Facebook

„Tolle Möglichkeiten für die Reisebranche“

Laut Facebook-Manager Martin Barthel sucht nicht der Kunde das Produkt, sondern das Produkt den richtigen Kunden. Mit Hilfe der digitalen Vermarktung will Facebook seine Nutzer aber auch in den stationären Handel locken. Davon könnte die Touristik profitieren.

von Sabine Pracht, Klaus Hildebrandt, 21.08.2017, 07:17 Uhr
Seit Januar verantwortet Martin Barthel in der Facebook-Zentrale in Menlo Park die Handels- und E-Commerce-Sparte. In dieser Funktion berät er Unternehmen, wie sie mit Hilfe von Facebook ihre Umsätze steigern können, digital wie stationär.
Foto: fvw/Klaus Hildebrandt

Immer häufiger finden User auf Facebook Werbung und Produkte aus der Mode-, Elektronik, Möbel- und Touristikbranche. Martin Barthel ist bei dem Unternehmen für Handel und E-Commerce zuständig. Seiner Meinung nach kommt es für die etablierten Handelsunternehmen in Zukunft vor allem darauf an, wie gut sie in der Lage sind, mobil Kaufanreize zu schaffen, um Kunden in die Läden zu locken. Seine Thesen: Imagewerbung und Abverkauf müssen stärker zusammenwachsen. Barthel ist überzeugt: An Facebook als sozialem Medium und Helfer komme kein Händler mehr vorbei.

Herr Barthel, w elche Bedeutung hat Facebook als Vertriebskanal?

Unser Kerngeschäft im Handel sind Anzeigen, die auf den Online Shop verlinken oder die Conversion im stationären Handel befeuern sollen. Wir sorgen auch dafür, dass mehr über mobile Geräte gekauft wird. Lag die Mobile Conversion Rate der Händler, mit denen wir zusammenarbeiten, im Weihnachtsgeschäft 2015 noch bei 45 Prozent, stieg sie ein Jahr später auf 53 Prozent an.

Haben Sie auch ein Beispiel aus der Touristikbranche?

Wir haben spezielle Werbeanzeigen für die Reisebranche entwickelt und erweitern diese laufend. Im April haben wir dynamische Produktanzeigen für Flugbuchungen verfügbar gemacht. Dadurch haben neben Hotels und Reisebüros seitdem auch Fluggesellschaften und -anbieter die Möglichkeit, ihre Kampagnen auf unseren Plattformen auszuspielen. Sie können während der gesamten Reiseplanung und -buchung mit den Menschen auf Facebook mit personalisierten und relevanten Angeboten in Kontakt treten.

Cathay Pacific und Delta Air Lines zählen zu den ersten Airlines, die das getestet haben. Cathay konnte seit der Implementierung von Dynamic Product Ads seine Kosten pro Neukunde um 15 Prozent senken und sein Buchungsvolumen um das 16-Fache steigern.

Wie kommen Sie auf so hohe Werte?

Über dynamische Werbeformate zeigen wir Produkte zur richtigen Zeit dem richtigen Kunden. Von Partnern, die ihr Inventar bei uns hochladen, vermarkten wir automatisiert die gesamte Produktpalette – auf die jeweiligen Nutzerinteressen zugeschnitten.

Je nach Käuferprofil wählt unser Algorithmus die passenden Angebote aus. So zeigen wir beispielsweise Frauen, die sich im Internet und auf Facebook für schwarze Biker-Boots oder Flüge nach Rom interessieren, die entsprechende Werbung. Auch können Händler Menschen, die sich auf ihrer Seite oder App ein Produkt angeschaut, aber nicht gekauft haben, dann wieder über Facebook ansprechen.

Inwiefern profitiert der stationäre Handel?

Wir arbeiten gerade mit ersten Partnern daran, Anzeigen so zu gestalten, dass der Kunde sieht, zu welchem Preis er das Produkt im für ihn nächstgelegenen Geschäft kaufen kann. Die Markenartikler oder Dienstleister laden dazu die Liste ihrer Geschäfte bei uns hoch. Wir können dann nachvollziehen, wie viele der Kunden, welche die Werbung auf Facebook gesehen haben, auch in das Geschäft gegangen sind. Wenn man das noch mit den Kundendaten verbindet, die der Händler im Geschäft sammelt – etwa über eine Kundenkarte –, kann man dann sogar genau sehen, wie viel die Werbung zum Abverkauf der Produkte beigetragen hat.

Werbung würde so messbar – der Traum eines jeden Werbekunden. Welche Auswirkungen haben diese Entwicklungen auf das Marketing und den Vertrieb der Handelsunternehmen?

Video und besonders mobiles Bewegtbild ist ein Megatrend. Gerade, weil im Digitalen Imagewerbung und Abverkauf immer stärker zusammenwachsen, steigt auch die Bedeutung von Video. Marke ist wichtig, aber es geht immer mehr darum, Produkte und Angebote für den Abverkauf in den Vordergrund zu stellen. Die Menschen werden immer anspruchsvoller. Sie erwarten tolle Bilder und aussagekräftige Einblicke. Deshalb geht der Trend ganz klar weg von der klassischen Anzeige hin zu animierten Bildern und Videos in allen Formen – zum Beispiel Live und 360 Grad.

Die Reisebranche hat hier tolle Möglichkeiten, das für sich zu nutzen und den Menschen ganz neue Eindrücke der unterschiedlichen Reiseziele zu vermitteln. Auf Reisebüros könnten ganz neue Aufgaben zukommen. Die Verknüpfung von On- und Offline kann auch dem Reisebüro die Zukunft sichern. Denn ihm können neue Rollen beim Entdecken von Destinationen zukommen. OTA könnten Flagship-Stores in Innenstädten aufbauen.

Das komplette Interview lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der fvw, die als Print-Magazin, iPad-Version und E-Paper vorliegt.

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