Google

Eine Heatmap für die ganze Welt

Machen wir es kurz: Der Google Hotelfinder ist draußen. Tolles Feature, aber keine Revolution im Reisevertrieb. Noch spannender finde ich die integrierte Heatmap. Sie macht auch Google+ für das Reisegeschäft relevant.

von Dirk Rogl, 29.07.2011, 10:47 Uhr

Vieles ist geschrieben über den gestern gelaunchten Hotelfinder von Google. Die Fakten stehen auf fvw.de und in diversen Blogs. Bleiben wir hier bei einem Detail: Der neuen Heatmap, auf der die meist besuchten Orte im wahrsten Sinne des Wortes "gehighlightet" werden.

Wir haben heute bei Google nachgefragt, wie sich die völlig neue Google-Map denn berechnet. Und wir haben tatsächlich - das ist nicht selbstverständlich - eine Antwort bekommen. Es gebe mehrere Faktoren, hieß es. Ein wichtiger sei der hauseigene Fotodienst Panoramio, dessen geocodierte Bilder bereits auch via Google Maps auffindbar sind. Wo viele Panoramia-Bilder für einen Stadtteil/Ort/Land/Kontinent verfügbar sind (je nachdem variiert die Farbhinterlegung übrigens deutlich), da leuchtet es hell.

Das klingt auf den ersten Blick nicht sensationell, ist es aber trotzdem. Wollen wir wetten, dass Panoramia jetzt deutlich an Popularität gewinnt? Ich empfehle schon mal heute allen SEO-Optimierern, eine vernünftige Anzahl von Fotos der von ihnen betreuten Hotels und Zielgebiete in Panoramio einzustellen. Wenn der Hotelfinder in Europa startet (ob und wann ist offen), sollte Ihr Ort dadurch etwas heller leuchten auf Googles neuer Hotelkarte.

Doch Panoramio ist halt nur ein Faktor. Ohne es zu wissen gehe ich schwer davon aus, dass Google alle hauseigenen Location Based Services mit seinem Hotelfinder vereint. Und davon gibt es erstaunlich viele: Den Ortungsdienst Latitude, die Bewertungsplattform Hotpot, die Apps von Google Places und - ganz neu - die mobilen Applikationen von Google+, die ebenfalls einen georefenzierten Check-In an einem Ort möglich machen.

All das wird meines Erachtens an Relevanz gewinnen, um die Heatmap des Hotelfinders zum Leuchten zu bringen. Keine Relevanz dürften andere Location Based Services wie Foursquare und Facebook Places haben. Dass Google kein großes Interesse an externen Content mehr hat zeigt der Rausschmiss von fremden Hotelbewertungen in der vergangenen Woche.

Auch wenn der Hotelfinder bislang nur für die Vereinigsten Staaten Ergebnisse ausspuckt: Die Heatmap liegt bereits weltweit vor und kann via Hotelfinder erscrollt werden. Dass sie den wahren touristischen Strömen durchaus entspricht, zeigt unser Bildbeispiel vom westlichen Teil Mallorcas mit einer hell erleuchteten Playa de Palma sowie hervorgehobenen Punkten etwa in Valldemossa und Soller. Das entspricht durchaus dem wahren Reiseverhalten der Touristen.

Warten wir also ab, wann der neue Hotelfinder nach Europa kommt, wie eng er mit den Ergebnissen der universellen Google-Suche verknüpft ist und wie er die Nutzung anderer Google-Features beeinflusst. Das ist weitaus spannender Frage als die Frage, ob Google hiermit andere Hotel-Portale an die Wand fährt. Meine Meinung: So lange die einen guten Job machen und vor allem Unique Content bieten, gibt es viele Chancen. Oder?

Kommentare

von Roland Fricke, 29.07.11, 12:28
Noch steht unter hotel finder Experiment - noch nicht einmal beta! Ich finde, das lässt noch mehr Spekulationen zu. Vielleicht will Google nur zeigen, was möglich ist. Sucht man sich ein Hotelangebot beispielsweise in San Francisco raus, mit Hotelpreis und geht auf Book, erscheint ganz klein über den Auswahlmöglichkeiten das Wörtchen "Ads". Auch das eventuell ein Hinweis? Im Wellen schlagen ist Google ganz groß. Vielleicht sollten wir vom Reagieren wieder aufs Agieren umschwenken! Beste Grüße Roland Fricke

von Markus Luthe, 01.08.11, 13:30
Google hält - nicht nur die Hotellerie - in den letzten Monaten mit einer unglaublich hohen Frequenz von Produktinnovationen und Markteinführungen in Atem. Anfang des Jahres der ITA-Kauf, dann die Einführung subjektiver Hotelbewertungen mit Hotpot, Ende Juni Google+ als neues soziales Netzwerk und erst vorvorige Woche aus heiterem Himmel das Kappen der Hotelbewertungen von Drittanbietern in den Google Places Profilen. Nun also erblickt der Google Hotelfinder das Licht der digitalen Welt, der nicht nur die Hotelsuche in Places und Maps überflüssig machen könnte, sondern sich zumindest auch zur veritablen Konkurrenz der Hotel-Metasuchmaschinen entwickeln wird. Google’s Gong: http://tinyurl.com/3mol9mw Google katapultiert die Hotelsuche im Web auf ein neues Level. Das muss dem Direktvertrieb der Hotellerie und dem Hotelmarkt keineswegs zum Nachteil gereichen.

von Sven Dietrich, 02.08.11, 10:38
Diese Heatmap ist in der Tat cool. Schicke Sache. Das ist dann doch die Kernkompetenz von Google. Aggregieren von riesigen Datenmengen zu solch netten Benefits.

von Alexander von Koslowski, 05.08.11, 16:07
Lieber Herr Luthe, ich gebe Ihnen recht. Es werden viele neue Features und die Suche wird feiner und filigraner. Sie wird aber auch teurer. Sie werden aus irgenwelchen Caches Preise und Verfügbarkeiten beibringen müssen. Sie haben sehr qualifizierte Antworten, für teilweise noch unqualifizierte Fragen. Orientiert sich der Kunde noch, wo ich keine Verfügbarkeiten brauche oder ist er bereits im Buchungsmodus. Ich bitte Sie als Vertreter der Supplier auch nicht zu vergessen, dass jeder Aggregator und Multiplikator seinen Preis hat. Das können Touroperator, GDS,Broker, Metasearches oder auch Google sein. Sie kennen ja die Preispolitik mancher Hotelportale um an attraktiver Stelle zu landen. Glauben Sie Google wird da anders sein, ausser das das Geschäftsmodell auf CPC und nicht auf CPO Basis abgerechnet wird. Die Preispolitik beim Versteigern von Keywords haben wir ja schon kennengelernt. Ich sehe schon ein, dass Sie ihren Anteil im Direktvertrieb erhöhen möchten aber vergessen Sie nie einen gesunden Mix zu erhalten, Airlines können Ihnen etwas von ihrer GDS Erfahrung mitteilen. Aber wir müssen uns alle mächtig anstrengen, um einen Markt für Aggregatoren aufrecht zu erhalten. Alex .

von Markus Luthe, 05.08.11, 18:56
Lieber Herr von Koslowski, danke für Ihre faire und fundierte Kommentierung! Ich sehe keinen Dissens und pflichte Ihnen ausdrücklich bei. Für Supplier wie Mittler kommt es darauf an, Märkte offen und funktionsfähig zu halten, Alternativ-Optionen zu haben. Viele Grüße, Markus Luthe

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