Cockpit

Lufthansa, Eurowings und die große Flasche

Champagner, ein edles Getränk, dazu aus einer besonders großen Flasche – das ist ein Kontrapunkt im Eurowings-Werbespot. Doch in der manipulierten Satire-Version des Spots wird er zum Höhepunkt.

von Georg Jegminat, 08.02.2016, 09:37 Uhr



Beim Lufthansa-Vorstand liegen die Nerven blank. Denn der Start der Langstreckenflüge hat sich als Desaster erwiesen. Reparaturanfällige Jets, ein zu ambitionierter Flugplan, Engpässe beim Cockpit-Personal gehören zu den Gründen. Es gibt also genügend Ansätze für Kritik, sogar für Häme. Irgendjemand hat sich das Vergnügen gemacht, den Werbespot der Airline zu kapern und mit neuem, satirischen Text zu versehen.


„Wir zeigen Ihnen, wie wir unseren Kunden gern die Auslagerung von Arbeitsplätzen verkaufen würden“, heißt es zu Beginn der Spots, untermalt mit der heroisch klingenden Musik des Originals. Es drängt sich der Gedanke auf, dass ein Lufthansa-Pilot, zumindest aber ein mit den Piloten sympathisierender Mensch, den Spot manipuliert hat. Er wird die im Lufthansa-Vorstand feststellbare Manie verstärken, dass alle schlechten Nachrichten von den Flugzeugführern gestreut werden, selbst wenn es nicht stimmt. (Es gibt auch andere Mitarbeitergruppen, die fürchten, dass dem Vorstand die komplizierte Flugbetriebsorganisation entgleitet.)


Im Originalspot spitzt sich die selbstironisch gemeinte Werbung für Eurowings zu in der Präsentation der Champagner-Flasche. Es ist der Kontrapunkt zum wirklichen Anspruch, den die Airline an sich stellt. Denn sie will die Passagiere möglichst billig und ohne Schnickschnack an ihr Urlaubsziel bringen. Der Satire-Spot nimmt die Vorlage auf und gießt nicht nur Häme aus über die Verspätungen: „Wir wollen Sie (die Passagiere) lieber vergraulen mit 68-stündigen Verspätungen, die Sie wirklich Nerven kosten.“ Der Autor der Satire nimmt Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr direkt aufs Korn. In dem Spot nennt die Stewardess die große Flasche nicht „Magnum“ sondern „Carsten“. Besser lässt sich das zerrüttete Verhältnis zwischen den Flugzeugführern und dem Vorstand nicht darstellen. Der Spot wird diese Kluft noch vertiefen.

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