Lesetipp

Eine Kerkermeisterin namens Alexa

C.H. Beck

Freiwillig begibt sich der Mensch in ein Datengefängnis, das gesteuert wird von Tech-Konzernen wie Google & Co. Algorithmen werden zu den neuen Diktatoren, schreibt Adrian Lobe in seinem Buch "Speichern und Strafen".

Das Smartphone zählt unsere Schritte, die Smartwatch misst unsere Herzfrequenz, und das Smart Home detektiert Zigarettenrauch und Schimpfwörter: Angeblich "kluge" Helfer wie Alexa, Siri & Co. sollen uns behüten und unser Leben erleichtern. Biometrische Gesichtserkennung soll das Einsteigen ins Flugzeug vereinfachen. Und in Schweden lassen sich Beschäftigte bereits Mikrochips in den Körper implementieren, welche einfach alles leichter machen sollen.


Natürlich ist das Unsinn. Adrian Lobe, Politikwissenschaftler und Journalist, zeigt in seinem Buch "Speichern und Strafen", wie uns die Digitaltechnik geradewegs in ein Datengefängnis führt. Anders als frühere Geheimdienste wie die Stasi, welche die Menschen umständlich ausforschen mussten, geben die heute Überwachten ihre Daten gern und freiwillig heraus.

Dadurch erlangen die großen Tech-Konzerne wie Amazon, Facebook oder Google ein Herrschaftswissen, das es in dieser Fülle noch nie gab. Laufend führen sie Protokoll darüber, was wir tun, sagen, schreiben oder – daran wird gerade getüftelt – sogar denken. Durch die von uns freiwillig installierten Mikrofone, Kameras und Sensoren überwachen sie uns 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche.

Viele Menschen machen das, was einst "offener Vollzug" hieß, damit zu ihrer Wunschvorstellung. Immerhin sind die Gefängniswärter Siri, Alexa und Cortana freundlich – da fällt es gar nicht so auf, dass wir unsere Freiheit mehr und mehr zugunsten der Allmacht der Tech-Konzerne aufgeben.

Gewiss, Adrian Lobe setzt viel schwarzen Humor ein. Doch leider übertreibt er nicht mal – sondern beschreibt den Zustand einer Gesellschaft, die sich von Digitalisierung und Algorithmen gefangen nehmen lässt. "Unser Leben wird zu einem reinen Computerprotokoll", schreibt er, Zahlen und Formeln bestimmen über unser Wohlergehen und unsere Zukunft.

Vielleicht, so ist zu hoffen, setzt doch noch ein Umdenken ein – solange der Mensch noch fähig und vor allem willens ist, selbst zu denken.

Hier geht es zu einer Leseprobe:
https://beckassets.blob.core.windows.net/product/readingsample/27871837/27871837_leseprobe_speichernundstrafen.pdf


Adrian Lobe: Speichern und Strafen: Die Gesellschaft im Datengefängnis. Erschienen bei C.H. Beck. 256 Seiten. Preis: 16,95 Euro. ISBN 978-3406741791.


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