Kommentar

Das royale Börsenmysterium

Ein Unternehmen verdoppelt den Gewinn und stürzt an der Börse ab, wie gerade bei Royal Caribbean Cruises geschehen. Ist das noch normal?

von Klaus Hildebrandt, 03.02.2016, 12:59 Uhr
Klaus Hildebrandt ist Chefredakteur der fvw
Foto: fvw

Jedem deutschen Veranstalter, der sich schon über eine Rendite von zwei bis drei Prozent freut, kommen beim Anblick solcher Zahlen die Tränen: Royal Caribbean meldet für 2015 bei einem Umsatz von acht Milliarden US-Dollar über eine Milliarde Dollar Nettogewinn. Bei der Nummer eins im Kreuzfahrt-Markt, der Aida- und Costa-Mutter Carnival, sind es ähnliche Dimensionen: Bei 16 Mrd. Dollar Umsatz blieben 2014/15 stolze 1,9 Mrd. Dollar Reingewinn hängen. Carnival erwirtschaftet so viel Cash, dass daraus nicht nur die neuen Schiffe in der Gruppe gebaut werden können, sondern darüber hinaus Sonderausschüttungen und Aktienrückkäufe finanziert werden.

Nun lässt sich das kapitalintensive Kreuzfahrt-Geschäft, bei dem in jedes neue Schiff hunderte Millionen Dollar investiert werden müssen, nicht mit dem Händlergeschäft eines Veranstalters vergleichen. Aber die Zahlen der Kreuzfahr-Reedereien sind beeindruckend.

Derart beeindruckend, dass die Börsianer fest davon ausgehen, dass die Erfolgs-Story zur See so weitergeht. Als Royal Caribbean am Dienstag die Zahlen präsentierte und allein für das vierte Quartal fast eine Verdoppelung des Gewinns meldete, brach die Aktie an der Wall Street zeitweilig um über 15 Prozent ein. Denn die Analysten hatten für das vierte Quartal noch ein bisschen mehr Umsatz und vor allem einen optimistischeren Ausblick für das laufende Quartal und 2016 insgesamt erwartet.

Royal Caribbean will zwar mit neuen Schiffen wachsen und abermals den Gewinn steigern – aber nicht ganz so stark, wie die Investoren erhofft hatten. An der Börse werden bekanntlich nicht die Erfolge der Vergangenheit, sondern die Erwartungen in die Zukunft gehandelt, selbst wenn diese angesichts der Traumrenditen der Kreuzfahrt-Giganten schon sehr hoch gesteckt sind. Deshalb ist der Kursabsturz von Royal auch kein Menetekel für die Kreuzfahrt-Branche, sondern eine der üblichen Korrekturen. Oder, wie es ein Börsianer formulieren würde: Eine günstige Einstiegsgelegenheit.

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