fvw Blog zur Elbphilharmonie

Tourismus braucht Wahrzeichen

Hamburg jubelt trotz der Kostenexplosion über die „Elphi“. Zu Recht, denn die Reisebranche lebt von solchen Ikonen, meint Klaus Hildebrandt nach dem Besuch des Eröffnungskonzerts.

12.01.2017, 13:07 Uhr
Klaus Hildebrandt ist Chefredakteur der fvw.
Foto: fvw

Viele Kollegen und Freunde haben mich am Mittwochabend beneidet, dass ich zum Eröffnungskonzert der Elbphilharmonie eingeladen war. Leider musste ich ihnen per Facebook und am anderen Morgen ganz real auch noch sagen, dass es ein wunderbares Konzert mit einer absolut gelungenen Musikauswahl aus fünf Jahrhunderten und einem phantastischen Klangerlebnis in einem architektonisch herausragenden Gebäude war.

„Glücklich ist, wer vergisst“, heißt es in der „Fledermaus“. In Hamburg, einer schwer selbstverliebten Metropole, in der lokale Radiosender ihren Hörern jeden Morgen aufs Neue einhämmern, man lebe in der „schönsten Stadt der Welt“, macht sich eine eigenartige Stimmung breit. Zehn Jahre lang ging es, wie beim Hauptstadt-Flughafen BER, fast nur um Bauverzögerungen und explodierende Kosten.

Zwar wiesen bei der Eröffnung der „Elphi“ Kritiker darauf hin, wieviele Kitas, Frauenhäuser und sonstige soziale Wohltaten man mit den 789 Mio. Euro hätte finanzieren können. Aber in der Stadt – und bei den Besuchern der Eröffnung sowieso – überwiegt trotz der zehnmal höher als geplanten Baukosten der Stolz auf ein neues Wahrzeichen. Oder, wie Bundespräsident Joachim Gauck in seiner Rede sagte, auf ein „Juwel der deutschen Kulturnation“. 220.000 Menschen hatten sich für die 1000 zur Verlosung stehenden Karten für die beiden Eröffnungskonzerte beworben, wie Bürgermeister Olaf Scholz sagte. Schon eine halbe Million Menschen haben die umlaufende Plaza mit Blick auf den Hafen besucht, die Konzerte für dieses Jahr sind praktisch ausverkauft.

Aus touristischer Sicht ist das spektakuläre Konzerthaus zweifellos ein Gewinn. Die Reisewelt lebt von Ikonen. Dubais Aufstieg als Destination begann mit dem Hotel Burj-al-Arab, wieviele Fotos schon vor Attraktionen wie der Oper in Sydney (die übrigens auch zehnmal teurer wurde als geplant) geschossen wurden, kann niemand zählen. Im Selfie- und Social-Media-Zeitalter werden Wahrzeichen noch wichtiger als in der Ansichtskarten-Ära.

Weltweit berichten Medien groß über die Elbphilharmonie, Urlauber posten massenhaft Fotos. Das ist gut für den Tourismus in Hamburg, der international Nachholbedarf hat, und gut für den Tourismus in ganz Deutschland. Gäste aus Übersee besuchen meist nicht nur eine Stadt. Welcher Amerikaner oder Chinese kennt den Hamburger Michel oder die Alster? Nun hat Hamburg ein weithin sichtbares – und wie ich selbst erleben durfte, sehr hörbares – Wahrzeichen. Dass es viel teurer wurde, wird zur Anekdote auf der Hafenrundfahrt.

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