Griechenland

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Tsipras will Tourismus umkrempeln

Der neue griechische Ministerpräsident will Privatisierungen stoppen, den Massentourismus einschränken und die lokale Wirtschaft fördern. Von den Plänen ist auch Fraport betroffen.

von Maria Lettl-Schröder, 29.01.2015, 12:02 Uhr

Man reibt sich die Augen: Der neue griechische Regierungschef Alexis Tsipras wettert gegen Massentourismus und All-Inclusive-Hotels. Und das zu einer Zeit, in dem der Tourismus prosperiert, wie lange nicht. Das dritte Jahr in Folge trotzte dieser Wirtschaftsbereich der Krise und schreibt Erfolgszahlen.

Jetzt wird Tsipras von der britischen „Daily Mail“ mit den Worten zitiert, er wolle All-Inclusive-Hotels einschränken, weil diese die Touristen zu sehr an ihre Ferienanlagen binden würden – zu Lasten der lokalen Geschäfte und Restaurants. Grundstücksverkäufe an große Hotelketten sind Tsipras deshalb ein Dorn im Auge und sollen ebenso wie Steuererleichterungen für Hotels überprüft werden.

Steuererhöhungen befürchtet

Griechische Touristiker vermuten, dass die Aussetzung der Steuererleichterungen zu höheren Preisen führen müsse. Die Hotelverbände befürchten, dass die Regierung den reduzierten Mehrwertsteuersatz für Übernachtungen von 6,5 auf 13 Prozent anhebt. Mit diesem Satz werden derzeit Speisen und Getränke in Hotels und Restaurants besteuert. Der Präsident des Branchenverbands Sete, Andreas Andreadis, hat eine mögliche Steueranhebung bereits als „Selbstmord“ bezeichnet und verweist darauf, dass auch Konkurrenten am Mittelmeer reduzierte Steuersätze hätten.

(Update) Die für Tourismus zuständige stellvertretende Wirtschaftsministerin Elena Kountoura hat die Aussagen ihres Regierungchefs inzwischen relativiert. Tsipras sei in dem britischen Artikel, der sich offensichtlich hauptsächlich auf Aussagen auf einer Syriza-Konferenz von Anfang Dezember bezieht, nicht richtig wiedergegeben worden. „Es wird keine Schritte gegen All-Inclusive geben“, sagte sie. Der neuen Regierung gehe es vielmehr darum, die Qualität der All-Inclusive-Angebote zu steigern und die regionale Wirtschaft stärker einzubeziehen.

Andreas Andreadis, Präsident des Verbandes der griechischen Tourismusbranche Sete, hält an seinem optimistischen Ausblick für 2015 fest. Griechenlands Tourismus stünde auf einer fruchtbaren Basis, in der direkt oder indirekt ein Fünftel aller Beschäftigen arbeiten. Zu den Aussagen über All-Inclusive-Hotels fragt Andreadis gelassen: „Warum nicht ein neues Modell von All-Inclusive-Hotels erproben, das die Umgebung mit benachbarten Restaurants und Cafés in das Ferienerlebnis einbezieht?“ Sete sondiere bereits solche lokalen Angebote und Dienstleistungen für das Tourismusprodukt. Es gebe keinen Anlass, an einer Neuauflage des Rekordjahrs 2014 zu zweifeln. Es sei nicht nur das Angebot für viele Zielgruppen gewachsen, sondern auch die Expertise in der Vermarktung.

Fraport von Privatisierungsstopp womöglich betroffen

Schon jetzt hat Tsipras einige Privatisierungspläne gestoppt. Betroffen ist davon womöglich auch Fraport. Der größte deutsche Flughafen-Betreiber hatte im November 2014 mit der griechischen Privatisierungsagentur eine erste Vereinbarung getroffen über die Beteiligung an 14 griechischen Regionalflughäfen, darunter Airports auf Ferieninseln wie Kreta, Korfu, Kos, Mykonos, Samos und Santorin. Was nun aus den vereinbarten Verkäufen wird, ist unklar. Fertige Verträge gibt es derzeit noch nicht.

Das sind Schlagzeilen, die dem erfolgreichsten Wirtschaftszweig Griechenlands schaden dürften. Investoren und Urlauber könnten sich abwenden. Da Reiseveranstalter in Griechenland langfristige Verträge haben, könnte der Tourismus insgesamt leiden.

All-Inclusive-Resorts sollen nicht verboten werden

Trotzdem sind diese Töne in der griechischen Tourismus-Politik nicht neu. Das All-Inclusive-Prinzip wurde auch von bisherigen Tourismus-Verantwortlichen nicht favorisiert. Und ganz so radikal sieht es der Ministerpräsident wohl auch nicht: AI-Resorts sollen demnach nicht verboten werden, sondern er wolle Restaurants, Bars und die Region generell unterstützen, so dass sie den Touristen mehr bieten könnten.

Die Veranstalter warten erstmal ab. So hatte Alltours-Chef Willi Verhuven erst diese Woche erklärt, er sehe den Griechenland-Tourismus durch die neue Regierung nicht gefährdet. Alltours verzeichnet wie viele andere Veranstalter derzeit ein deutliches Plus für die Destination.

fvw-Leser sind skeptisch über neue Regierung

Wie die Stimmung der Touristiker hierzulande ist, darüber gibt eine Umfrage auf fvw.de Aufschluss: Etwa die Hälfte der Teilnehmer glaubt, dass sich die neue linke Regierung mit dem Syriza-Parteichef Alexis Tsipras negativ auf den Tourismus auswirken werde. Etwas weniger meinen, dass den deutschen Urlaubern das egal ist, so lange Preis und Leistung stimmen. An eine Verbesserung glaubt nur eine winzige Minderheit.

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