Wochenschau

Verschwörungstheoretiker und steuerkonforme Hotels

Türkische Verschwörungstheorien, steuerliche Fehlinterpretationen, PR-Phrasen – die etwas andere Wochenschau der Touristik.

von Klaus Hildebrandt, 12.02.2016, 17:39 Uhr

1. TUI-Chef Fritz Joussen verkündete anlässlich der Hauptversammlung für die Türkei konzernweit einen Buchungsrückgang um 40 Prozent. Andere Veranstalter verzeichnen Einbrüche in ähnlicher Höhe, denn auch vor dem Anschlag von Istanbul lief das Sommergeschäft schlecht an. In der türkischen Presse war die TUI-Zahl ein großes Thema. Allerdings mit einem Tenor, den auch Basaran Ulusoy vom türkischen Reisebüro-Verband Türsab anschlägt: Die TUI wolle mit der Horrormeldung nur die türkischen Preise drücken. Doch das müssen TUI & Co gar nicht: Wegen des Ausbleibens der russischen Gäste – ein Ende von Putins Reisestopp ist nicht in Sicht – und der Einbußen auch aus anderen europäischen Quellmärkten bieten die Hoteliers hohe Rabatte an. Angebot und Nachfrage eben. Statt sich in Verschwörungstheorien zu versteigen, sollte Ulusoy lieber überlegen, wie die Türkei den Tourismus ankurbeln kann. Da ist nämlich bislang weder vom Tourismusministerium noch von seinem Verband etwas zu hören.

2. Das Zwischenurteil des Finanzgerichts Münster zur gewerbesteuerlichen Hinzurechnung des Hoteleinkaufs der Veranstalter bewegt die Reisebranche. Doch ein Urteil kann man so und so lesen. Während die fvw das Urteil als "Niederlage für die Veranstalter" wertete und die Verbände DRV und BTW den Richterspruch scharf kritisierten, berichten andere Medien von einem "Teilerfolg für die Reisebranche". In der Tat rechnen die Richter in Münster nun auch noch Strom, Wasser und Heizung aus dem Zimmerpreis. Aber das Gericht bleibt grundsätzlich bei der Annahme einer Miete – die seriös aus dem Leistungsbündel gar nicht zu herauszurechnen ist. Vorschlag: Die Veranstalter bieten demnächst ein ein "Steuer-Zimmer": Ohne Verpflegung, Reinigung, Animation und Poolzugang. Strom, Wasser und Heizung gibt es gegen Münzeinwurf am Zimmerautomaten. Für Finanzbeamte gibt es dann nochmal drei Prozent Rabatt!

3. Meine Lieblings-PR-Meldung der vergangenen Tage lautete: "Newsflash zur sofortigen Veröffentlichung: Abwehr von stechenden Insekten ist bester Schutz gegen Ansteckung mit dem Zika-Virus." Sie kam, kaum zu erahnen, von einem Mückenspray-Hersteller. Ich sehe schon weitere Newsflash kommen: "An Land bleiben ist der beste Schutz gegen Seekrankheit". Oder: "Abwehr von Alkohol Im Urlaub ist der beste Schutz vor fiesem Kater." In diesem Sinne: Ein erholsames Wochenende ist der beste Schuz vor Stress im Büro!

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten