Interview mit Businesscoach

„Karriereleitern müssen weg“

Die Generation Y steht nicht mehr nur in den Startlöchern, sondern übernimmt immer mehr Chefposten – auch in der Touristik. Viele Firmen müssen sich auf die neue Führungskultur allerdings noch einstellen, sagt Businesscoach Anne M. Schüller.

von Evelyn Sander, 11.10.2017, 07:19 Uhr
Anne M. Schüller ist Businesscoach und Autorin.
Foto: Peter Svec

Wie agil sind deutsche Firmen?

Anne M. Schüller: Das kann man so pauschal nicht sagen. Junge Firmen und Start-ups haben hier einen Vorsprung, sie sind schnell, flexibel und relativ hierarchielos. Sie haben den Karriereleiter-Blödsinn erst gar nicht angefangen. Dagegen dominieren in Firmen, die im analogen Zeitalter gegründet wurden, immer noch die klassischen Hierarchien. Das ist ein großes Problem, denn für die heutige Zeit sind sie damit zu träge.

Dabei kündigen doch die meisten Firmen innovative Umbaumaßnahmen an ...

Das schon, aber nur theoretisch. Herrschende zetteln in der Regel keine Palastrevolution an. Besitzstandswahrung ist ein riesiges Thema. Vor allem das mittlere Management schreckt vor den notwendigen Veränderungen zurück.

Was schlagen Sie vor?

Wer Hierarchien abbaut, muss Alternativen bieten: Ideal sind sogenannte Kletterwandkarrieren mit flexiblen Rollen. Mal führt jemand ein Team, mal ist er Projektleiter, mal Verantwortlicher eines Prozesses und mal ist er einfach Fachkraft. Wenn hier einer mal die Führung abgibt, ist das normal und ist auch kein finanzieller Nachteil. Für den Einzelnen bedeutet das mehr Freiheit und weniger Druck. Das kommt der Generation Y sehr entgegen.

Will die Generation Y denn keine Karriere mehr machen?

Das schon, nur eben nicht so wie früher. Kletterwandkarrieren kommen der jungen Generation sehr entgegen. Man kann ohne Gesichts- und Gehaltsverlust wechseln, auch mal etwas Neues ausprobieren. Die Generation Y legt sich nicht gern fest. Wer junge Fachkräfte sucht, schreckt sie mit klassischen Karriereleitern eher ab. Und nicht nur das: Hierarchien führen zu schlechteren Ergebnissen und mehr interne Konkurrenz. Und das bedroht nicht zuletzt die Existenz der Firmen.

Wie meinen Sie das?

Viele große, etablierte Unternehmen werden sterben, weil sie beim Thema Digitalisierung zu langsam sind. Flexibilität ist künftig das Wichtigste, und das ist mit klassischen Hierarchien kaum zu machen. Höchste Zeit also, die Karriereleiter einzumotten!

Welche neue Führungskultur derzeit in der Touristik einzieht, lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der fvw, die als Print-Magazin, E-Paper und iPad-Version vorliegt.

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