Lesetipp

Verhängnisvolle Suche nach der eigenen Identität

Salis

In "Alles außer ich" fesselt Daniel Mezger nicht nur mit einer verworrenen Familiengeschichte, sondern wirft in brillianter Weise die Frage nach der eigenen Identität auf.

"Land spielen", so hieß der Roman, mit dem der Schweizer Daniel Mezger 2012 für Furore sorgte. In einer klaren, mitreißenden Sprache demontiert er darin die "Landlust", welche (nach wie vor) saturierte Städter in die Dörfer treibt. Und genussvoll – aber keinesfalls überheblich – beschreibt er das völlige Scheitern dieses Traums von der angeblichen Idylle.

Nun, sieben Jahre später, legt der 41-Jährige nach. Diesmal stellt er sich einer anderen, ebenso existentiellen Frage: derjenigen der Identität. Sein Roman "Alles außer ich" handelt von Ursina, einer Dänin mit tschechischen Wurzeln, die auf der Suche nach ihrem biologischen Vater aus der Schweiz ist: Hans Meier. Gemeinsam mit D., der Ursina als Mitfahrgelegenheit nutzt, macht sie sich auf den Weg. Das Dumme: D. heißt ebenfalls Meier – und sein Vater Hans. Immer mehr steigert sich D., der von seinem eigenen Meiersein höchst gelangweilt ist, in den Gedanken hinein, einer unentdeckten Affäre seines Vaters auf der Spur zu sein. Ist Ursina möglicherweise seine Schwester?

Die interessieren die Mutmaßungen von D. jedoch so gar nicht. Und erst recht will sie nicht Produkt einer Affäre sein, Opfer sozusagen. Eigentlich will sie mit ihrer Mutter brechen, der psychisch labilen Stine. Doch D. lässt ihr keine Ruhe, er zwängt sich mit aller Kraft in ihr Leben hinein.

Mezger erzählt die Geschichte zweier Menschen, die beide – auf jeweils andere Art – auf der Suche nach ihrer Identität sind. Beide sind mit ihrem bisherigen "Ich" völlig unzufrieden, suchen zwanghaft nach einer neuen Identifikation, die ja eigentlich die "richtige" sein könnte, die "wirkliche" sozusagen, die sie endlich mit ihrem Leben zufrieden macht.

Natürlich geht das schief. Mezger ist mit "Alles außer ich" wieder ein ausgezeichnet geschriebener Roman gelungen, einer, der nicht so einfach zu fassen ist. Dabei fesselt seine Geschichte außerordentlich – und schwankt stilistisch zwischen höchster Spannung und stillem Humor.

Daniel Mezger, geboren 1978 in Brugg, lebt heute in Zürich. Als Schauspieler war er mehrere Jahre lang in Göttingen tätig, überdies arbeitet er aös Bühnenautor u8nd singt er bei der Band "A Bang and a Whimper".

Hier geht es zu einer Leseprobe:
https://issuu.com/salisverlag/docs/salis_mezger_aai_leseprobe

Daniel Mezger: Alles außer ich. Erschienen im Salis Verlag. 448 Seiten, Preis: 24 Euro. ISBN: 978-3906195896.


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