fvw DRV Destination Forum

Die Indien-Erfahrung

Indien ist kein Land, sondern ein Kontinent, hieß es auf dem fvw DRV Destination Forum in Delhi. Deutsche Reisebüros und Veranstalter erlebten eine Region voller Widersprüche und Superlative – und gerade deshalb mit großen Chancen für den Tourismus.

von Klaus Hildebrandt, 02.10.2015, 12:19 Uhr

Indien lässt sich nicht in wenigen Worten beschreiben. Armut auf dem Lande, glitzernde Bürotürme in den Städten, Agrarland und großer IT-Standort. Eine Unmenge von Farben, Eindrücken, Kulturen, Naturlandschaften und gewaltigen Monumenten. Die gut 50 deutschen Reisebüro-Chefs und Mitarbeiter erlebten auf vier Rundreisen in Kaschmir, im Norden, im Goldenen Dreieck und im Süden eine Nation, die sich in vielen Dingen unserer Bewertung mit westlichen Maßstäben entzieht. Ein Land mit über einer Milliarde Menschen, ein Land im Aufbruch mit hohem Wirtschaftswachstum und wachsender Mittelschicht, ein Land mit einer hohen Spiritualität und einer fantastischen Küche. Aber eben auch ein Land mit großen sozialen Problemen. So erlebte eine Gruppe mit, wie in Amritsar jeden Tag für 60.000 Menschen eine kostenlose Mahlzeit zubereitet wird.

Die überwiegende Mehrheit der Teilnehmer war das erste Mal in Indien, und es braucht noch einige Zeit, all die Erfahrungen zu verarbeiten. "Wer einmal nicht nur mit den Augen, sondern mit der Seele in Indien gewesen ist, dem bleibt es ein Heimwehland", zitierten indische Touristiker auf dem Kongresstag in Dehli den deutschen Dichter Hermann Hesse. Bei dem Kongress wurde offen diskutiert: Über die Vergewaltigungsfälle, die das Image beschädigten, aber auch über die große Gastfreundschaft, die Hotelqualität und natürlich die Potenziale als Reiseziel.

Deutschland ist zwar nur der zehntgrößte Quellmarkt, aber für die indischen Incoming-Touristiker trotzdem sehr wichtig. Das zeigte sich schon allein daran, wie viele hochrangige Manager von indischen Hotelketten und Agenturen sowie Offizielle der Regierung das Gespräch mit ihren deutschen Gästen suchten. Mit einer beeindruckenden Professionalität organisierten das Tourismusministerium und der Verband der Incoming-Veranstatlern (Iato) das Event, das – nach der Premiere in Dubai 2014 – zum zweiten Mal gemeinsam vom DRV und der fvw veranstaltet wurde. Deutschland nehme zwar gern für sich in Anspruch, die Organisation erfunden zu haben, so DRV-Präsident Norbert Fiebig in Delhi, aber mit den indischen Branchenkollegen sei uns ein sehr ernster Wettbewerber erwachsen.

Über das Destination Forum werden wir in der fvw und auf fvw.de umfangreich berichten. Aber bevor wir Redakteure uns ans Werk machen, müssen auch wir erst all die Eindrücke, Gespräche und Bilder im Kopf sortieren.

Kommentare

von Alexander Schulten, 03.10.15, 17:37
Auch wenn ich leider nicht die Möglichkeit hatte, an einer Vor-Tour durch Indien teilzunehmen, so war ich doch sehr positiv überrascht. Zunächst verlief die Einreise mit dem E-Visum in Neu Delhi bei mir erstaunlich schnell und reibungslos (wobei dies offensichtlich nicht bei allen Teilnehmern der Fall war). Auf der Fahrt ins Hotel erlebte ich eine relativ geordnete Stadt, die sich in keiner Weise mit meinem bisherigen Bild von Indien deckte. Toll fand ich die Gastfreundschaft und Serviceorientiertheit der Inder, man fühlte sich von der ersten bis zur letzten Minute total willkommen! Bislang dachte ich bei Indien in touristischer Sicht in erster Linie an Tempel und monumentale Bauten wie das Taj Mahal sowie Ayurveda und Yoga. Doch man tut dem Land, wie ich gelernt habe, sehr unrecht, wenn man es nur auf diese Parameter reduziert. Als während des Kongresses die Erlebnisse und Touren der verschiedenen Gruppen vorgestellt wurden, war ich doch beeindruckt von der Vielfältigkeit des Landes. Auch die sehr abwechslungsreiche Küche hat mich überzeugt. Mit Sicherheit war ich nicht das letzte Mal in Indien!

von Hans Meixner, 09.10.15, 15:22
Alle Vorurteile musste ich revidieren. Schon bei Ankunft am Flughafen in Delhi war die Sauberkeit beindruckend. Als wir dann den Bus bestiegen war ich überrascht: blitzsauber Fenster, außen und innen sauberes Fahrzeug. Die Fahrt über die neue Autobahn Richtung Agra war erstaunlich gut, auch die Rasthäuser an der Autobahn in einwandfreiem Zustand. Beim Einchecken im Hotel war ich überrascht vom Luxus, der Sauberkeit und auch der Freundlichkeit der Mitarbeiter, das gilt auch für alle andere Hotels auf unserer Reise. Sicher gibt es noch den Dreck an den Straßenrändern und Plätzen. Aber wenn man dann in die Häuser und deren Vorplätze sieht, ist es dort recht sauber. Noch fehlt bei der Bevölkerung meiner Meinung nach das Verständnis für die Sauberhaltung in der Allgemeinheit. Überrascht war ich auch über die Freundlichkeit und Unvoreingenommenheit der Bevölkerung uns gegenüber bei den Besuchen auf den Dörfern und bei den Besichtigungen. Wie oft wurden wir gebeten gemeinsam Fotos zu machen. Mein größtes Vorurteil war das Essen: zu scharf, sicher manches war schon scharf gewürzt, aber die Mehrzahl der Angebote war geschmacklich hervorragend und auch für uns Mitteleuropäer ohne Probleme genießbar. Respekt. Von den zahlreichen Sehenswürdigkeiten, die ja meist bekannt sind, braucht man gar nicht zu reden. Jedenfalls sehe ich jetzt das Land mit ganz anderen Augen und mit vielen, neuen Verkaufsargumenten. Indien ist auf alle Fälle eine Reise wert und die "bekannten" Ängste der Interessenten kann man meist zerstreuen. Kurz nach unsere Rückkehr hatten wir schon sehr viele E-mails von unseren Kontakten auf dem Kongress. Hier sieht man, dass die Inder sehr daran interessiert sind, mit den deutschen Veranstaltern ins Geschäft zu kommen. Auch geht der Dank hier an die Veranstalter sowohl von DRV und FVW, sowie den örtlichen, indischen und nicht zuletzt der hervorragend Betreuung seitens DRV/FVW und den örtlichen Reiseleitern vor Ort. Uns sieht Indien bald wieder.

von Nicole Karnetzky, 11.10.15, 12:55
Ich war auf der Südindientour, und hatte eine wunderschöne Reise! Gerade bei einer so kurzen Reise ist die Planung und Treffsicherheit der ausgewählten Ziele das A und O, die Gruppengröße spielt eine wichtige Rolle, der Reiseleiter und die Harmonie der Gruppe. Hier hat einfach alles gestimmt. ich war zum ersten Mal in Indien und viele Vorurteile sind nun weg oder in den Hintergrund gerückt: Ich habe ein landschaftliches sehr schönes Land gesehen, das sich um seine kulturellen Güter kümmert. Die Menschen strahlen, sind sehr schön und sehr gastfreundlich. Auch der Umgang der Inder untereinander und miteinander ist beeindruckend und beispielhaft. Wir haben unzählige Familien abends zusammen an den Stränden erlebt- dort haben sie sich gemeinsam bei Sonnenuntergang zusammen gefunden. Das strahlte etwas besonderes aus- bei uns erlebe ich das selten. Das Essen Südindiens ist bekanntermaßen sehr scharf- und sehr lecker! Wir haben eine sehr vielseitige Küche genossen. Unsere Highlights waren für mich die Backwaters, das spontane Gruppenfoto mit vielen indischen Frauen (es wurden immer mehr!) bei Mahapalipuram und der Besuch des tempels Sri Ekambarnath. Der Platz hatte etwas sehr spirituelles schönes. Delhi hat mir besser gefallen als gedacht. Unser Hotel war wunderbar (Taj Palace). In der Wahrnehmung und bei den Gedanken in den Hintergrund gerückt sind die Themen Müll, Frauenverachtung, Kinderarbeit, Armut. Das war erstaunlich. Vermutlich eben weil das Land diese gegensätze hat: ganz viel Schönes. Aber auch ganz viel Schlimmes. Das Schlimme möchte ich daher nicht unerwähnt lassen. ich habe auf den Straßen gesehen dass es Kampagnen gegen Kinderarbeit, Müll etc. gibt. Das finde ich prima. Dennoch ist das offensichtlich bei weitem noch nicht ausreichend. Da muss noch viel getan werden- und so wie ich dazu einen Beitrag leisten kann, möchte ich das tun. Als ich meine ersten Schritte auf das Land gesetzt habe- waren meine Gedanken: das sind nun also die Menschen, die für unseren unnützen kurzlebigen Konsumwahn sorgen und dafür in die Armut und das Elend getrieben werden: also Kinderarbeit und Billiglohn. Und als ich in die strahlenden schönen Augen der Inderinnen geschaut habe, dachte ich mir: und diese schönen strahlenden Menschen werden teilweise in diesem Land so wenig bis garnicht geachtet? Man versteht das nicht. Ich hoffe sehr dass sich das ändert und in den Köpfen hier wie dort etwas statt findet. Ich werde Indien als Reiseziel all meinen Kunden empfehlen. Als Gruppenreise oder Individualtour. Den Süden vor allem auch für Ayurveda. Hier sehe ich in unserer Stressgesellschaft ein großes Kundenpotential.

von Julia Zinsmeister, 11.10.15, 19:06
After having been to Florida for 3 weeks indulging in the American way of life shortly before going to India, I have to admit that I was facing this trip with doubt and scepticism. However, the lush scenery of Kerala, the coconut palm fringed beaches, the serene Backwaters with the lovely houseboats combined with experiencing the traditional Indian way of life and worshipping in the pristine beautiful stone carved temples of Tamil Nadu plus the colourful traditions and hospitality, dance and cooking won my heart and made of me an admirer of Indian culture and people. Coming in touch with this friendly, genuinely hospitable people felt like magic. India has in my opinion an enormous potential for the growth of tourism. Modern low cost airlines are already connecting the cities which makes travel easy and comfortable. The flight with IndiGo Air was a pleasant experience and felt like a flight in Germany. The security precautions all over the airports meet the highest standards and make the impression that India is a very safe country where visitors are being taken proper care of. I would even recommend the European government to implement the same measures and learn from India in this matter. Our trip in south India and Delhi was perfectly organised: travel guides and drivers were highly professional and cared for all our needs. We had many useful talks with the representatives of the ministry of Tourism accompanying our group in Kerala and Tamil Nadu and were convinced that in matters of tourism India has the most reliable partners! We could also sense the wind of change and entrepreneural spirit of the country everywhere we visited. In the luxury segment of hotel industry India has achieved the highest level of comfort either for the leasure or business traveller. However, there is still work to be done: more infrastructure and facilities for tourists as well as reasonably priced middle-class hotels are in demand for bringing the average German to the experience and magic of south India. I am also convinced that the development of sustainable tourism should bring prosperity to all people of the society and make India a very safe and clean country. I have a vision of a wide and clean, inviting promenade by the sea in Cochin, offering lots of space, cafes and boutique shops for the native and non-native visitors of this city instead of the muddy street covered with garbage we walked along. And I would like to see the poor street artist who begged me to buy his silk prints having his own stall or shop there and being able to support his family. Small businesses thriving and happy tourists from Germany buying arts and crafts. The sustainable tourism will make it possible and I am sure that our travel experience and the following mutual talks during the Forum in Delhi have already cleared the path for this future development!

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