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Mein Haus, mein Auto, mein Hotel

Bald hat auch Til Schweiger ein eigenes Hotel. Immer mehr Unternehmer und Prominente schmücken sich mit dem Hoteliers-Dasein. Ist das Hotelgeschäft nun eine Liebhaberei oder doch eher knallhartes Business? Oder vielleicht sogar ein neues Statussymbol?

von Sabine Pracht, 27.10.2016, 18:07 Uhr
fvw-Redakteurin Sabine Pracht
Foto: fvw

So provokativ die Frage für gestandene Hotelmanager klingen mag, die Antwort muss sicher lauten: alles. Jeder erfolgreiche Hotelier weiß, dass es nicht nur um Business geht. Nicht nur darum, ein Hotel erfolgreich zu vermarkten, Mitarbeiter trotz Schichtarbeit und schlechter Bezahlung zu Höchstleistungen zu bringen und ein Ertrag bringendes Revenue Management aufzusetzen.

Ohne ganz viel Leidenschaft, viel Liebe zum Detail und Verzicht auf das eigene Privatleben geht es nicht. Das zumindest berichten erfolgreiche Hoteliers, solche die mit Herz und Seele dabei sind. Frank Marrenbach, CEO der Oetker Collection und geschäftsführender Direktor des Brenners Park-Hotel & Spa in Baden-Baden, der in diesem Jahr von der "Allgemeinen Hotel- und Gastronomie-Zeitung", zum „Hotelier des Jahres“ ernannt wurde, ist dafür jedenfalls ein gutes Beispiel. Einer von vielen engagierten und erfolgreichen Hotelchefs.

Doch angesichts der Fülle an Quereinsteigern, die plötzlich das Hotel-Business für sich entdecken, muss man sich schon fragen: Was hat es damit auf sich?

Erfolgreiche Unternehmer wie Lebensmittelproduzent August Oetker, Computer-Händler Werner Conrad, Pharma-Produzent Ludwig Merckle, Logistiker Klaus-Michael Kühne, Internet-Milliardär Jan Henric Buettner sowie Modehaus-Erbe und Airline-Gründer Hans Rudolf Wöhrl investieren gern in Hotels. Einfach so. Weil sie Spaß daran haben. Und das Geld sowieso. Das ist schon lange so. Mit Liebhaberei ließe sich das Engagament in der Hotelszene erklären. Die einen sammeln Oldtimer, die anderen lieber schicke Hotels.

Doch zunehmend brüsten sich auch immer mehr Prominete damit, ein eigenes Hotel zu eröffnen. Karl Lagerfeld will eine Hotelkette bauen. Nach dem Vorbild anderer Designer will er mit einer Kette durchstarten. Das erste Haus soll 2018 im chinesischen Macao eröffnen. Fußballer Cristiano Ronaldo eröffnete im Sommer mit viel Medienrummel das erste von insgesamt vier Hotels unter der Marke Pestana CR7. Die deutsche Schauspielerin Jessica Schwarz hat in ihrer Heimat in Michelstadt ein Hotel samt Cafe aufgebaut. Und nun hat auch TV-Produzent und Schauspieler Til Schweiger angekündigt, ein Hotel zu bauen. Am Timmendorfer Strand wird er das Hotel Meridian umbauen und unter der Marke „Barefood“ nach seinem Geschmack herrichten. Sein gleichnamiges Restaurant in Hamburg ist ebenfalls in Planung.

Ist das noch Liebhaberei oder schon Inszenierung? Klar: Prominente müssen sich inszenieren, selbst Marken werden und immer wieder dafür sorgen, dass weiter über sie gesprochen wird. Dass sie präsent sind. Das Hotel dient ihnen quasi als Vehikel ihrer Selbstdarstellung. Denn wer von den Prominenten will sich schon wirklich persönlich um die Gäste kümmern und Hotelier sein?

Doch der „Ich-möchte-ein-Hotel-aufmachen-Wahn“ schlägt auch schon bei Nicht-Industriellen und Nicht-Prominenten um sich: Der ehemalige Airplus-Manager Volker Huber hat ein eigenes Hotel, Giata-Gründer Remzi Aru ebenso und der ehemalige, langjährige Chef von Hamburg Tourismus, Dietrich von Albedyll, träumt auch davon, unter die Hotelbetreiber zu gehen. Da kann man sich doch fragen: Ist das Hotel in Zeiten, in denen Autos, Häuser und Boote mittlerweile lieber geteilt als besessen werden, das neue Statussymbol? Quasi die Reinform der Selbstverwirklichung? Die Spitze der Maslowschen Bedürfnis-Pyramide?

Wie es die beiden Herren im Sparkassen-Spot der 90er Jahre vorlebten, muss es heute wohl eher heißen: Unser Haus, unser Auto, unser Boot, mein Hotel. Doch wenn irgendwann jeder sein eigenes Hotel hat, stellt sich eine weitere Frage: Wer soll in den ganzen Hotels noch wohnen?

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