Lesetipp

Acht Tage im Mai

Buch Voklker Ulrich
Privat
Buch Voklker Ulrich

In diesem Jahr jährte sich das Ende des 2. Weltkrieges in Deutschland zum 75 Mal. Anlass für zahlreiche TV-Dokumentationen und Bücher über die damalige Zeit. Zu den lesenswerten Neuerscheinungen zählt der Band „Acht Tage im Mai“ von Volker Ullrich.

Das 3. Reich taumelt Anfang Mai 1945 seinem Untergang entgegen. Hitler ist tot, im Osten und im Westen brechen die Fronten zusammen. Hundertausende sind auf der Flucht. Genau diese letzten Tage des einst „Großdeutschen Reiches“ beleuchtet der Historiker Volker Ulrich in seinem Buch „Acht Tage im Mai“. Dabei entwickelt er ein wahres Historienpanorama, tastet sich Tag für Tag bis zur Kapitulation am 8. Mai vor, schildert die damalige Zeit und Ereignisse aus den unterschiedlichsten Perspektiven und Blickwinkeln.

So entsteht ein enorm vielschichtiges Bild, das noch einmal das Grauen, die Ängste, aber auch die Hoffnungen dieser Tage des Zusammenbruchs und des Übergangs zeigen. Denn der ehemalige Zeit-Mitarbeiter Ullrich beschränkt sich nicht nur auf die militärischen und politischen Entwicklungen, sondern lässt neben deutschen und alliierten Militärs und Politikern auch die „einfachen Menschen“ zu Wort kommen.

Ulrich schildert unter anderem, wie die deutsche Regierung unter Hitlers Nachfolger, Großadmiral Dönitz, vergeblich versucht, mit Stalin einen Separatfrieden zu verhandeln, er beschreibt die Selbstmordwelle im preußischen Städtchen Demmin, er begleitet die Gruppe Ulbricht, wie sie nach dem Fall Berlins in die zerstörte Hauptstadt kommt und lässt auch Willy Brand im schwedischen Exil zu Wort kommen. Ulrich skizziert die letzten Todesmärsche, schildert die Festnahme des Raketenforscher Werner von Braun und die Suche Marlene Dietrichs nach ihrer Schwester in Bergen-Belsen.

Doch nicht nur prominente Personen finden in Ulrichs Buch Platz. Auch unbekannte Zeitgenossen kommen zu Wort, wie die damals 19 Jahre alte Erika Assmus aus Ahlbeck auf Usedom, die mit Verbitterung und Zynismus auf das Ende des zuvor unterstützten Hitler-Regimes reagiert: „Die Firma ist bankrott. Ihr Gründer hat sich davon gemacht und sie im Dreck zurückgelassen. So hat sie nicht gespielt! Das war nicht die Geschäftsgrundlage.“

All das ist enorm lebendig beschrieben und lässt ein weit gefächertes Bild der letzten Tage des Dritten Reiches entstehen – lesenswert!

Volker Ullrich, Acht Tage im Mai, Verlag C.H. Beck, 317 Seiten, ISBN 978 3 406 749858, Hardcover 24,00 Euro.

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