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Eine Busfahrt, die ist lustig

Einfach mal pfiffig Geld sparen und den Fernbus statt der Bahn nehmen: Nichts anderes wollte unser Redakteur Tobias Pusch. Herausgekommen ist eine Reiseerfahrung der ganz besonderen Art.

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von Tobias Pusch, 22.07.2016, 16:06 Uhr
fvw-Redakteur Tobias Pusch
Foto: FVW

Ja, okay, ich gebe es zu: Ich war zu spät am Abfahrtsort. Zumindest nicht so pünktlich, wie sich mein Busbetreiber das vorgestellt hatte. 15 Minuten vor der offiziellen Aufbruchzeit möge ich mich am Berliner ZOB einfinden, so steht es schwer überlesbar auf meinem Ticket. Weil ich mir aber noch einen Kaffee geholt habe, sind nun nur noch zwölf Minuten Puffer übrig. Meine erste Fernbus-Fahrt seit 30 Jahren verhindert das jedoch nicht. Auch wenn mir der Fahrer beim Einsteigen einen bösen Blick schenkt und mein Ticket nur widerwillig abscannt.

Dass etwas mehr Pünktlichkeit durchaus auch in meinem eigenen Interesse gewesen wäre, merke ich, als ich mir einen Platz suchen will: Das Fahrzeug ist bereits rappelvoll. Wobei manche der Plätze nur deswegen belegt sind, weil meine Mit-Passagiere die Sitze neben sich einfach mit allerlei Sachen blockieren. Ich frage eine ältere Dame, ob der Platz neben ihr noch frei ist. Sie murmelt etwas in sich hinein, dann nimmt sie in Zeitlupen-Tempo ihre zerpflückte Tageszeitung und ihr belegtes Brötchen vom Sitz neben sich. Anschließend entfernt sie mit großer Geste die beiden Kaffeebecher vom dazugehörigen Klapptisch. Als ich mich schließlich setze, verstehe ich plötzlich ihren Missmut und die Blockier-Strategie der anderen Passagiere. Hier im Fernbus ist es recht eng. Egal, ob man will oder nicht: Man geht mit dem Sitznachbarn auf Tuchfühlung.

Eigentlich wollte ich im Bus ja arbeiten, aber die Kombination aus Klapptisch-Abstand und seitlicher Enge lässt an eine Nutzung des Laptops nicht denken. Deswegen beginne ich die etwa dreistündige Fahrt nach Hamburg mit dem Lesen der aktuellsten Nachrichten. Zumindest in der Theorie. Denn einer der von den Fernbus-Unternehmen am intensivsten beworbenen Vorteile gegenüber der Bahn – das kostenlose W-Lan an Bord – funktioniert leider nicht. „Ich schalte es an, wenn ich losgefahren bin“, lässt mich der Busfahrer auf Nachfrage wissen.

Vorher muss er noch seinen Kontrollgang durch das Fahrzeug machen. Und siehe da: Plötzlich werden die mit Taschen belegten Sitzplätze wieder frei. Denn Andreas – so heißt der Lenker – weist alle Mitfahrer an, die losen Gegenstände in das Gepäckfach zu legen. In meinen Augen ist die Bezeichnung „Fach“ eher übertrieben. „Schlitz“ würde es besser treffen. Eine Mitfahrerin widersetzt sich der Anweisung, denn „in der Tasche ist mein ganzes Geld drin“. Andreas baut sich vor ihr auf und erstickt mit barscher Stimme sowie Verweis auf die AGB jegliche Diskussion im Keim. Er verfügt über diese ganz besondere Busfahrer-Autorität, die man noch von früheren Klassenreisen kennt. Und an deren Ende man wie die Frau hastig mit Worten wie „Ist ja gut, ist ja gut“ einlenkt. Man möchte ja schließlich an Bord bleiben.

Auch optisch erfüllt der Fahrer manches Klischee: Mit seinem stattlichen Bauch berührt er beim Durchschreiten des Ganges zwangsweise die Beine der innen sitzenden Passagiere, Sein Hemd ist weit aufgeknöpft und sein Vollbart lässt ihn ein wenig wie einen Bären wirken. Kurt Beck als Busfahrer, schießt es mir unwillkürlich durch den Kopf.

 
 
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