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Vorsicht beim Siegesgeheul über den Lufthansa-DCC

Im Gezerre um den GDS-Aufschlag (DCC) der Lufthansa hoffen die Kontrahenten der Airline auf Buchungseinbrüche. Doch sind entsprechende Nachrichten nur mit Vorsicht zu genießen.

von Georg Jegminat, 28.09.2015, 17:45 Uhr

Es steht viel auf dem Spiel. Lufthansa will sich durch den Preisaufschlag für GDS-Buchungen (16 Euro) mehrere Hundert Millionen Euro Vertriebskosten entledigen. Damit will sie die Direktbuchungen fördern. Man werde die Buchungen umsteuern, schallte es von Reisebüros und TMCs zurück. Seit dem 1. September wird die DCC nun erhoben und die Lufthansa-Kontrahenten suchen nach der Buchungsdelle.

Eine Meldung aus den USA mit Bezug auf ein vertrauliches Papier des GDS-Betreibers Sabre nährt nun die Hoffnungen. Während die Europa-Buchungen in der ersten September-Hälfte um 1,4 Prozent gewachsen sind, habe es 16,1 Prozent weniger Reservierungen für Flüge der Lufthansa-Airlines gegeben. Auch aus dem Amadeus-Umfeld in Europa werden Gerüchte kolportiert, die Lufthansa-Buchungen gingen zurück.

Ob Lufthansa aber tatsächlich unter Druck gerät, ist daraus nicht abzulesen. Schließlich fiel ein Pilotenstreik in die Zeit. Darüber hinaus könnten sich Buchungsströme tatsächlich auf jeweils andere Reservierungssysteme und Direktkanäle verlagern. So gibt es schon eine Reihe von Reiseunternehmen mit Schnittstelle zu Farelogix. Der IT-Provider bietet einen DCC-befreiten Buchungskanal.

Vermutlich werden viele Buchungen zudem über Partner-Airlines von Lufthansa vorgenommen. Mit United, Air Canada und der japanischen ANA betreibt Lufthansa sogenannte Joint Ventures. Man kann also beispielsweise ein LH-Flug auf einem United-Ticket buchen. Damit erspart sich ein Reisebüro zwar die 16 Euro, doch der Passagier fliegt trotzdem im LH-Jet. Also wird man vorerst auch aus den Passagierzahlen der Lufthansa-Gruppe nicht einwandfrei auf einen Buchungsrückgang schließen können.

Um die DCC-Gegner nicht noch zu ermutigen, dürfte Lufthansa auch noch mit Preisaktionen den Ticketvertrieb pushen.

Wenn der Ticketverkauf nicht erheblich einbricht, wird man also kaum zweifelsfrei schließen können, dass Reisebüros, OTAs, TMCs und Firmenkunden wirklich umsteuern. Jede Erfolgsmeldung aus dem DCC-Widerstand ist folglich mit mehreren Fragezeichen zu versehen.

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