Lesetipp

Vom Zwang, immer weiter zu wachsen

Wiley-VCH

Ob wir es wollen oder nicht, wir müssen weiterwachsen, schreibt der Ökonom Mathias Binswanger in seinem Buch "Der Wachstumszwang".

 Sein im vergangenen Jahr verstorbener Vater Hans Christoph Binswanger galt als einer der renommiertesten Wachstumskritiker: Der Ehrenpräsident der Herbert-Gruhl-Gesellschaft – Gruhl war Gründer der "Grünen" und später der ÖDP – entwickelte schon vor vielen Jahrzehnten das Modell einer sozial-ökologischen Marktwirtschaft jeneits von linken Politikvorstellungen.

Sein Sohn Mathias führt dieses Werk fort. Und er geht einen Schritt weiter: In seinem Buch "Der Wachstumszwang" bezeichnet er das wirtschaftliche Wachstum, das unseren Wohlstand geschaffen hat, als eine zur Zwangshandlung degenerierte Ideologie. Da inzwischen viele Menschen nicht mehr an weiteres materielles Wohlergehen als Basis für eine gutes Leben glaubten, würde die Notwendigkeit zu wachsen heute anders begründet: Deutschland oder die Schweiz (Binswangers Heimat) würden wirtschaftlich im Vergleich zu Ländern wie den USA (Silicon Valley!) oder China zurückbleben, wenn es nicht permanent nach oben gehe.

Eine Argumentation, die Binswanger absolut nachvollziehen kann: Ohne weiteres Wachstum, so legt er in seinem Buch dar, ist unser derzeitiges wirtschaftliches System, das auf dem Kapitalismus beruht, nicht möglich. Auf der anderen Seite wünschen sich aber weder er noch die weitaus größte Mehrheit der Menschen etwas anderes. Darauf beruhend erörtert Binswanger die Frage, ob es überhaupt ein nachhaltiges Wachstum geben kann – immer im Wissen, dass dies am Ende auch keine Lösung ist.

Mathias Binswanger: Der Wachstumszwang – warum die Volkswirtschaft immer weiterwachsen muss, selbst wenn wir genug haben (Wiley-VCH-Verlag, 310 Seiten, Preis: 24,99 Euro)



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