Performance steigern

Was Reisefirmen bei der Digitalisierung beachten müssen

Für die erfolgreiche Digitalisierung brauchen klassische Reisefirmen laut Digitalexperte Uwe Frers eine neue Unternehmensorganisation. So gelingt die interne und externe Neuaufstellung.

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von Christiane von Pilar , 09.10.2017, 08:25 Uhr
Bei der Digitalisierung traditioneller Reiseunternehmen können interne und externe Instrumente genutzt werden. Dazwischen steht die „chinesische Mauer“ als Trennlinie, um die Freiheit und Eigenständigkeit der innovativen Bereiche zu gewährleisten.
Foto: Uwe Frers/fvw

Wenn man dem CEO der TUI Group, Friedrich Joussen, zuhört, dann hat die Digitalisierung beim marktführenden Reisekonzern nicht nur begonnen, sondern das Unternehmen schon deutlich verändert. Blockchain-Technik in der Produktion, cloud-basierte Plattformen für einheitliche Kundendaten, Abschied von eigenen Rechenzentren – effizient, flexibel und kostensparend. Außerdem soll sich die TUI zu einem „Mobile-First-Unternehmen“ entwickeln, um das Kundenverhalten der Zukunft zu bedienen. Eine Strategie, die einen schwerfälligen Reisetanker fit machen soll für den Wettbewerb mit den zahlreichen digitalen Angreifern.

Wie groß der Druck für die traditionellen Reisekonzerne wirklich ist, zeigt der wirtschaftliche Vergleich zwischen der TUI und der Priceline Group, die unter anderem den Online-Giganten Booking im Portfolio hat. Während TUI über dreimal mehr Mitarbeiter und den doppelten Umsatz verfügt, liegt sie beim Gewinn und bei der Marktkapitalisierung meilenweit dahinter (siehe Grafik). Ein bekanntes Phänomen, das bei den traditionellen Reiseproduzenten für hektische Betriebsamkeit in Sachen Digitalisierung sorgt.

Tatsächlich aber stehen die technischen Veränderungen im Vergleich zu den digitalen Angreifern – auch bei der TUI – noch am Anfang. Die Etablierten tun sich schwer. „In Konzernen ist Planbarkeit und Sicherheit gewünscht, und es herrscht keine Fehlerkultur“, sagt Digitalexperte und Start-up-Gründer Uwe Frers. „Genau diese Punkte spielen bei den digitalen Angreifern keine Rolle. Im Gegenteil: Ein Start-up muss Fehler machen, um sich positiv entwickeln zu können.“

Frers plädiert in diesem Zusammenhang für eine „Ambidextrous Organisation“. Mit diesem Wortungetüm ist eine Organisation gemeint, die „beidhändig“ arbeiten kann, also das traditionelle Kerngeschäft gleichermaßen wie radikale Innovationen vorantreibt. Ein ambitioniertes Unterfangen, das nicht nur eine neuen Unternehmenskultur, sondern auch eine neue Struktur erfordere. Denn nur dann sei es möglich, so Frers, auf der einen Seite das Kerngeschäft zu digitalisieren und auf der anderen Seite gleichzeitig disruptive Geschäftsmodelle zu entwickeln.

Da es den traditionellen Reisekonzernen aber an Innovationskraft fehlt, müsse sie von außen eingekauft werden, rät der Digitalexperte. Das bedeutet: Tradition und Innovation arbeiteten zwar unter einem Dach, wären aber organisatorisch voneinander getrennt – durch eine „chinesische Mauer“, die durch das Unternehmen verläuft.

Performance-Vergleich von TUI und Priceline deckt Schwäche der Etablierten auf

Die Priceline Group (unter anderem Booking und Kayak) macht zwar weniger Umsatz als TUI, arbeitet aber deutlich profitabler.
Foto: Uwe Frers/fvw
 
 
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