Luftverkehr

Was nun, Herr Siegloch?

Klaus-Peter Siegloch ist neuer Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL). Ein klarer Sieg der medialen Präsenz über die fachliche Kompetenz.

von Dirk Rogl, 02.03.2011, 16:49 Uhr

Klaus-Peter Siegloch ist einer der großen TV-Journalisten im Land. Er moderierte das Heute-Journal, steht im öffentlich-rechtlichen Auftrag vor dem weißen Haus in Washington und etablierte einst das provokante ZDF-Format „Was nun,...“. Und nun? Siegloch wird Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft.

Das ist, freundlich gesagt, eine handfeste Überraschung. Bestens vernetzt in Politik- und Wirtschaftskreisen sei der 64-jährige, loben seine neuen Arbeitgeber. Kersosin im Blut hat er eher nicht. Die Business Class der Lufthansa, die Restriktionen des gar nicht so einheitlichen europäischen Luftraums und die Komplikationen bei der US-Anreise dürfte der TV-Korrespontent am eigenen Leib mannigfaltig genossen und erlitten haben. Weitere Kompetenzen im Bereich Luftfahrt sind nicht überliefert.

Gewiss, auch Hape Kerkeling und sein Journalisten-Ego Horst Schlämmer oder der omni-präsente Stephan Raab sind keine Koryphäen der Luftverkehrswirtschaft. Wenn schon ein Medienmann, dann ist Siegloch eine gute Wahl. Aber wieso muss überhaupt ein solcher Anchormann dem neuen Dachverband der Luftfahrt vorstehen?

Weil genau das mediale Aufmerksamkeit erzeugt. Der Promi-Faktor ist wichtig, um Schlagzeilen zu produzieren. Genau das haben Lufthansa & Co in der so schmerzhaften Entstehung der Luftverkehrssteuer vermissen lassen. Es fehlte hier tatsächlich ein prominentes Gesicht, wie es etwa der frühere Bundesminister Matthias Wissmann für den Automobilverband VDA ist.

Aber spielen Wissmann und Siegloch tatsächlich in einer Liga? Wissmann war immerhin Forschungs- und Verkehrsminister unter Helmut Kohl, bevor er in den Lobbyismus wechselte. Mit den Internas der Auto-Lobby freilich dürfte sich Wissmann wohl auch erst im Nachhinein intensiv beschäftigt haben. Auch Politiker sind keine Airline-Insider, inklusive aktuell vakanter Ex-Minister á la Guttenberg.

In diesem Sinne wünsche ich Klaus-Peter Siegloch einen guten Start in der Luftfahrt. Für die Feinheiten im Single European Sky, Denied Boarding, Code of Conduct oder im Emission Trading Scheme empfehle ich vorsorglich ein fvw-Abo. Den Rest schaffen Sie mit Ihrer journalistischen Auffassungsgabe ganz souverän, hoffentlich.

Kommentare

von andreas w., 02.03.11, 18:28
Ja, ein Medienmainzelmann soll es jetzt für den neuen Verband BDL richten. Sicherlich, mit Siegloch hat sich der BDL einen Namen geholt - bleibt aber abzuwarten, wie sich der Branchenfremde jenseits der Businessclass etablieren wird. Hoffen wir für die Branche, daß die Wahl nach den ersten 100 Tagen als gelungen bezeichnet werden kann.

von barthe.eu, 04.03.11, 13:06
Als "Airliner" bin ich froh um diese Wahl! Es gibt sicherlich genügend Berater mit mehr als genügend Branchenerfahrung. Sicherlich auch, aber nicht ausschließlich bei der FVW ;-) Es braucht aber auch immer wieder die Experten, die das theoretische, technische, praktische Wissen in Worte packen, die die "unwissende" Allgemeinheit versteht! Im Lobbying geht es nicht um das Expertenwissen, sondern darum, sowohl mit den Experten, wie aber auch mit Politikern und in der Öffentlichkeit vernetzt zu sein. Die Kernziele zu verstehen, zu vermitteln und durchzusetzen ist die Aufgabe. Ich habe oft Aufgaben angepackt, von denen in vorher keine Ahnung hatte. Dinge, die die Experten für unmöglich hielten. Insofern möchte ich gern einen meiner zwei Leitsprücke für Herrn Siegloch mit auf den Weg geben: Höre immer auf die Experten! Sie sagen Dir, dass es unmöglich ist und warum es nicht geht. Wenn Du das weißt mach Dich an die Arbeit [Heinlein / L. Long]

von Herbert, 23.03.11, 13:52
Ob ein bekannter Anchorman aus dem Fernsehen einem Unternehmen, einer Institution oder gar einer Regierung zum Erfolg gereicht, muß spätestens seit dem Wechsel von Steffen Seibert vom ZDF zum Sprecher dieser peinlichen Bundesregierung bezweifelt werden. Blassere als ihn, dem einstigen Strahlemann, hat es bisher nur wenige als Bundespressechefs gegeben: Aber der Arme hat ja auch seit seinem Antritt nichts Positives zu verkünden. Peinlich-hilflos agierte er zuletzt in der Guttenberg-Affäre, und in den aktuellen Welt-Krisen ist von ihm weit und breit garnichts zu sehen. Ist er überhaupt noch im Amt? Falls ja, dann dürfte den Schritt vom vergleichbar beschaulichen Mainzer Lerchenberg in das kakophone Berliner Haifischbecken unter der Leitung einer herumeiernden Kanzlerin schon längst bereut haben.

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