Google

Google fährt schon mal den Wagen vor

Sind wir eigentlich noch Herr über unsere Daten? Ein österreichischer Jurist sagt Nein – am Dienstag entscheidet der EuGH über seine Beschwerde. Auch Google weiß genau Bescheid, wann wir eine Reise tun.

von Anna Maria Struck, 05.10.2015, 15:55 Uhr

Was weiß Facebook? Zuviel, meint jedenfalls der Österreicher Max Schrems. Denn Facebook-Europa sitzt zwar in Irland, gibt aber regelmäßig die Daten der Nutzer an Server in den Vereinigten Staaten weiter. Doch die USA schützen laut Schrems die Daten nicht genügend, daher reichte der Jurist eine Beschwerde bei der irischen Datenschutzbehörde ein. Am Dienstag befasst sich der Europäische Gerichtshof mit dem Fall.

Wir wissen, dass amerikanische Konzerne wie Facebook heiß auf unsere Daten sind. Doch können wir diesen Prozess sehen und fühlen? Der Missbrauch unserer personenbezogenen Daten ist so abstrakt, dass wir ihn nicht erfassen können – und daher viel zu selten daran denken.

Dabei ist er so nah, er kommt bis auf unser Smartphone-Display. In der vergangenen Wochen flog ich von San Francisco über London nach Hamburg. Den Flug hatte ich über das Reisebüro gebucht, die Unterlagen kamen per Mail – in mein Googlemail-Postfach. Sonst hatte der Suchmaschinen-Gigant nichts mit meiner Reise zu tun. Die Nachricht, die er mir dann aber auf mein Smartphone sendete, war ziemlich genau. „Fahren sie um 10:09 los, um bei der aktuellen Verkehrslage zwei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein", schrieb mir Google. Ich saß bereits im Taxi Richtung Airport – was um Himmels willen hat Google mit meinem Flug zu tun?

Auf meinem Telefon war die App "Google Now" installiert – eine Assistenten-Software, die Termine, Suchanfragen und Kartendienste speichert und interpretiert. Der Konzern analysiert damit automatisch mein Verhalten, scannt die E-Mails und erstellt auf diese Basis automatisiert solche Benachrichtigungen. Habe ich dem jemals zugestimmt? Keine Ahnung! Sehe ich vor meinen Augen, wie stark meine Daten genutzt werden? Auf jeden Fall!

Kommentare

von Dietmar, 07.10.15, 17:27
Wer Googlemail nutzt, ist selber schuld. Es ist doch seit langem bekannt, dass Google dann die Mails komplett liest und auswertet. Dagegen war die Stasi ein Kindergarten-Verein.

von Skeptiker, 13.10.15, 13:17
Man stelle sich vor, was vor zweidrei Jahrzehnten losgewesen wäre, hätte es jemand mit einem Geschäftsmodell wie diesem probiert: "Sie bekommen dies umsonst, wenn Sie Nacktfotos von sich und Ihrer Familie machen lassen und uns die Bildrechte abtreten." Heute ist das gängige und breit akzeptierte Praxis. Nur die Frage lautet anders: "Haben Sie eine Payback-Karte?" *seufz

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