Wulff

Bettina Schausten zu Gast bei Freunden

Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios, ist nach ihrem TV-Interview mit Bundespräsident Christian Wulff in aller Munde. Die Journalistin verlangt angeblich 150 Euro für Übernachtungen bei Freunden. Das gibt Raum für reichlich Häme im Netz und für geschicktes Marketing.

von Dirk Rogl, 05.01.2012, 15:19 Uhr

Wir halten uns mal zurück mit einer Wertung der bundespräsidialen Freundschaftspflege. Aber so langsam bekommt der Politik-Krimi auch eine touristische Komponente. Schuld daran ist weniger unser Staatsoberhaupt mit seinem Hang zur Übernachtung in freundschaftlich gepflegten Feriendomizilen sondern Bettina Schausten, Leiterin des ZDF-Hauptstadtstudios. Die behauptete gestern vor laufenden Kameras auf Nachfrage von Christian Wulff, für private Übernachtungen ihrer Freunde tatsächlich die Hand aufzuhalten. Einen Betrag von 150 Euro stellte die ZDF-Redakteurin in den Raum. Offenbar pro Nacht. Und ohne Ironie.

Inzwischen ist das Netz voll mit Häme. In Facebook spricht sich eine eigene Fanpage gegen bezahlte Übernachtungen im Hause Schausten aus. Grandios aus meiner Sicht ist die dort imitierte Werbung eines Kreditkartenanbieters. "Bei echten Freunden null Euro. Für Freunde von Bettina Schausten 150 Euro. Dämliche Fragen stellen. Unbezahlbar", heißt es auf der Fanpage. Auch im Kurznachrichten-Dienst Twitter verbreitet sich Hohn und Spott über die bezahlte Variante der freundschaftlichen Übernachtung.

Spannend ist die Thematik für die boomenden Privatübernachtungs-Portale wie etwa 9flats.com. In seinem eigenen Blog gibt 9flats durchaus fundiert darüber Auskunft, was bei der politisch korrekten Übernachtung bei Freunden steuer- und gewerberechtlich zu beachten ist. Auch Autovermieter Sixt hat die Diskussion um Christian Wulff spontan in sein Marketing eingebaut. "Spaß kann man auch ohne reiche Freunde haben. Mit einem Mietwagen von Sixt – auch in Hannover", heißt es in einer neuen Kampagne. Ein anderes Sixt-Motiv, das viral im Netz grassiert, ist vermutlich ein Fake. "Spontaner Umzug? Sixt liefert an jede Adresse", heißt es auf dem Plakat, das einen Sixt-Transporter vor dem Schloss Bellevue zeigt. Manche Scherze verbieten sich doch einfach von selbst, oder?

Eine Stellungnahme, ob und wann Bettina Schausten letztmalig ihr Gästezimmer für 150 Euro vermittelt hat, liegt bislang übrigens nicht vor. In der Annahme, dass andere Medien auch dieses Thema aufbereiten werden, haben wir von einer Anfrage beim ZDF abgesehen.

Kommentare

von Christoph Huwer, 05.01.12, 16:03
Viele Menschen stellen ihre Gästezimmer gegen Bezahlung zur Verfügung. Es gibt doch mittlerweile auch genug Portale die so etwas sogar vermitteln.

von Andreas Schulte, 05.01.12, 16:12
Diese surrealistische Präsidenten-Hetzjagd wird langsam für die Medien ja nur noch peinlich. Wem hat der Mann eigentlich so was böses getan, dass man ihn unbedingt zur Strecke bringen will ? Egal was er sagt, was er tut, wie weit er die Hose noch auszieht, alles falsch, alles unehrlich. Vom Grundgedanken der Verfassung her ist der deutsche Präsident der deutsche "Primus inter pares". Nun möge man mir eine / einen "Pares" nennen, der sich im Wesentlichen anders verhalten hätte als Christian Wulf. Alle Pharisäer, die meinen, sich in dieser Sache profilieren zu müssen, mögen morgens vielleich doch mal etwas länger intensiv ihr Spiegelbild betrachten. Die arme Bettina Schausten kann man nur bedauern. Wer Freunde hat, die für ihre Gastfreundschaft € 150,00 / Nacht verlangen, braucht keine Feinde mehr zu fürchten.

von Holger Lieff, 05.01.12, 16:15
Neben den schon reichlich berechtigten Spott- und Hämeäußerungen zu Bettina Schausteins "kindischer" Schnellschußantwort, verwundert es mich noch mehr, dass Sie nachträglich -auf dieses Äußerung angesprochen- noch den Erklärungsversuch unternahm: " Sie wollte ein apruptes Ende des von Wulff beabichtigten Ablenkungsmanövers machen.". Was lernt man eigentlich als Journalist? Wohl doch sich nicht einzubringen und solche und ähnlich Fragen ins Leere laufen zu lassen. Herr Deppendorf war hingegen eine wahre Wohltat in Haltung und Worten.

von Ulrich von dem Bruch, 05.01.12, 16:42
Ich würde Frau Schausten sofort als Yieldmanager einstellen. 150 € für ein Privatzimmer schafft in Deutschland sonst niemand.

von Markus Luthe, 05.01.12, 17:32
Sollte jetzt auf die Mindestlohnrunden gar eine Debatte um Mindestpreise für private Luftmatratzenabieter folgen? Dann hätte Frau Schausten einen interessanten häuslichen Benchmark platziert...

von Klaus Hildebrandt, 05.01.12, 18:34
@Markus Luthe: Bloß nicht! Dann kommt in Deutschlands Städten bald die Bettensteuer auch für Luftmatratzen!

von Arnold Heggemann, 05.01.12, 19:27
Wenn man (auch bissige) Kommentare schreibt, muß man vorab zumindest genau zuhören (oder lesen). Schausten hat nicht gesagt, daß sie den Betrag nimmt, sondern sie hat Wulff den Betrag empfohlen (z.B.150,-€) zu zahlen, damit, und jetzt kommt das Entscheidende, der Bundespräsident -nicht- in den Geruch kommt, evtl.abhängig zu werden.In solch exponierter Stellung muß schon der Anschein der Bestechlichkeit (o.ä.) vermieden werden.Das ist der Unterschied zu "Meier u.Müller".

von Jürgen Barthel, 05.01.12, 20:02
Nochmals andere Interpretation: Sie stellt dem ZDF 150€ in Rechnung, wenn SIE bei Freunden übernachtet. Wobei das sinnvoll sein kann, wenn sie in New York die Freunde statt dessen (gegen Beleg) entsprechend zum Essen ausführt? Aber auch in dem Fall darf man den Kopf schütteln, denn es gibt sicher Ausnahmen, aber die sollte man (oder auch Frau Schausten) dann ordentlich abrechnen. Fakt: Aus genau diesem Grund gehe ich in Berlin zur ITB ins Hotel, obwohl ich da privat auch gern bei Freunden übernachte... Es ist jedenfalls spannend, dass und wie hier "Vorbilder" offenbar ohne jegliches Unrechtsbewusstsein agieren. Hmmm... Ob das finanz(amts)technisch überhaupt zulässig ist? Und für das Steuerrecht ist ja der Bundespräsi auch (politisch) "verantwortlich"...

von Dirk Rogl, 05.01.12, 20:18
Lieber Herr Heggemann. Volle Zustimmung im zweiten Teil. Aber wenn man noch genauer hinhört hat sie beides gesagt: http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=PZzQacDgaOE

von Andreas Schulte, 05.01.12, 20:46
wenn man genau zugehört hat, dann hat Frau Schausten auf die Frage von Wulf, ob sie das denn bei ihren Freunden so mache - kurz und bündig geantwortet: "JA" . Bei allen Maßstäben, die man anlegen möchten oder die man in ein öffentliches Amt hinein stilisieren möchte, sollte man doch - vor allem sollten Politiker - doch bitte den gesunden Menschenverstand nutzen. Der sagt einem dann nämlich sicher, dass es mehr als unwahrscheinlich sein wird, dass ein "gelernter" Politiker, der zum Bundespräsidenten gewählt wird, durch eben diese Wahl sein "Politikerverhalten" und seine Vergangenheit verliert. So etwas zu erwarten, zu fordern oder zu glauben, ist blauäugig, wenn nicht sogar infantil. Jeder Bundespräsident ist halt so, wie der Mensch ist und war, der in dieses Amt gewählt wird. So gut, so "edel" oder auch so schlecht, wie er es sein bisheriges Leben lang war. Das müssten doch die, die ihn wählen, schon vor der Wahl wissen. Warum tut man plötzlich so, als müsste es anders sein, als wüsste man es nicht mehr ?

von Markus Luthe, 05.01.12, 22:30
@Klaus Hildebrandt: :-) Dann wäre der Beweis geführt, dass man auch Luft besteuern kann - bei flexibler Verpackung! Im Ernst: Ohne „Schausten-Steuer“ fördern Matratzen-Mauten nur den grauen und schwarzen Beherbergungsmarkt.

von Andreas Schulte, 05.01.12, 23:26
Die Schäuble-Truppen werden das Steuerthema ganz nüchtern sehen und könnten darauf bestehen, dass auch für solche kostenpflichtigen Übernachtungskostenerstattungen von Freunden Steuererklärungen (Vermietung und Verpachtung) abgegeben werden. Konkret werden die Steuerfahnder bei solchen freundschaftlichen Leistungen sogar von Amts wegen aktiv werden müssen, wenn solche Einnahmen nicht freiwillig deklariert werden. Immerhin reklamieren wir Deutschen ja - absolute Ehrlichkeit und Offenheit steht über allem - von jedermann für jedermann - Pardon: natürlich auch für jeder Frau.

von Jürgen Barthel, 06.01.12, 00:00
u.a. @Andreas Schulte: Dann steht Frau Schausten ja möglicherweise bald ein Besuch der Steuerfahndung ins Haus...? Ach nein, sie war ja gut zum (CDU-)Bundespräsidenten, da kann der Bundesfinanzminister sicherlich eine Amigo-Sonderregelung für sie geltend machen, damit ihr das erspart bleibt...? Ich amüsiere mich nur über die Kommentare aus Russland: Dort lacht man sich über die Deutschen schlapp. Die sind wenigstens "öffentlich korrupt". Unsere Politiker versuchen verzweifelt den Schein einer Persil-weissen Weste zu wahren. Das geht so weit, dass es schon wieder lächerlich wird! Ich erlaube mir mal auf die ARD Monitor Dossiers im Internet zu verweisen, Tante Angie ist doch genauso korrupt. Das erinnert mich aber an die "gute alte Zeit": 1974, Reinhard Mey: Was kann schöner sein auf Erden, als Politiker zu werden... Man braucht nur eine gehörige Portion Unverfrohrenheit und eine flexible Moral. http://www.youtube.com/watch?v=053VQxl-Ol4

von Jürgen Bushe, 06.01.12, 09:08
Neu auf der Mailbox von BILD-Chefredakteur Diekmann der Anruf von Frau Schausten, er möge bitte nicht recherchieren, ob sie die 150€/Nacht versteuert ;)))

von Gunther Holzschuh, 06.01.12, 12:02
Ich denke, dass wir in der Touristik Industrie ganz andere Herausforderungen vor uns haben als uns mit solchen doch eher unbedeutenden "Themen" zu beschäftigen. Ich würde mir deutlich mehr kritische Diskussion in Ihren Blogs über die Weiterentwicklung unserer Industrie wünschen. Diskussionen, die über das klassische "Besitzstandwahren" hinausgehen.

von Riemschneider, 07.01.12, 08:08
Ich zahle Kirchensteuer, gehe aber sehr selten in die Kirche - aber, wir alle leben ein bisschen nach der Bibel - egal ob evangelisch oder katholisch. Es wurde bereits von Herrn Wulff zitiert: Wer ohne Schuld ist, der werfe den ersten Stein. Mich wundert immer wieder, dass die Dreckschleudern aus dem vor Blut triefenden Tittenblatt scheinbar alle ohne Schuld sein sollen. Obendrauf hauen auch noch solche wie Gisi, der schon in der Ostzone nicht schlecht lebte oder ein Lafontaine, der links predigt aber selbst fett lebt. Mal ehrlich, wir haben alle unsere kleinen Geheimnisse und jetzt unserem Arbeitnehmer Wulff den Umgang mit seinen Freunden verbieten oder zu vergällen oder neidisch mit dem Finger drauf zu zeigen, dass seine Hypothek billiger oder einfacher war als unsere - na ich weiss nicht so recht; aber was ich weiss - bisher hat die BILD Zeitung noch nie zu 100% ehrlich berichtet, irgendetwas war immer falsch - und solche Schmierfinken werden derzeit in den Himmel der Moralapostel gehoben; na denn mal Gute Nacht!

von Wolfgang Hoffmann, 09.01.12, 14:12
Das lapidare "Ja" von Bettina Schausten war schwerstblöd. Diesen journalistischen Lapsus allerdings jetzt vorzuschieben, um die Vorwürfe gegen Herrn Wulff abzumildern, reicht er beileibe nicht aus. Es gibt durch das bedenkenlose Agieren unserer Politiker und denen, denen wir eigentlich unser Vertrauen in einem Gemeinwesen leihen sollten und die offensichtlich mit unserern Politikern eine gewisse "Übereinkunft" pflegen eine Werteerrosion, die sich gerade am ersten Bürger unseres Landes, am Bundespräsidenten festmacht. Wenn die Diskussion dazu geeignet ist, gewisse Illusionen darüber richtigzustellen, dass diese Vorbilder keine Vorbilder mehr sind, dann muss sie unbedingt weitergeführt werden. Denn, wie bei einem Fieber kann die Krankheit Missgunst & Misstrauen nur ausgeschwitzt werden, wenn alles rauskommt. Ansonsten ist unsere Gesellschaft nicht mehr zu retten. Und diesen Dienst, hat der Bundespräsidfent Herr Wulff uns in seinem Amt gefälligst zu leisten. Für etwas anderes benötige ich persönlich ihn sonst nicht.

von Weser Ronald, 13.01.12, 19:48
Ich habe Frau Schausten so verstanden - sie zahlt bei Übernachtungen 150€. Mach doch sonst keinen Sinn , wollte sie doch beweisen welch weiße Weste sie hat. Vielleicht kann Sie mal öffentlich eine Liste vorlegen von wem sie das bekommen hat. Oder war das eine Halbwahrheit?????????????????? Oder Lüge????????

von resume writer, 05.02.12, 22:12
This is a very interesting information! Thanks for sharing this article!

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