Google

Lieber Werbung als Provision

Die Ankündigung von Google, testweise Hotelpreise in Google Maps einzublenden, sorgt für helle Aufregung. Doch das ist nicht nötig.

von Dirk Rogl, 24.03.2010, 09:39 Uhr

Wird Google jetzt zum Reiseunternehmen, gar zum Mittler? So oder ähnlich titelten gestern eine Reihe von Bloggern und Twitterern. Anlass ist die offizielle Ankündigung von Google, Hotelpreise in Google Maps zu integrieren. Das ist zwar in der Tat ein heißes Thema, ändert aber nichts an Googles Geschäftsmodell, das primär auf Werbeeinnahmen abzielt.

Wie in (der gedruckten) fvw 5/10 vom 4. März (Seiten 8, 10, 11) berichtet, gibt es innerhalb Google Maps bereits seit geraumer Zeit komprimierte Informationen über die Hotelpreise. Bislang hat Google diese in den Place Pages hinterlegt, die eingeblendet werden, wenn User in Google Maps oder Streetview auf einen markierten Ort klicken. Bekannt ist auch, woher die Angaben von Preisen kommen: von nahestehenden Online-Portalen wie Holidaycheck oder Booking.com, die die Google Place Pages eifrig mit eigenem Content (Bilder, User Reviews, Videos) anfüttern und im Gegenzug einen Link auf ihre Buchungsseite bekommen.

Und genau hier liegt der spannende Punkt: Diese Links basieren tatsächlich nicht auf dem bekannten SEM-Modell, sondern werden offenbar bilateral vereinbart. Wer Google Maps & Co mit eigenen Daten anfüttert, wird gelistet. Und klar: Der Algorithmus für die Sortierung ist ebenso geheim wie der für SEO und SEM. Hier also noch mal die Zusammenfasstung für die (Noch-)Nicht-Leser unserer gedruckten fvw: Nein, Google wird an diesem Punkt nicht zum Mittler, sondern wieder einmal zum übereifrigen Datensammler. Und diese Strategie dürfte sich meines Erachtens auch frühestens dann ändern, falls die SEM-Einnahmen in der Touristik massiv einbrechen. Oder?

Update: Wenn Sie ganz genau verstehen wollen, welche Bedeutung Google Maps & Co für den touristischen Vertrieb haben, dann empfehle ich den Besuch unseres fvw Online Marketing Days am 8. Juni in Frankfurt. Mit dabei ist Niels Dörje, heute Leiter Business Development bei der Insidergroup und früher Projektleiter bei Google Germany.

Kommentare

von Uwe Frers, 25.03.10, 09:34
Die Aufregung um die Preisintegration ist verständlich, aber in der Tat wie in Deinem Blopgpost dargestellt sachlich nicht richtig. Aus einer Google-Studie wissen wir, dass ein User bis zu 26 Webseiten besucht, bevor er endgültig bucht. Ein nicht unwesentlicher Anteil davon wird über Google AdWords-Werbung zu diesen Seiten transferiert, Google verdient also an einer letztendlich zustande kommenden Buchung durch mehrere Weiterleitungen mehrfach mit. Google ist KPI-, sprich zahlengetrieben. Ich bin überzeugt, dass der Umsatz über AdWords für Google momentan noch lukrativer ist als entgegenstehende Umsätze durch Transaktionsprovisionen. Ob das immer so bleiben wird, sei allerdings dahingestellt.

von Thorsten Lehmann, 29.03.10, 14:42
Hallo Herr Rogl, Google entwickelt sich evtl. schneller zum Mittler als uns lieb sein wird. An einem Beispiel aus UK wird deutlich wohin die Reise gehen kann. Z.B. stellt Google bei der Suche nach "Credit Card" - das ist immerhin ein "big business" in UK - eine eigene Vergleichsseite auf der Position 1 im SEM - Bereich dar und verdrängt damit automatisch die höchstbietenden Advertiser wie z.B. Amex. http://www.google.co.uk/search?hl=en&source=hp&q=credit+card&meta=&aq=f&aqi=g10&aql=&oq=&gs_rfai=&cad=h Warum nur? Stellen sich noch die Fragen nach der Vergütung bei Kaufabschluss und ob dieses Modell auf andere Branchen oder Produkte übertragen wird - und vor allem wie schnell. Noch ein Gedanke dazu: Google bestraft "duplicate content". Gerade wenn Google selbst "Metasearcher" sein will, werden andere Metasearcher aufgrund ihres duplicate content (der original content wird ja woanders generiert) vielleicht abgestraft und ggf. sogar de-listet? Wer braucht schon Konkurrenz im eigenen Hause? Nur so ein Gedanke...

von Bernd Schray, 29.03.10, 17:10
Hallo Herr Lehmann, das sind tatsächlich beunruhigende Signale. Aus meiner Sicht stellen sich trotzdem einige Hürden für Google dar, denn Mittler sind nicht gleich Mittler. Wo es nicht nur um den Preis, sondern um Beratung und Service geht, kann auch Google nicht konkurrieren. Ich habe dazu vor einigen Tagen einen Blogbeitrag geschrieben, der sich mit dem Thema befasst: Wer hat Angst vor Google. http://bit.ly/bWY1cd

von Thorsten Lehmann / Sunny Cars GmbH, 21.04.10, 10:57
Steigt Google nun doch schneller als gedacht in den Tourismusmarkt ein? http://www.horizont.net/aktuell/digital/pages/protected/showRSS.php?id=91653&utm_source=RSS&utm_medium=RSS-Feed

von Dirk Rogl, 21.04.10, 14:07
Nein. Denn Google ist schön längst in der Touristik, sie ist sogar die wichtigste Branche. Denn aktuellen Blog zum Thema gibt es unter http://eblog.fvw.de/index.cfm/2010/4/21/GoogleITA-Ein-Gigant-auf-Reisen

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