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Was zählt, ist der Leser – nicht der Klicker

Was hat Unister mit Eurowings gemein? Und was wäre, wenn Marija Linnhoff plötzlich Air-Berlin-Pilotin wäre? Wir werfen einen Blick zurück auf die erfolgreichsten Nachrichtengeschichten auf fvw.de – und auf ihre Leser.

von Philipp Dudek, 22.12.2015, 15:43 Uhr

„Unister kauft Air Berlin und den ersten Jet fliegt Marija Linnhoff persönlich.“ Als wir neulich in einer Konferenz die Jahresrückblicke für fvw.de geplant haben, hat ein Kollege diese Gaga-Überschrift erfunden. Die Schlagzeile des Jahres 2015. „Das hätte jeder gelesen.“ Und damit hatte er wahrscheinlich recht, der Kollege.

Ich habe mir daraufhin die Auswertungen unseres Statistik-Tools angesehen, um herauszufinden welche Geschichte tatsächlich die erfolgreichste auf fvw.de in diesem Jahr war. Überraschung: Sie handelte weder von Unister, noch von Air Berlin, noch hatte die umtriebige Marija Linnhoff ihre Finger im Spiel.

Nein, die Geschichte mit den meisten Lesern handelte von Eurowings. „Für 99,99 Euro auf die Langstrecke“ lautete sie, geschrieben von der Kollegin Rita Münck am 4. März. Die Plätze zwei und drei folgen mit großem Abstand. Sie hatten Thomas Cook und das Incoming-Geschäft zum Thema.

Ungleich schwerer gestaltete sich die Suche nach den Verlierern des Jahres. Das wollte ich dann auch wissen. Was waren die Themen, die wirklich niemanden hinter dem Ofen hervorgelockt haben? Die Frage lässt sich leider nicht so leicht beantworten. Unser Analyse-Tool spuckt zwar Hunderte Texte aus, die im vergangenen Jahr nur einen einzigen Leser gefunden haben. So schlimm, wie sich das zunächst anhört, ist es aber gar nicht. Es handelt sich dabei ausschließlich um Archiv-Texte, die teilweise schon fast zehn Jahre alt sind.

Diese kleine Zahlenspielerei macht Fluch und Segen des Online-Journalismus deutlich. Plötzlich wird der Erfolg eines Textes, eines Themas messbar. Zumindest scheinbar. Hinter jedem Text schlummert eine Zahl. Wie oft wurde er geklickt? Wie wurde er geteilt? Wie lange hat der Leser auf der Seite verweilt? Nur: Letztendlich sagen Klickzahlen gar nichts aus. Geklickt ist nämlich schnell. Ob der Text auch wirklich gelesen wurde – oder den Leser berührt hat, das verraten diese Zahlen nicht. Nicht ohne Grund reden wir vom Leser – und nicht vom Klicker.

Deshalb sind Leserkommentare manchmal ein besserer Indikator für eine erfolgreiche Geschichte. Wurde ein Thema heftig kommentiert, wird es die Leser auch berührt haben. Manchmal haben sie den dazugehörigen Text vorher sogar gelesen …

Hier sieht die Themen-Hitparade ganz anders aus. Die GDS-Gebühr, Unister und die Lobby-Arbeit von Marija Linnhoff waren viel diskutierte Themen. Da hatte der Kollege in der Konferenz also das richtige Gespür.

Das zeigt: Auch im Jahr 2015, dem Jahr 20 des Online-Journalismus, genügt es nicht, sich auf Klickzahlen und Analyse-Tools zu verlassen. Was hilft, ist ein Gefühl für den Leser und ein Gespür für gute Geschichten – und natürlich ausgezeichnetes Handwerk.

Ich hoffe, Sie waren in diesem Jahr zufrieden mit uns und bleiben uns auch im nächsten Jahr verbunden.

Kommentare

von AKR, 23.12.15, 08:48
In diesem Sinne gute Arbeit guten Rutsch!

von Hendrik Gang, 23.12.15, 12:19
Zählt dann nach Ihrer Argumentation der Leser oder doch eher der Kommentator? Kann es sein, dass sich in Einzelfällen eine eher kleine Gruppe Menschen mit einer Flut von Kommentaren eine Relevanz erschreit, die sie eigentlich gar nicht hat? Bitte nehmen Sie die Kommentar-Menge nicht als alleinigen Maßstab für ihre Berichterstattung. Danke!

von AKR, 23.12.15, 14:29
@Hendrik Gang Daumen hoch. Anmerkung: Ich denke die FVW hat das Thema Kommentare vor dem Relaunch gut durchdacht und will weg von den Kommentaren, sonst hätte man die Kommentarfunktion inkl. den Kommentaren nicht auf pro aktiv ausklappen eingestellt. Ohne Headline Bildzeitungs Stil, klickt es sich besser.

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