E-Commerce

Bringt Brand Bidding Buchungen?

Papier scheint auch in diesem Fall geduldig zu sein. Trotz Code of Conduct hat das Bieten auf fremde Marken in der Touristik Hochkonjunktur. Warum tun sich die Reiseportale so schwer, darauf zu verzichten?

von Arndt Aschenbeck, 21.03.2011, 17:33 Uhr

Jetzt ist es also amtlich. Die Zahl der Markenklauer bei der Adwords-Werbung ist in der Touristik so hoch wie in keiner anderen Branche. Sage und schreibe 84 Unternehmen bieten durchschnittlich auf die Marke eines Konkurrenten. Die SEM-Agentur Xamine, die diese Zahlen erhoben hat, berichtet sogar, dass es in der Touristik Marken gibt, auf die bis zu 120 Wettbewerber Adwords-Anzeigen schalten.

Angesichts solcher Zahlen fragt man sich schon, welchen Sinn da noch ein Code of Conduct macht. Zumal eine spontane Stichprobe ergab, dass auch zwei Top- 5-Reiseportale, die die Selbstverpflichtung unterschrieben haben, Adwords-Anzeigen auf die Marke der Konkurrenz schalten. Die Keywords, die ich bei der Recherche eingegeben habe, waren übrigens ab-in-den-urlaub.de und fluege.de. Probieren Sie es einfach einmal selbst aus. Ein Portal taucht sogar bei beiden Suchbegriffen auf ...
Was soll man davon halten? Wer den Code of Condurct unterschrieben hat, sollte bei solch einer Stichprobe eigentlich nicht auftauchen. Denn im Abschnitt 2.2 des Papiers heißt es:

„Im Rahmen von Online-Werbung sollen keine Marken, Unternehmenskennzeichen oder Firmen eines fremden Unternehmens oder schutzfähige Bestandteile hiervon in täuschender Absicht bzw. Form als Keyword z.B. im Rahmen des Google-Werbeangebotes „Adwords“ verwendet werden. Weiterhin dürfen zu vorstehenden Zwecken keine zugunsten eines Dritten geschützten und in der Anlage 1 zu diesem Code of Conduct aufgeführten Domains verwendet werden. Der Begriff „Domains“ bezieht sich insoweit auf die vollständige Wiedergabe der Domain, also z.B. www.flug.de bzw. flug.de und nicht auf die Verwendung von schlagwortartigen Bestandteilen wie z.B. „flug“."

Dass ich gerade zwei Unister-Domains für meine Stichprobe verwendet habe, ist natürlich kein Zufall. Denn ein weiteres Ergebnis der Erhebung ist, dass mit Reisen.de, Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de drei Unister-Portale am meisten vom „Markenklau“ betroffen sind. Das überrascht nicht. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass gerade Unister Brand Bidding im ganz großen Stil betreibt. Das haben mir auch die Experten von Xamine in einem Gespräch bestätigt. Ist ja auch kein Wunder, schließlich hat Unister den Code of Conduct nicht unterschrieben. Und muss sich deshalb auch nicht dran halten.

Dass der Frust darüber zunimmt, dass Unister nach wie vor einen Freifahrtsschein bei der Adwords-Werbung hat, war in vielen Gesprächen während der ITB zu hören. Von einem Kampf mit ungleichen Waffen war die Rede. Und hier und da wurde unter der Hand auch gemunkelt, dass es den ein oder anderen Unterzeichner gebe, der es mit den Inhalten des Code of Conduct auch nicht so genau nehme.

Das ist schon interessant. Denn die Portale behaupten immer, dass Brand Bidding sowieso nichts bringe. Und die Argumentation ist auch durchaus schlüssig. „Wenn jemand Marke XY eingibt, dann sucht er nicht nach Angeboten von Marke AB“, heißt es. Klingt logisch. Wäre es aber so einfach, dann würde es in der Touristik nicht so viele Marken-Trittbrettfahrer geben. Offensichtlich landet doch noch der ein oder andere Klick mehr auf der eigenen Seite, auch wenn der Nutzer die Marke der Konkurrenz eingegeben hat. Und Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Oder wie sehen Sie das? Lohnt sich die ganze Aufregung um das Brand Bidding?

Kommentare

von Markus Luthe, 21.03.11, 18:16
Die Aufregung um das Werben mit fremden Markennamen ist mehr als berechtigt. Es gibt keine innerhalb der Sphäre der Fairness liegende Rechtfertigung für Brand Bidding. Deshalb haben wir dies auch in HOTREC's "20 Benchmarks fairen Verhaltens von Hotel-Buchungsportalen" deutlich gebrandmarkt (vgl. http://tinyurl.com/6zopmva).

von Web-Tourismus, 21.03.11, 18:40
Interessant in dem Zusammenhang wäre es doch, wirklich zu wissen, wieviel Mehr-Umsatz ein Markenklau einbringt. Was also generiert die Schaltung von Fremdmarken in AdWords an Plus-Umsatz? Wieviel mehr Umsatz hat man dadurch, daß jemand letztendlich nicht nur über einen "versehentlichen" Klick auf meine Webseite kommt, sondern dann auch noch - weil er ja nun eh grade da ist - nachweislich eine Buchung durchführt? Wenn das mal sitchhaltig belegt wäre, würde das viel zur allgemeinen - oft recht hitzig geführten - Diskussion beitragen.

von Arndt Aschenbeck, 21.03.11, 18:52
@ Web-Tourismus: Genau in diese Richtung zielt ja meine abschließende frage. Ich befürchte nur, dass einem da niemand eine Antwort geben kann (und wohl auch nicht will).

von web-Tourismus, 21.03.11, 19:05
Ich denke eher mal "nicht will" ... und der einzig weirkliche Gewinner der gesamten Situation ist sowieso Google - mal wieder.

von barthel.eu, 21.03.11, 19:55
Wenn jemand Marke XY eingibt, vor lauter Schrott die Marke aber nicht findet, landet er ja vielleicht doch bei der Konkurrenz? Oder er gibt die Marke ein, weil er ja eigentlich viel zu dumm ist, um zu begreifen, dass er eigentlich die ganz andere Marke sucht, die sich nun in die Ergebnisliste mogelt. Kann ja gar nicht sein, dass der User zu einer anderen Marke als der eigenen - anderen - will, oder??? Was diese "SEMs" und "SEOs", diese Möchtegernexperten gern negieren, ist der steigende Frust der User gegenüber diesen "Markenabgreifern". Ich merke bei Suchen schon, wer sich da reinmogeln will. Eher frustriert mich das, was dann dazu führt, dass ich die Website der Mogelmarken gar nicht mehr in Betracht ziehe oder gar "suche".

von Ulrich Roth, 21.03.11, 21:51
Mir ist schleierhaft wie man bei generischen Begriffen von Brandbidding sprechen kann? Seit wann sind die Begriffe hotel reise flug oder ab in den urlaub Marken?

von Michael Buller, 22.03.11, 10:30
Sie beziehen sich auf einen Artikel der in der Internetworld Business erschienen ist http://www.internetworld.de/Nachrichten/Marketing/Zahlen-Studien/Suchmaschinenmarketing-im-Tourismus-Werbung-mit-fremden-Marken-nimmt-zu Dort geht hervor….lt. Xamine scheint der Wert auf 84 Fremdwerbungen auf eine Marke angestiegen zu sein was höher wohl liegt als in anderen Branchen. Woher diese Zahlen kommen und wie sie gemessen wurden entzieht sich meinen Kenntnissen (genauso wer auf wen hier schaltet). Ich hoffe nur das zugehörige Marken einer Gruppe bei der Berechnung draußen sind….sonst müssten man evtl. den Wert revidieren….denn auch die eigenen Schwesterportale schalten auf ihre eigenen Portale. In dem Artikel ist auch zu lesen „Besonders betroffen vom großen Zuwachs an Fremdwerbetreibenden sind im Vergleich zum Januar die Anbieter reisen.de (plus 157 Prozent), hotels.com (plus 135 Prozent) und fluege.de (plus 85 Prozent).“ Danach ist Unister nun ein Opfer da 2 seiner Portale betroffen sind (evtl. sind es aber auch die Geister die man rief!) Dank eines genialen und durchdachten EUGH (Google) Urteil ist das schalten Markenrechtlich erlaubt sofern man sich als der ausgibt…der man tatsächlich ist. Wettberwerbsrechtlich könnte das anders aussehen! Eine Ausarbeitung dazu kann man auf der VIR Seite finden: http://www.v-i-r.de/nutzung-fremder-marken-im-rahmen-google-adword.htm Der DRV und VIR haben den C.o.C. in die Touristik gebracht und damit aktiv etwas gegen diesen Trend voran gebracht (von nichts kommt halt auch nichts!!) und sind ihrer Verantwortung gerecht geworden. Was man leider von der FVW nicht sagen kann….denn in den letzten Ausgaben z.B. vom 9.9.2010 Spekulation der Woche „Code of Conduct Wackelt“ (Wahrscheinlichkeit 4 von 5 Punkten lt. FVW) oder Ausgabe vom 8.10.2010 „Schade Herr Buller (i.S. Code of Conduct“)….der übrigens Schade Branche heißen hätte müssen (aber das nur am Rande)…. helfen nicht gerade dabei das andere sich dem anschließen. Und ich befürchte das ich demnächst auch noch Lesen darf, das die die den C.o.C. unterschrieben haben, ganz üble Täter sind! Insgesamt haben sich bereits über 70 Unternehmen http://www.drv.de/engagement/verhaltenskodex-im-online-marketing.html angeschlossen und das entspricht einem Online-Werbevoloumen von ca. 40-50 Mio! Das von Ihnen abfällig beschriebene „Stück Papier“ ist trotz Ihrer Hilfe ein Erfolg…. …denn wir haben es erreicht das man darüber redet und Awareness schafft bekanntlich eine Öffentlichkeit bei der man evtl. 2 darüber nachdenkt was man macht! Und selbst um Leipzig ist es seit einiger Zeit ruhiger geworden….obwohl sie nicht unterschrieben haben! Und nun empfehle ich sich mal mit den Unternehmen zu Unterhalten die trotz C.o.C. schalten…evtl. gibt es dazu eine Geschichte!

von Hans Extra, 22.03.11, 10:42
@ Ulrich Ich glaube, das Beispiel ist schlecht gewählt. Füttert wirklich ein potentieller Kunden den Suchschlitz mit "ab-in-den-urlaub.de"? Wohl kaum. Wenn jemand das entsprechende Portal sucht, dann gibt er inzwischen den Begriff direkt in die Adressleiste ein. Das Suchverhalten der Internetbenutzer hat sich geändert. Dreist ist allerdings, dass bei dem genannten Suchbegriff eine Anzeige erscheint mit dem Titel"www ab in den urlaub de". Ohne Punkte und Bindestriche. Als Link erscheint "www.ab-in-den-urlaub.travel24.com".

von Michael Buller, 22.03.11, 11:03
Lieber Hans Extra....überprüfen sie doch einfach mal wem Travel 24 gehört..und evtl. andere Marken die darauf schalten!!!!!

von Web-Tourismus, 22.03.11, 11:12
@ Hans Extra Nur zwei Anmerkungen: 1.) In puncto Surf- und vor allem Suchverhalten haben wir in zig Studien und Testlabors inzwischen genau die gegenteilige Entwicklung festgestellt. Und auch andere Kollegen bestätigen das. Die Suche findet immer mehr - leider - über das Google Suchfeld statt. Die Menschen geben den Suchbegriff im Google-Feld ein. Selbst ganze Webseiten-Adressen a la "www.xyz.de" werden der Einfachheit halber in Google eingetippt und dann anschließend in der Ergebnisliste angeklickt. Hier findet ein 2-Klick-Umweg auf eine Webseite statt - ohne großes Nachdenken - und darin liegt die Gefahr oder der Erfolg, je nachdem wie man es sieht. Meine eigenen Mitarbeiter machen das sogar, wenn ich sage gehen Sie mal auf unsere Webseite "Web-Tourismus.de", dann geben die das in Google ein. Als ich erstaunt fragte "Warum denn so kompliziert" kam als Antwort "Ich mach das inzwischen immer so, ist einfacher!" Fragen Sie mich nicht, was daran einfacher ist, aber bedenklich ist es alle Male. 2.) Es wundert mich nicht daß Sie so ein Ergebnis erzielen (www.ab-in-den-urlaub.travel24.com) - gehört doch alles zu Unister.

von Ulrich Roth, 22.03.11, 11:27
Hallo Hans, bei - ab in den urlaub - hast Du mich falsch zitiert, wie Du auch bei diesem Posting sehen kannst habe ich bewusst Bindestriche und die Anführungsstriche die alle vier Worte als eine Phrase bei einer Googlesuche abfragt vermieden. Wenn Du ein Onliner wärst und laufend die Keywords kontrollierst wüsstes Du, dass die Leute komplette urls in den Suchschliz eingeben und das nicht wenig. Eine www.internetadresse.de sehe ich als Wortbild und ist für mich als "Code of Conduct" Unterzeichner tabu. Wie ich es auch von meinen Mitbewerbern bei unseren Namen und url`s erwarte. Was ich letztlich mit meinem ersten Posting sagen wollte, dass die zitierte Untersuchung für den Popo ist, da absolut fehlerhaft und keine Aussagekraft hat. Mit der Pressemeldung wird unterschwellig behauptet dass eine der zitierten Firmen die geschädigten sind. Das ist der Hohn. Diese Firma müllt den Adwordsindex zu und hat null Hemmungen auf Mitbewerbernamen SEO zu betreiben. Auch wir gehören zu den Opfern. Mit anderen Worten diese Agentur, die diese psoudo Untersuchung veröffentlicht hat, hat sich disqualifiziert. Wenn die ihre sonstigen Arbeiten genauso "gewissenhaft" betreiben, wie diese Untersuchung, dann Gute Nacht für ihre Kunden.

von Michael Koenigs, 22.03.11, 12:35
Um das Problem etwas zu verdeutlichen, habe ich mal unsere Top3-Suchanfragen von Google Analytics im Bild hochgeladen: http://twitpic.com/4c2uh0 Und jetzt erklärt mir mal bitte jemand, der glaubt, dass es sich bei Unister um ein Opfer handelt, wonach die Leute suchen, die bei Google "last minute com" eingeben. Nach einer Marke? Nach einer bestimmten Website? Ist immerhin auf Platz 3 und entspricht damit ein paar tausend Searches bei Google. Wie ich auch schon bei den News unter http://www.fvw.de/markenklau-bei-online-werbung-nimmt-zu/393/86767/11183 gepostet habe, halte ich diese Studie für einen absoluten Witz!

von Michael Koenigs, 22.03.11, 12:52
Kleiner Nachtrag noch zur "Seriösität" von Google selbst: Google-Suchanfrage: costa meloneras Anzeige 1: www.gran-hotel-costa-meloneras.com (Impressum: Unister GmbH) Anzeige 2: ab-in-den-urlaub.de/Costa-Meloneras (Impressum: Unister GmbH) Google Richtlinien besagen aber: Google gestattet außerdem nicht die mehrfache Schaltung von Anzeigen desselben Unternehmens, eines Zweigunternehmens oder derselben Person auf einer Ergebnisseite. Wir haben festgestellt, dass Seiten mit mehreren Textanzeigen von einem Unternehmen weniger relevante Ergebnisse liefern und die Qualität für unsere Nutzer schmälern. Hierzu sollte mal die FVW lieber Recherche betreiben, anstatt wilde Studien einfach zu übernehmen.

von Web-Tourismus, 22.03.11, 12:58
@ M. Koenigs Da kann ich Ihnen nur zustimmen... aber daß Google da stets mit zweierlei Maß mißt, ist etwas, was wir schon immer gesagt haben. Google ist eben ein rein knallhart marktwirtschaftlich geführtes, börsennotiertes, amerikanisches Unternehmen - da zählt nur der Profit.

von Horst, 22.03.11, 13:06
Der C. o. C. war von Anfang an zum scheitern verurteilt. Einen freien Markt in der Form harmonisieren zu wollen ist nicht möglich. Vorallem dann nicht, wenn sich die key player der Branche nicht dazu bekennen. Es bleibt m. E. bei einem Versuch, in der "kuscheligen" Touristikwelt den Bereich Adwords etwas einzudämmen. Fakt ist: die Tour Operator-Tanker sind viel zu schwerfällig und zu sehr im stationären Vertrieb gefangen, um mit den richtigen Online-Nerds (und das meine ich hier positiv) mitzuhalten. Mit einem C. o. C. kann man "bisserl angeben", zur Regulierung des Online-Marktes taugt er m. E. nichts. Soll doch mal bitte der erste Leiter Vertrieb eines Veranstalters vortreten und den Unisters und Co. verbieten, seine Brand in der Weise zu nutzen - ansonsten gibt es keine Produkte mehr für aidu, reisen.de etc. zu verkaufen... Auf die Millionen möchte aber auch keiner mehr verzichten. Würde mehr Einigkeit im Direktvertrieb der Veranstalter bestehen und quasi ein C. o. C. entstehen, frei nach dem Motto: "Ist nur Nutella drin wo auch Nutella draufsteht" - was sollte ein Online-Reisebüro/Vermittler noch verkaufen? Alle Produktdaten scrapen ok, aber dann nur ohne Provisionszahlungen ;-) Wären sich die big five einig, das hätte evtl eine gewisse regulierende Kraft.

von Horst, 22.03.11, 13:10
@M. Königs / Web-Tourismus Und wenn die reisebürominded fvw noch etwas recherchieren würde: Warum gibt es bei google zwecks isolierter Betreuung bereits ein eigenes "Unister-Vertical"?

von Michael Koenigs, 22.03.11, 13:35
Kommen wir jetzt nicht etwas vom Thema ab? Geht doch hier eigentlich um "Brand Bidding"! :-) Möchte dazu nochmal eine Stelle aus dem Artikel oben zitieren: "Denn ein weiteres Ergebnis der Erhebung ist, dass mit Reisen.de, Fluege.de und Ab-in-den-Urlaub.de drei Unister-Portale am meisten vom „Markenklau“ betroffen sind. Das überrascht nicht. Denn es ist ein offenes Geheimnis, dass gerade Unister Brand Bidding im ganz großen Stil betreibt." Ich halte diese Aussage für so dermassen falsch, dass es schon fast weh tut! Als wäre Unister zum Opfer geworden, weil sie es selbst auch so betreiben. Ich kann doch nicht einen generischen Namen wie reisen.de für meine Domain auswählen und erwarten, dass wenn jemand nach "reisen" sucht nur meine Werbung angezeigt wird. Hier hat Xamine meiner Meinung nach echt bei der Studie geschlampt! Weiteres Zitat: "Jetzt ist es also amtlich. Die Zahl der Markenklauer bei der Adwords-Werbung ist in der Touristik so hoch wie in keiner anderen Branche. Sage und schreibe 84 Unternehmen bieten durchschnittlich auf die Marke eines Konkurrenten." Ich hätte gerne mal eine gefilterte Studie, wo die 3 generischen Domains von Unister aus vor gelassen wurden. Dann könnte ich mir nämlich vorstellen, dass sich das Verhältnis zu anderen Branchen drastisch geändert hat.

von Web-Tourismus, 22.03.11, 13:53
@ M. Koenigs Auch hier kann ich Ihnen nur zustimmen... Für mich lasen sich einige Abschnitt sogar so, daß ich einen Moment das Gefühl hatte die Studie sei dur U. gesponsort worden um mal zu belegen wie sehr die armen Jungs selbst davon betroffen sind. Das nächste problem besteht im Vergleich der Branchen. Die Touristikbranche also zeichnet sich - gemäß Studie - dadurch aus: "Die Zahl der Markenklauer bei der Adwords-Werbung ist in der Touristik so hoch wie in keiner anderen Branche" Nun, wen wundert das eigentlich? Das liegt in der Natur der Touristikbranche. Vergleichen wir sie mal mit anderen Branchen: Bücher, Automobile, DVDs/CDs etc. Was soll denn da groß generisch geworben werden? Da gibt es gar nicht soviele Möglichkeiten und Varianten wie sie die Tourismusindustrie bietet. Die Tourismusindustrie ist der am meisten segmentierte und fragmentierte Markt. Somit ist die "Angriffsfläche" der Tourismusindustrie wesentlich breiter, also ist es nur erwartbar, daß auch "mehr" Anbieter auf eine Marke bieten (können).

von Michael Koenigs, 22.03.11, 14:31
Ach Mensch, Web-Tourismus Ich habe doch gerade probiert zu erklären, dass es sich bei diesen 84 Unternehmen zum größten Teil überhaupt nicht um Markenklauer handelt. Was hier ein große Rolle spielt, ist der Algorithmus von Google, der einfach nicht weiß, wonach der User nun wirklich sucht. Dazu mal ein ganz interessantes Beispiel: Gib mal bei Google "ltur" ein. Google findet dazu je nach Datencenter knappe 811.000 Seiten. Gib jetzt mal bei Google "ltur.com" ein. Man sollte doch meinen, dass die Suche nun spezifischer geworden ist, und Google die Suche weiter einschränken kann. Weit gefehlt. Google findet nun knappe 2.560.000 Ergebnisse. Warum? Keine Ahnung, aber scheinbar ist die Erweiterung für Google ein Anreiz die Suche weiter auszudehnen anstatt einzuschränken. Und jetzt projiziere das mal darauf, das der User "reisen.de" eingibt, und die Algorithmen von Adwords müssen entscheiden, welche Anzeigen ausgeliefert werden. Ich als Adwords-User habe gesagt, ich möchte bei Google angezeigt werden, wenn der User irgendwas mit reisen eingibt. Meine Domain endet ausserdem auf .de. Warum sollte ich dann nicht angezeigt werden? Ein beliebiger User weiß, dass es im Nachbarort ein Reisebüro namens "Meier-Reisen" inkl. Internetseite gibt. Er weiß aber nicht, ob Meier mit "ei, "ai" oder "ay" geschrieben wird. Er gibt jetzt spaßeshalber auf der Suche nach diesem Reisebüro bei Google ein: "xxx reisen.de" - Was soll jetzt von Google ausgeliefert werden? SwingerClubs in Thailand, die man auf reisen.de buchen kann? :-)

von Michael Koenigs, 22.03.11, 15:11
Hier wird das ganze mal etwas fachmännischer erklärt: http://www.internetkapitaene.de/2011/03/22/brand-bidding-halb-so-wild/ "Aber auch restriktivere Keyword-Optionen können zu unbeabsichtigtem Brand Bidding führen. Wird beispielsweise das Wort “urlaub” als Wortgruppe eingebucht, passt dies auf alle Suchanfragen, die das Wort “urlaub” enthalten. Also zum Beispiel auf “ab-in-den-urlaub.de”." "Wie oben schon angemerkt: Wer “urlaub” einbucht, bucht implizit auch “ab-in-den-urlaub.de” ein. Das gleiche gilt für “reisen” und “reisen.de”. Weil solche generischen Suchbegriffe eben sehr oft eingebucht werden, sieht man entsprechend viele Anzeigen, wenn man nach reisen.de oder ab-in-den-urlaub.de sucht. Das zieht den Durchschnitt kräftig nach oben."

von Edgar Kugel, 22.03.11, 16:45
Seit 1995 benutze ich die prioritätsältesten Geschäftsbezeichnungen " www.Reise24.de " und " www.Reisen24.de ", 1997 war ich mit Reisen24 sogar als Aussteller auf der ITB und habe tausende "KUGELl"schreiber mit dem Aufdruck www.Reise24.de verteilt. Vielleicht kann mir jemand erklären, warum ein Code-of-Conduct Unterzeichner die Domain www.Reise24.eu , welche erst vor wenigen Jahren registriert werden konnte, auf sein Webangebot umleitet und ob dies dem COC entspricht?

von Michael Buller, 22.03.11, 17:16
Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun...und ist ein völlig andere Fragestellung. Warum besitzen sie selber nicht die Domain...das ist hier das Problem nur so kann eine technische Weiterleitung überhaupt möglich sein. Juristisch wäre zu klären ob sie Anspruch auf die Domain haben....da empfehle ich den eigenen Anwalt dazu zu befragen!

von Fritz, 23.03.11, 07:27
@Edgar: Ist denn "Reise24" auch die eingetragene Unternehmenskennzeichnung? Dann kommt es bei einer Benutzung dieser durch einen Fremden zu einer Verletzung der Unternehmenskennzeichnung, die eigentlich Abmahnfähig ist; falls Reise24 auch noch eine geschützte Marke ist kann man hier rechtlich vorgehen (wobei wahrscheinlich "Reise24" durch die fehlende Unterscheidbarkeit des Begriffes im Sinne des Markengesetzes wahrscheinlich leider nicht schützbar ist!)

von Peter Herold, 23.03.11, 15:15
Liebe Blogger, nachdem hier von "schlampiger Arbeit" gesprochen wird, möchte ich mich gerne persönlich dazu äußern: Was bitte soll an unserer Aussage, dass die größte Steigerung bei diesen drei Begriffen stattgefunden hat falsch sein? Es hätten auch drei andere Unternehmen sein können. Es sind einfach die Marktteilnehmer, bei denen der Anstieg der BrandBidder am deutlichsten ist. Unsere Erhebung hatte nicht zum Ziel, einzelne Unternehmen gut oder schlecht zu bewerten, sondern exemplarisch den Anstieg an Brandbidding in der Branche sichtbar zu machen. Ob das Opfer oder auch Täter sind, ist nicht Ziel der Studie gewesen. Bei Interesse können wir aber auch gerne auswerten, wer den in welchem Umfang auf fremde Marken (auch regional) in dieser Branche ausliefert. Könnte ja für den Verband durchaus interessant sein... Bei Interesse bitte PM :) Beste Grüße, Peter Herold

von Peter Herold, 23.03.11, 15:19
@MichaelKoenigs "Ich hätte gerne mal eine gefilterte Studie, wo die 3 generischen Domains von Unister aus vor gelassen wurden. Dann könnte ich mir nämlich vorstellen, dass sich das Verhältnis zu anderen Branchen drastisch geändert hat." Melde Dich doch diesbezüglich mal per Mail bei mir ;) Gruß, Peter

von Michael Koenigs, 23.03.11, 15:37
Die "schlampige Arbeit" beziehe ich noch nicht einmal auf die Erhebung der Studie selbst, sondern auf deren Deutung: "Unternehmen wie z.B. EXPEDIA.de, AB-IN-DE-URLAUB.de, REISEN.de, TRIVAGO.de geraten dadurch unter Druck und sollten die eigenen Marken besser schützen um dem damit verbundenen Trafficverlust vorzubeugen. " Welche Marke gilt es denn hierbei zu schützen: "reisen", "reisen.de" ... Wo ist hier die Marke? Es gibt auch die Domain pauschalreise.de. Darf ich bei meinen Adwords-Keywords nun das Wort "pauschalreise" nicht mehr benutzen? Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist auch das Autocomplete vom Google-Suchschlitz. Bei Eingabe von "reisen" erscheint an zweiter Stelle reisen.de. Impliziert die Auswahl dieses Begriffes direkt, dass der User zu reisen.de möchte? Eine gefilterte Studie wäre echt mal sehr interessant, aber ich glaube, die anderen Leser haben genauso ein Interesse daran wie ich. Vielleicht wäre eine Verlinkung hier dahin möglich. Interessant finde ich übrigens Ihren Satz: "Was bitte soll an unserer Aussage, dass die größte Steigerung bei diesen drei Begriffen stattgefunden hat falsch sein?" Warum benutzen Sie denn das Wort "Begriffe" und nicht das Wort "Marken"? Wäre nämlich eigentlich richtiger nach Ihrer Definition. Vielleicht selbst nicht so ganz davon überzeugt, dass es sich wirklich um Marken handelt? :-) Schönen Gruß zurück Michael

von Peter Herold, 23.03.11, 18:44
Hallo Michael, zuerst einmal zu Deinem letzten Punkt: Ich möchte und werde mich hier nicht auf eine juristische Deutung einlassen. Technisch ist und bleibt eine Marke ein Begriff, nach dem bei einer Suchanfrage gesucht wird - nichts sonst. Ein Begriff muss keine Marke sein, sondern es kann sich auch nur um ein "Kennzeichen", z.B. im Sinne eines langjährig geführten und bekannten Firmennamens sein. Aber das sollen die Juristen ausdiskutieren. Ich habe auch explizit von Marktteilnehmern und nicht von Markeninhabern gesprochen. Das ist aus juristischer Sicht ein eklatanter Unterschied. Wenn ich "reisen.de" als Suchanfrage eingebe, dann habe ich mir als Verbraucher ein Ziel gesetzt. Ich suche eben nicht nach "reisen" sondern nach dem Anbieter "reisen.de" - von dem ich vielleicht gerade einen Werbespot gesehen habe (der Geld gekostet hat!). Ob es sich deshalb um ein schützenswertes Gut im Sinne einer Marke handelt, mögen andere entscheiden. Auf jeden Fall gibt der Anbieter viel Geld dafür aus, seine "Brand" bekannt zu machen. Marke hin oder her. Du kannst grundsätzlich bei AdWords (fast) jedes Keyword verwenden. Ob das legal ist, sorry - das entscheide nicht ich. Nochmal - unsere Studie beinhaltet keinerlei Wertung. Fakt ist, dass der Gebotspreis für AdWords maßgeblich durch die Anzahl an Werbetreibenden unter einem Begriff bestimmt wird. Damit ist automatisch jeder Marktteilnehmer (jemand, der unter dem selben Begriff wirbt) eine Art Konkurrent. Zum Einen um den durchaus wertvollen Traffic, zum Anderen aber auch um einen möglichst fairen Gebotspreis. Was uns zu unserer Erhebung bringt: Wir messen die Auslieferungszeit unterschiedlicher Werbetreibender. Dabei kann ein Begriff (oder Marke) maximal 11 x 24h (bei Google) pro Tag Auslieferungszeit erzeugen, wenn alle 11 Werbepositionen durchgehend belegt sind. Gleichzeitig messen wir die Anzahl der unterschiedlichen Werbetreibenden auf Basis deren Websites. Wenn die von Dir angesprochene Firma 3 Websites betreibt, dann taucht sie auch dreimal in den Ergebnissen auf. Wir nehmen keine Zusammenfassung auf die hinter den Websites liegenden Firmen vor. Fakt ist, dass die Anzahl unterschiedlicher Websites in der Tourismusbranche von Januar: 346 unikale Anbieter (unterschiedliche Websites) auf Februar 642 unikale Anbieter (unterschiedliche Websites) hochgeschnellt ist. Das ist fast eine Verdopplung. Und wenn man die von Dir angesprochene Firma auswerten würde: Mit 3 Websites käme die Firma bei Buchung ALLER Markenbegriffe mit einer 24/7 Auslieferung auf 3/11 und damit auf 27% Anteil an der Gesamtgruppe. Dann müssten die aber IMMER auf Seite 1 ausgeliefert werden, was bei 84 Marktteilnehmern im Schnitt sehr unwahrscheinlich ist. Gemessen ist die Zahl deutlich kleiner als 27%, was bei dem durchschnittlichen Anstieg der Gesamtbranche nicht sonderlich ins Gewicht fällt. Daher weise ich die "schlampige Arbeit" nochmals entschieden zurück. Widersprichst Du in der Deutung, dass es in der Regel die Marken (oder Firmen-kennzeichen) sind, die die höchsten Conversions zu den niedrigsten Kosten bringen? Jedes Unternehmen, markenrechtlich eingetragen oder nicht, sollte sich darum bemühen, seine Marke (oder Begriff) möglichst sauber zu halten. Das senkt den CPC und bringt die höchsten Conversions. Wenn mehr Unternehmen auf meine Marke buchen, habe ich automatisch Trafficabfluss, und darauf bezog sich die Aussage. Zusätzlich habe ich noch einen gestiegenen CPC. Insoweit finde ich diesen freiwilligen Code of Conduct durchaus gut, auch wenn ich nicht glaube, dass alle ihn strikt einhalten ;) Aber das ist ein anderes Thema... Gruß Peter PS: Lies mein Posting in der IWB zum Thema Versicherungsbranche ;)

von Hans Extra, 23.03.11, 20:45
Lieber Michael Buller, ich dachte mir fast, dass travel24.com zu Unister gehört. Trotzdem finde ich es dreist. Wobei ich hier eigentlich eher Google den Vorwurf mache. Wie ja schon erwähnt wurde, verstößt Google auch gerne mal gegen seine eigenen Richtlinien (siehe mehrfache Schaltung von Anzeigen eines Unternehmens). Ich habe außerdem aus eigener leidvoller Sucherfahrung langsam den Verdacht, dass Google seine Algorithmen nicht mehr so ganz im Griff hat.

von saucer, 24.03.11, 09:27
Hallo zusammen, tatsächlich bin ich einer der "Bösen" - Als Affiliate und als Agentur biete ich schon seit einem Jahrzehnt auf Marken und Brand-Keywords, denn: der Erfolg ist unwahrscheinlich hoch! Wenn jemand nach "www.opodo.de" sucht, ich ihn auf meine Seite locke mit einem 10% Gutschein für den entsprechenden Shop habe ich eine Conversionsrate von durchaus 10%-15% - biete ich dem User eine Preisvergleichsseite ist die ConvR bei 5%-8%, biete ich ihm eine Wettbewerbsseite ohne preiswerten Vorteil komm ich jedoch nur auf 2% im Mittel. ...und mit 2% liegen Wettbewerb-Brands dann immer noch über allen anderen generischen Keywords. Kurzum: Wieso bietet man auf fremde Marken? Weil NICHTS besser funktioniert und weil der EuGH so dumm ist und das zugelassen hat und da hilft kein CoC und kein eigenes klicken unerwünschter Adwords - da hilft allein den EuGH mit Anträgen zu bombardieren. (sorry für das anonyme Posting, mein realer Name wäre für unsere Agentur und meinen Arbeitsplatz nicht sooo gut)

von Michael Koenigs, 24.03.11, 09:42
Hallo Peter, vielen, vielen Dank erst einmal für die sehr ausführliche, und zumindest für mich auch überaus interessante Ausführung. :-) Wie Du sicherlich jetzt schon gemerkt hast, ist dieses Thema bei uns innerhalb der Touristik ein sehr emotionales. Und wenn ich als bisher Nicht-Xamine-Kenner auf eure Seite gehe http://www.xamine.com/marketInsight.htm und überall lesen muss: Marktbericht FEBRUAR 2010 ("Hallo, 2011") dann ist mein allererster Eindruck, dass die ganze Studie für den "Guttenberg" ist. Ist eine Winzigkeit, hat bei mir aber viel Seriösität gekostet! ;-) Desweiteren werden für mich die Bezeichungen "Begriff", "Marke" und "Marktteilnehmer" für mich bei euch so durcheinandergemischt, als hätten sie für euch "rein technisch" gesehen, immer die gleiche Bedeutung. Für mich wäre aber im Idealfall: 1.) Suche nach "Schuhe": -> Suche Begriff 2.) Suche nach "schuhverkaeufer de" -> Suche nach Marktteilnehmer 3.) Suche nach "Adidas" -> Suche nach Marke Und Punkt 2.) und Punkt 3.) gleichzusetzen, sehe ich als falsch an. Was mich auch zu meiner letzten Frage bringt: Was ist für euch (oder auch allgemein gesehen) ein "Fremdwerbetreibender"? Auf der Suche nach diesem Begriff bei Google bin ich leider nur auf Verweise zu eurer Studie gestossen. Habt Ihr das Wort erfunden? :-) Also mal schnell bei Wikipedia vorbeigeschaut und leider weder das Wort "Fremdwerbetreibender" noch eine Definition für "Fremdwerbung" generell gefunden. :-( Also mein kleines bißchen Verstand angeschmissen und versucht zu überlegen, was es mit "Fremdwerbung" überhaupt auf sich hat. Müsste doch das Gegenteil von "Eigenwerbung" sein, oder? Eigenwerbung müsste doch sein, wenn ich für mich selbst irgendwo Werbung mache. Ist dann nicht Fremdwerbung, wenn ich für ein fremdes Unternehmen Werbung mache? Wenn ich also hier schreibe: "Lieber Peter, hol Dir mal bei Amazon das Buch von Al Ries 'Die 22 unumstößlichen Gebote des Branding' aus dem Jahre 2001." Betreibe ich dann nicht logisch betrachtet "Fremdwerbung"? @saucer Interessante Zahlen!!! :-) Aber auch wenn ich mich wiederhole: "Opodo" und damit auch "opodo.de" ist für mich eine geschütze Marke und weder "reisen" noch "reisen.de" als generische Domain sind für mich Marken, die vom Markeninhaber geschützt werden sollten! Und wie Du selbst schreibst, macht ihr das mit Absicht. Und die Studie von Xamine suggeriert, das diese Absicht auch bei den durchschnittlich 84 Marktteilnehmern besteht, die bei Eingabe von "reisen.de" erscheinen. Deswegen empfehle ich noch einmal den folgenden Artikel, wo gut aufgeschlüsselt wird, dass dem überhaupt nicht so ist: http://www.internetkapitaene.de/2011/03/22/brand-bidding-halb-so-wild/ Jetzt erst einmal Kaffee trinken! :-)

von Peter Herold, 24.03.11, 12:05
Hallo Michael, vielen Dank für Deine ausführliche Antwort. Genau weil es sich anscheinend um ein emotionales Thema handelt, möchte ich unsere Vorgehensweise so genau beleuchten wie irgend möglich. Das sollte einer sachlichen Diskussion zuträglich sein. Ansonsten Danke für Deinen Hinweis bezüglich 2010 vs. 2011. In diesem Punkt hast Du völlig Recht, das war ein Fehler auf unserer Website. Das ist nicht zu entschuldigen, aber wo Menschen arbeiten, passieren leider auch mal menschliche Fehler. Das es eine Kleinigkeit ist, sehe ich auch so, trotzdem gibt es eben einen faden Beigeschmack. Der liebe Frhr. zu Guttenberg wird in diesem Zusammenhang leider viel zu oft falsch zitiert, da er PLAGIATE gemacht hat (also abgeschrieben). Wir erfassen zumindest unsere Ergebnisse selbst und werten diese auch selbst aus. Aber jetzt zu den eigentlichen Themen. Zum besseren Verständnis ein Clip aus einem Thread im SEO-United Board: derA1: "Es ist doch gut, dass so auch neue Marktteilnehmer die Chance haben gegen etablierte Marken anzutreten ohne Millionen Euro und Jahre in Markenaufbau investitieren zu müssen. Die Marken-Image-Inhaber müssen sich halt dann mehr anstrengen, um ihre Position zu halten. Mehr Wettbewerb – find ich gut!" Mein Kommentar dazu: Peter Herold "@derA1 Du hast aber schon berücksichtigt, dass die etablierten Marken eben genau diese Millionen Euro und Jahre in den Markenaufbau investiert haben, oder? Und dann kommt da ein “neuer Marktteilnehmer” und bedient sich einfach an den Früchten dieser Arbeit. Sorry, rechtmäßig oder nicht – ich finde das dreist." Das kann man jetzt lange philosophisch diskutieren. Fakt für mich ist, dass jeder, der unter einem Begriff (das kann Marke, Unternehmenskennzeichnung oder ähnliches sein, selbst generische Begriffe schieße ich hier nicht aus) Werbung schaltet (oder besser: unter den Begriffen ausgeliefert wird) ein Marktteilnehmer oder noch klarer, ein Konkurrent ist. Ob ein Begriff "schützenswert" ist oder nicht, das sollen andere entscheiden. Für mich ist ein Unternehmenskennzeichen wie z.B. reise.de - unabhängig von der Ausrichtung des jeweiligen Anbieters - schon schützenswert, da diese Firmen viel Geld z.B. in Werbespots investieren und damit eine übergeordnete Bekanntheit haben. Das ist nur meine persönliche Meinung, und mir ist klar, dass ich damit nicht für alle sprechen kann. Ich stimme aber Deinen Punkten 1-3 zumindest in der grundsätzlichen Definition zu. Trotzdem sehe ich eine gewisse nähe zwischen Adidas und von mir aus schuhverkäufer.de - wenn beide für Ihren Markenaufbau (im Falle einer fehlenden Marke: Ihren Bekanntheitsgrad) viel Zeit und Geld investieren. Ich setzte sie damit nicht gleich, jedoch sind die Auswirkungen aus kommerzieller Sicht für Beide gleich tragisch. Zum Thema Fremdwerbetreibende: *rofl* nein, ich wusste nicht, dass wir den Begriff "erfunden" haben sollen:) Aber es gibt zumindest von unserer Seite eine klare Definition unter Berücksichtigung des oben stehenden Absatzes. Unter Marken oder markenähnlichen Begriffen zählen wir den Markeninhaber (oder Inhaber eines Kennzeichens) als "Eigenen Werbetreibenden". Er hat ein berechtigtes Interesse, unter diesem Begriff / diesen Begriffen eigene Werbung zu schalten. Korrekterweise sind dann diejenigen, die nicht der Inhaber der Marke (oder eines Kennzeichens) sind, Fremdwerbetreibende. Natürlich kann man das auch wie Du sehen, dass Du Fremdwerbetreibender bist, wenn Du für ein fremdes Unternehmen Werbung machst. Deshalb ist es so wichtig, Aussagen so klar wie möglich zu definieren. Jetzt haben wir zumindest den Unterschied zwischen "Fremdwerbetreibenden" (Xamine) und "Fremdwerbetreibenden" (Michael) einmal skizziert. Zu dem von Dir angegebenen Artikel siehe auch mein Kommentar im Blog der Internet-Kapitäne... Gruß, Peter

von Reiseforum, 24.03.11, 16:10
Welche zwei der Top- 5-Reiseportale haben die Selbstverpflichtung unterschrieben?

von Horst, 24.03.11, 16:51
Die Anbieter, die sich mit generischen URL's, Begriffen etc. den entsprechenden Vorteil in der Vergangenheit verschafft haben, sollen nun im Umkehrschluss vor allen anderen "echten" Marken geschützt werden? Sicher, was genau ist eine Marke? Kunstwort, Name, Logo etc. Vielleicht wird es so transparent: "Jetzt möchte ich gerne reisen, mal ab in den Urlaub und überlege, wo es die billigsten Flüge gibt und ob ich eine Versicherung benötige, wie viel Geld ich mitnehme und ob ich eine Hotelreservierung vor Ort mache oder lieber vorher? Brauche ich noch einen Kredit und sollte ich nicht lieber das Auto nehmen? Aber im Urlaub freue ich mich auf shopping!" So, jetzt mal die Marken raussuchen - bitte hinter die richtigen Wörter in dieser kurzen Überlegung ".de" setzen. Wem es zu lange dauert, es sind 10 Marken enthalten. Marken, im Sinne von xamine (und natürlich dem URL-Inhaber). Die Studie sollte überarbeitet werden und genau um die "generic brands" (so nenne ich sie mal) bereinigt. Das ist eben der Fluch und Segen von generic brands - sie werden viel gesucht, taugen aber wenig für einen Markenschutz. Und jeder Marktbegleiter hat das Recht, diese "Marken" als Suchbegriffe einzubuchen. Die scharfe Trennung mit/ohne .de ist im SEA nicht möglich. Beim Keyword Urlaub erscheinen diverse Anbieter, aidu ebenfalls. Bei urlaub.de (eine Site von TC) sollte man doch annehmen, dass keiner anderer darauf bieten darf. Weit gefehlt...

von Michael Koenigs, 24.03.11, 17:19
@Horst Kleines Beispiel zu Deiner Frage bezgl. Marken: Wenn jemand auf dem Nachhauseweg an einem Supermarkt anhält, um ein Brot und einen Liter Milch zu kaufen, nimmt er letztendlich zwei Markenprodukte mit nach Hause. Trotzdem ist es möglich, daß Markenpräferenzen nur eine geringe oder gar keine Rolle im Bewußtsein des Kunden spielen. Milch ist für ihn Milch, und Brot ist Brot. Derselbe Kunde könnte ausserdem noch einen Sechserpack Bier und eine Stange Zigaretten kaufen. Höchstwahrscheinlich nimmt er jetzt eine bestimmte Biermarke und eine bestimmte Zigarettenmarke aus dem Regal. Laut Lehrbuch unterscheiden sich Bier und Zigaretten von Milch und Brot. Erstere sind Markenartikel, letztere Massenartikel. Und für mich ist eine generische Domain ganz klar ein Massenartikel, da das Alleinstellungsmerkmal fehlt, daß dem Kunden im Gedächtnis haften bleibt. Selbst Peter hat in seiner letzten Ausführung auf einmal von "reise.de" gesprochen, obwohl ja von "reisen.de" die Rede war und ist. Soviel dann zu den Millionen Werbebudget, und was sie genützt haben! :-) Ansonsten gebe ich Dir aber vollkommen recht! :-) @Peter Die Anspielung auf Guttenberg bezog sich nicht auf Plagiate an sich, sondern mehr auf "Copy & Paste" für den Einleitungstext. :-)

von Heiko Eckert (LBi/Bigmouthmedia), 25.03.11, 09:56
Schönen guten Morgen zusammen, um jetzt noch ein wenig Spass in die Diskussion einzubringen: Ich bin bereit zu wetten dass der EuGH bis zum 1.1.2011 nicht nur überdenkt sondern drastisch ändern wird. Vorher wird schwierig da das große Herbst/Winter-Urlaubs-Loch vermutlich zur Diskussion genutzt werden wird. Wettet jemand dagegen? Wetteinsätze? :) Viele Grüße und einen ruhigen Freitag! Heiko Eckert (der übrigens stolz ist für den EuGH in dieser Hinsicht mittelbar als Berater tätig gewesen zu sein)

von Michael Koenigs, 25.03.11, 10:04
Also ich wette dagegen! Kasten Bier? :-) Ach so, Du weisst aber schon, dass der 1.1.2011 vorbei ist? :-) Aber Du hast die Wette sooo vorgeschlagen! Adresse geb ich Dir gern per Mail!!! Besten Gruß Michael

von Heiko Eckert (LBi/Bigmouthmedia), 25.03.11, 10:06
Verdammt. Ich plädiere auf freudsche Fehlleistung! Ich habe einen Intel-Prozessor und der hat Probleme mit dem Datum! ..hmpf.. Okay, als Finder spendiere ich einen Kasten Bier, allerdings abzuholen in München :)

von Michael Buller, 25.03.11, 11:30
@souce Ich hoffe sie Wissen das es auch neben dem Markenrecht ein Wettberwerbsrecht gibt.....und ich denke nach dem bekommen Sie Ärger. Ob eine Seriöse Agentur so etwas überhaupt machen sollten....das steht auf einem anderen Blatt!

von Peter Herold, 29.03.11, 16:24
@saucer: Sorry, hab ich das jetzt so richtig verstanden? Du traust Dich nicht REAL in die Öffentlichkeit, weil "mein Name für unsere Agentur und meinen Arbeitsplatz nicht sooo gut" wäre? Hab ich das echt richtig verstanden? Du weisst, dass Du etwas "falsches" oder "böses" (im Sinne "ungewollt") machst und brüstest Dich hier auch noch damit? WOW! Anyway muss man Dir in dem Fall sogar noch dankbar sein, dass Du die Wahrheit geposted hast - nämlich dass BrandBidding erfolgreich ist. Das wird ja in anderen Foren heftigst bestritten. Wenn man sich ansieht von wem, versteht man das auch. Es sind nämlich genau die Leute, die aktives BrandBidding betreiben (man will sich ja nicht die Konkurrenz hochziehen). Wenn Du selbst scheinbar bei einer (professionellen?) Agentur arbeitest und privat dabei ein graues (wenn nicht sogar schwarzes) Schaf bist, ist es für mich eher eine ethische Frage. Würdest Du das "nur" privat machen, wärest Du halt ein weiterer BrandBidder, aber so? Ich weiss ja nicht... Viel Spass, wenn Dein Arbeitgeber das rausfindet. Den Rest dazu hat Dir Herr Buller bereits mitgeteilt. Es fehlt nur noch der Hinweis auf das Vertragsrecht, wenn Du das als offizieller Affiliate machst. @Heiko: Ich wette zwar NICHT gegen Dich (auch wenn Du verlieren würdest :)), aber wenn Du Zeit und Lust hast, komm doch mal vorbei. Wir sind umgezogen (siehe Homepage). Vis-a-vis können wir gerne auf ein Bierchen gehen :) Gruß, Peter

von Peter Herold, 29.03.11, 17:31
@Michael: Nachdem Du Dich schon auf Typos beziehst -> ja, das kann auch mir in der Eile mal passieren. Es sollte "reisen.de" heissen. Sachliche Argumente wären für die Diskussion echt hilfreicher als Polemik. Liess mal im Markenrecht nach. Es gibt dort eben nicht nur eingetragene Marken, sondern auch Unternehmenskennzeichnungen, die durch den täglichen Gebrauch und eine übergeordnete Bekanntheit einer Marke gleichgestellt sind. Letztlich entscheidest (Gott sei Dank!) weder Du noch ich, wie das Markenrecht hier auszulegen ist. Herr Buller hat es auf den Punkt gebracht: Es gibt nicht nur das Markenrecht, sondern auch das Wettbewerbsrecht und das Vertragsrecht, die hier eine Rolle spielen. Viel Spass dabei, wenn Du Deine Meinung zu dem Thema juristisch durchsetzen willst :) Im übrigen frage ich mich, wo Du im Einleitungstext ein "Copy & Paste" siehst. Aber man kann natürlich alles breittreten und zerreden :) Gruß, Peter

von Peter Herold, 29.03.11, 17:58
@Michael: Warum bist Du in Deiner Antwort an Horst sicher, dass Bier und Zigaretten nicht mit Brot und Milch vergleichbar sind? Du setzt ja die Theorie voraus, dass bei Brot und Milch die Markenpräferenz eine untergeordnete Rolle spielt. Warum soll das - in der Theorie - bei Bier und Zigaretten anders zu werten sein? Ich finde sicherlich Beispiele, bei denen echte Kunden auch Bier und Zigaretten als Massenartikel sehen. Verstehe mich bitte nicht falsch, ich bin durchaus Deiner Ansicht, dass bei Bier und Zigaretten wahrscheinlich eher zu Marken gegriffen wird. Aber so allgemeingültig kann und will ich diese These nicht stehen lassen. Wo ich überhaupt nicht mit Dir konform gehe ich Deine Meinung zu generischen Domainnamen - da hast Du schlichtweg nicht Recht. Siehe dazu bitte auch meine letzten Postings. Gruß, Peter PS: Kannst Du mir das zitierte Lehrbuch empfehlen? Ich lerne gerne dazu :)

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