Modell kostet eine Stunde ab 4 Euro. Für Firmen gibt es spezielle Angebote. Weitere Anbieter: Ford2go, Nachbarschaftsauto, Pocket-Taxi, Stadtmobil, Book-N-Drive, Carzapp, Cambio, Greenwheels.

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