Mobilität

Der Antrieb des Reisens

Selbstfahrende Autos mit Elektromotor, schadstoffarme Kreuzfahrten mit Riesenschiffen – die Zukunft beginnt mit Riesenschritten, wie der Blick in zwei Branchen zeigt.

von Klaus Hildebrandt, 10.09.2015, 18:22 Uhr

Wie sieht die Zukunft der Mobilität und des Reisens aus? Auf zwei ganz unterschiedlichen Veranstaltungen erhielt ich diese Woche Einblicke in zwei Industrien – und erlebte überraschende Übereinstimmungen. Im Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten redete Audi-Chef Rupert Stadler über das gar nicht mehr so ferne Auto der Zukunft: Es wird selbstständig vom Computer gelenkt, ist voll vernetzt mit dem Internet der Dinge und auf dem Weg zur Arbeit kann der Fahrer entscheiden, ob er entspannen oder schon mal seine Mails bearbeiten will. Vor allem aber fährt es elektrisch. Der neue Audi E-tron Quattro, den Stadler nächste Woche auf der Automesse IAA vorstellt, hat eine Reichweite von 500 Kilometern. Damit ist noch lange nicht Schluss, so der Autoboss, denn die Leistungsfähigkeit der Batterien steigt rasch, die Preise sinken.

Szenenwechsel. Auf der Kreuzfahrt-Fachmesse Seatrade (hier eine Bildergalerie) geht es um die Reiseerlebnisse der Zukunft auf immer größeren Schiffen mit immer mehr Angeboten und erlebnisreichen Landausflüge. Aber auch in Hamburg wurde fast mehr über den Antrieb der Zukunft gesprochen. In einer Dekade, so die mutige Prognose von Costa-Group-Chef Michael Thamm, würden 80 Prozent seiner Kunden auf Schiffen fahren, die wie die Neubauten von Aida und Costa mit flüssigem Erdgas (LNG) befeuert werden. Das senkt rapide den Schadstoffausstoß und nimmt dem Nabu den Wind aus den Segeln.
Die Reaktionen auf Thamms Äußerungen waren ebenso kontrovers wie die Diskussion nach Stadlers Vortrag. Kann man mit Schweröl befeuerte Schiffe auf LNG umrüsten, gibt es Tanks in den wichtigen Häfen? Experten, mit denen ich sprach, kamen zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen. Ja, das sei alles möglich, man könne umrüsten und die Infrastruktur in den Häfen bauen die Kreuzfahrer selbst mit auf. Nein, das gehe nicht oder nur unter unvertretbaren Kosten, schon allein weil man für die LNG-Tanks an Bord dreimal so viel Platz brauche wie für die bisherigen Fuel-Depots.

Ähnlich die Debatte mit dem Audi-Chef: Gibt es bald flächendeckend Stromversorgung – und ist anderen Ländern wie China diese Debatte nicht herzlich egal? Ja, es könne auch auf einen Dualantrieb von Verbrennungs- und Elektromotor hinauslaufen. Aber die Chinesen, so Stadler, bauten jetzt Autobahnen mit Aufladestationen alle 30 Kilometer. Auch die Kreuzfahrt wird sich in den nächsten Jahren dramatisch weiterentwickeln. Freuen wir uns also auf eine mobile und grünere Zukunft – und Kunden, deren oberster Antrieb es bleibt, zu reisen

Kommentare

von Stefan Werner, 13.09.15, 11:32
Da sieht man doch, wie ein heilsamer Druck des Gesetzgebers und auch der Umweltverbände technische Innovationen beflügeln kann. Ohne entsprechende Auflagen wären Autos trotz gestiegener Ölpreise vermutlich immer noch Spritschlucker ohne Katalysator. Es ist interessant zu sehen, wie die Kreuzfahrt-Reedereien jetzt bei ihren neuen Schiffen nicht nur mit dem Angebot an Bord, sondern auch mit immer höheren Umweltstandards werben. Aber wenn es stimmt, dass die Kreuzfahrt für weniger als ein Prozent der Schiffsemissionen verantwortlich ist, dann ist bei Fracht- und Kriegsschiffen noch viel zu tun. Der erste umweltfreundliche US-Flugzeugträger, das wäre doch mal was ganz Besonderes!

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2017 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten