Lesetipp

Wie kann ein Dorf einfach verschwinden?

Der 600-Seelen-Ort Kupferberg in Niederschlesien hat viele Jahrhunderte unbeschadet überstanden – als Idylle. Dann wurde er komplett abgerissen. Filip Springer zeichnet das Schickal fesselnd nach.

Fast 650 Jahre lang hatte der Ort Kupferberg Bestand. Das idyllisch gelegene einstige Bergbau-Städtchen in Niederschlesien wuchs nicht nur, sondern blieb auch von allen Kriegen verschont. Selbst der zweite Weltkrieg zerstörte nichts in der 600-Seelen-Gemeinde, die lange Zeit als kleinste Stadt Preußens galt. Erst nach 1945 wurde die Bevölkerung, so gut wie ausschließlich deutsch und evangelisch, vertrieben.

Sein Leben hauchte Kupferberg aus, als nach dem Krieg Uranerz geschürft wurde. Der komplette Ort wurde abgerissen, die Menschen wurden nach Hirschberg umgesiedelt. Heute existiert vom alten Kupferberg, welches die Polen nach dem Krieg in Miedzianka umtauften, nur noch die katholische Kirche. Und eine Flasche Bier – Relikt der einst dort existierenden Brauerei – und ein Porzellanverschluss.

Den polnischen Autor Filip Springer hat das traurige Schicksal nicht losgelassen. Präzise und dabei doch spannend wie ein Roman geht er den Geheimnissen der Stadt im Hirschberger Tal nach. Wie kann ein Dorf, das es ja eigentlich war, einfach so verschwinden? Springer zeichnet die Geschichte eines langsamen Untergangs nach, weit entfernt von jedem "Storytelling" (wie es heute so beliebt ist), sondern rein auf Fakten, auf detaillierter Beobachtung beruhend. Dabei deckt er nicht nur die fürchterlichen Folgen des ökologischen Raubbaus auf, sondern schildert – fast nebenher – jahrhundertelange europäische Geschichte im Kleinen. Fesselnd!

Hier geht es zur Leseprobe:

Filip Springer: Kupferberg. Erschienen im Paul Zsolnay Verlag. 336 Seiten, Preis: 25 Euro. ISBN 978-3552059085.
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