Verbraucherschutz

Ich fühle mich diskriminiert!

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes sieht Erwachsenen-Hotels kritisch. Warum nur die? Es gibt doch so viel himmelschreiende Ungleichbehandlung im Tourismus.

von Klaus Hildebrandt, 22.02.2016, 11:11 Uhr

Die Antidiskriminierungsstelle des Bundes hält Hotelangebote, die ein Mindestalter von 16 Jahren vorschreiben, für problematisch. Eine solche Regelung könnte gegen das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) verstoßen, teilte die Stelle der Deutschen Presseagentur mit. Ein deutscher EU-Parlamentarier will die EU-Menschenrechtsagentur wegen der "Kinderhasser-Hotels" (so die Headline des "Berliner Kuriers") einschalten.

Ich werde mich sogar an die Vereinten Nationen wenden! Denn die Diskriminierung lauert im Tourismus überall. Hier ein paar Beispiele:

- Diskriminierung wegen Armut: "Ich hätte gerne eine AI-Pauschalreise mit Flug ans Mittelmeer für eine vierköpfige Familie in den Sommerferien für insgesamt unter 1500 Euro". Menschen, die diesen Klassiker im Reisebüro vorbringen, werden doch tatsächlich ohne Buchung nach Hause geschickt.

- Diskriminierung wegen Urlaubsfaulheit: Andauernd soll man in Club-Anlagen Sport treiben, Kurse besuchen oder bei Pool-Spielen mitmachen. Aber ich will nur meine Ruhe haben – und habe dabei dann ein schlechtes Gewissen.

- Diskriminierung wegen Alter: Sie fühlen sich mindestens 20 Jahre jünger und sind total gut drauf? Aber trotzdem dürfen Sie im Hotel nicht aktiv an der Kinderdisco teilnehmen!

- Diskriminierung wegen Markenverwirrung: Sie wollten in ein Hotel der Adult-Only-Marke Sensimar, haben das aber mit Sentido verwechselt und sind jetzt umgeben von lärmenden Kinderhorden.

- Diskriminierung wegen kultureller Differenzen: Sie freuen sich auf einen romantischen Mallora-Urlaub mit viel Kultur – und sind nun an der "Schinkenstraße" gelandet, wo authentische Cervecerias "Bierkönig" heißen, Jürgen Drews traditionelle Folklore singt und an der Strandbar die Sangria im Eimer serviert wird? Einer von vielen Fällen für die Menschenrechtsagentur!

Kommentare

von Claus, 22.02.16, 15:34
hat der deutsche EU-Parlamentarier nicht mitbekommen, dass Karneval schon vorbei ist

von Klaus Hildebrandt, 22.02.16, 15:50
Auch Karneval ist ein Fall für die Diskriminierungsstelle! Die fünfte Jahreszeit zwingt Karnevalsmuffel an Rhein und Main zu einer für sie lächerlich wirkenden Verkleidung bei der Firmenfeier oder gar zur Flucht in andere Regionen! Klaus (mit K)

von Domsalla, 22.02.16, 15:54
Pure Zeit- und Geldverschwendung - oder eine gute Gelegenheit, der Politik den Tourismus wieder ein Stück näherzubringen. Wie wäre es mit politikerfreien Hotels? Sicher ein Buchungsknaller.

von HS, 22.02.16, 16:30
- Diskriminierung wegen FKK: Da buche ich extra ein FKK-Hotel und werde dann von dutzenden Nackten schräg angeschaut, weil ich im Badeanzug mit Rollkragen am Strand sitze. Unmöglich. Anwalt. Wo kann ich klagen?

von Dietmar, 22.02.16, 17:10
Hallo Klaus, tolle Glosse - voll zutreffend.

von Jan Lehmann, 23.02.16, 09:04
Lieber Klaus, ich danke dir, daß du dieses sensible Thema einmal angesprochen hast ! Dies gibt mir Gelegenheit, endlich mal über mein Trauma zu reflektieren, welches mich schon seit meiner Geburt belastet. Ich fühle mich diskriminiert ! Diskriminiert, weil ich mit meinem Dialekt in den meisten Zielgebieten nicht verstanden werde ! Ich hoffe, es kann eine verbindliche Regelung gefunden werden, daß alle deutschsprachigen Reiseleiter auch die sächsische Mundart beherrschen sollten ! ;o)

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