Reiseverhalten

Die Rückkehr des Terrors in Tunesien

Der Anschlag in Tunis trifft ein Land, das sich beinahe mustergültig gewandelt hat. Nun ist die Regierung gefordert, damit der Tourismus nicht leidet.

von Klaus Hildebrandt, 18.03.2015, 17:39 Uhr

Tunesien war vor vier Jahren die Keimzelle des Arabischen Frühlings und hat den politischen Wandel viel besser gemeistert als andere Länder. Die neue Verfassung gilt mit ihren umfassenden Freiheitsrechten als wegweisend für die arabische Welt. Auch der Tourismus erholte sich, 426.000 deutsche Besucher wurden 2014 gezählt.

Der Anschlag auf das weltberühmte Bardo-Museum in Tunis, bei dem nach Angaben der Regierung 19 Menschen starben, ist ein Rückschlag für das Land. Unter den Opfern sind 17 Touristen aus dem Ausland. Neun Opfer waren Gäste der Kreuzfahrtreederei MSC, wie diese mitteilt.

Erst kürzlich auf der ITB stellte die neue Tourismusministerin Salma Elloumi Rekik vor, wie sie mehr Gäste in das Land locken will. Nun muss die aus der Privatwirtschaft stammende Ministerin gleich als Krisenmanagerin fungieren und mithelfen, dass der Terror in der Hauptstadt nicht den Tourismus im ganzen Land in Mitleidenschaft zieht.

Seit dem Anschlag von Djerba 2002 kamen in Tunesien keine deutschen Urlauber zu Schaden. Eine Lehre lässt sich aus der Vergangenheit ziehen: Damals herrschte noch Diktator Ben Ali und das Land versuchte mit allen Mitteln, die Folgen und Hintergründe der Al-Qaida-Attacke zu vertuschen. Das führte erst recht zu Verunsicherung. Heute ist Tunesien eine Demokratie und kann anders agieren. Das Beispiel Ägypten zeigt, dass eine offensive Informationspolitik, gerade auch gegenüber Reisebüros und Veranstaltern als Multiplikatoren, der einzige Weg ist, um mit diesen schrecklichen Ereignissen umzugehen.

Kommentare

von Christoph Huwer, 18.03.15, 18:28
Ich rede jaetzt mal nur aus dem Golfbereich und da wurde mir gerade vor knapp 2 Wochen erzählt, dass in 2015 wenig Golfer da seien. die Plätze waren auch ziemlich leer. Und heute nach dem Anschlag? Das Telefon steht nicht still. Das ist so schade da wir gerade mit einigen führenden Managern aus der Golfbranche eine grosse Kampagne starten wollten.

von Petra Kuhlendahl, 18.03.15, 21:10
Das war es dann wohl mit der Saison 2015 in Tunesien. Die Nachfrage war sowieso schon schwach. Viele meiner Kunden sind nur nach Tunesien gereist weil ich Ihnen das empfohlen habe. Aber ganz ehrlich kann ich verstehen wenn sie nun in sichere Regionen umbuchen. Denn sind wir doch mal ehrlich auch die jetzt getöteten Touristen dachten doch sie wären sicher. Wer mag denen die nicht in dieses Land reisen wollen dies verübeln ?

von aws, 20.03.15, 15:40
"Die jetzt erst recht ! " Einstellung wird den Urlaubern, die Tunesien vielleicht geplant hatten, schwer zu vermitteln sein. Zugegeben, Tunesien hat bewiesen, dass es sich auf dem richtigen Weg befindet und ist mustergültig in seinem demokratischen Wandlungsprrozess für andere Länder der Region. Nur, das wird verunsicherte Urlauber nicht überzeugen. Zu groß sind die Alternativangebote. Die frisch gebackene Tourismusministerin ist nun gefordert, manche Projekte wesentlich schneller anzuschieben, als vielleicht geplant - das kann vielleicht helfen, das Desaster nicht noch größer werden zu lassen. Tunesien braucht jetzt mehr den je das Engagement seiner (touristischen) Partner in Europa.

von Robert, 21.03.15, 10:43
Guten Morgen liebe rot/grünen Tagträumer, leider geht sie nun los die große Insolvenzwelle durch den Mindestlohn und die verkannte Realität. Ich wünsche allen viel Glück beim überleben!

von Horst, 23.03.15, 10:17
Auch wenn es trauig ist: komplettes Nordafrika meiden! Passieren kann zwar mittlerweile überall etwas, in diesen Ländern ist jedoch Sicherheit und Prävention definitiv auf einem deutlich unteren Level. Dort drängt eine nicht reformierte Religion auf eine Position, die alle angrenzenden Länder für Tourismus nicht empfehlenswert macht! Als Reiseanbieter/Büro wäre es unverantwortlich, Urlauber dort plazieren zu wollen.

von Robert, 10.05.15, 18:46
"Guten Morgen liebe rot/grünen Tagträumer, leider geht sie nun los die große Insolvenzwelle durch den Mindestlohn und die verkannte Realität. Ich wünsche allen viel Glück beim überleben! von Robert, 21.03.15, 10:43" Bei der fvw kann man sogar in die Glaskugel schauen und die Zukunft lesen !

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