Brähmig

Der Politiker als Politikum

Urlaub in Deutschland ist eine feine Sache. Ethisch und ökologisch wertvolle Reisen sind aller Unterstützung wert. Dass Klaus Brähmig, Vorsitzender des Tourismus-Ausschusses im Bundestag, aber alle anderen Urlaubsformen mit Füßen tritt, ist ein handfester Skandal.

von Dirk Rogl, 19.03.2012, 14:33 Uhr

Es ist so weit: Die Touristik hat einen handfesten Politik-Skandal, ausgelöst vom CDU-Politiker Klaus Brähmig, dem Vorsitzenden des Tourismus-Ausschusses im Deutschen Bundestag und von einer gezielt ausgespielten Indiskretion des Tourimus-Professors Karl Born, der in seinem Blog aus einer Mail des wissenschaftlichen Mitarbeiters Brähmigs, Gregor Strabel, zitiert. Als ein "willen- und kritikloses Sprachrohr der sonnengebräunten Drückerkolonne im Einreiher, die auf der ITB nur Reisen verkaufen will und dabei jede Nachfrage zum Thema Ethik scheut", wird der durchaus streibare Tourismus-Professor nach eigenen Aussagen dort beschimpft. Wer austeilt, und das tut Born für sein Leben gern, muss auch einstecken können. Aber ohne Frage: Born ist wahrlich nicht kritiklos. Und der Rest dieser Behauptung ist schlichtweg haltlos und eine bodenlose Frechheit.

Es ist die bereits dritte verbale Entgleisungs Brähmigs binnen Jahresfrist. Und es ist definitiv eine zu viel. Im vergangenen Jahr hatte der Bundespolitiker davon abgeraten, "Sonnenbäder in Diktaturen ohne ethische Verantwortung zu machen" (O-Ton) zu machen. Was davon zu halten ist, steht im fvw-Blog vom 17. Juli. Herzlich wenig, und zwar im Sinne der Völkerverständigung. Zur ITB brüskierte er das Partnerland Ägypten und riet öffentlich ab vom Urlaub am Nil. Das ist extrem harter Tobak für einen Politiker, der sich der freien Marktwirtschaft verschrieben hat. Brähmigs Vorliebe a. für Heimaturlaub und b. für ethisch und ökologisch konforme Reiseformen ist aller Ehren Wert. Diese Trends sind auch in der kommerzielllen Reiseindustrie zunehmend sichtbar, wenn man sich denn mit ihr beschäftigt. Das ist im Falle Brähmigs zumindest nicht direkt erkennbar.

Die E-Mail an Karl Born ist nun das I-Tüpfelchen der verbalen Entgleisungen. Es ist nicht ganz auszuschließen, dass Born die harschen Worte geradezu provoziert hat. Noch hat der CDU-Politiker keine Gelegenheit zur Stellungnahme gehabt. Wir von der fvw werden das natürlich nachholen. Von einem kurzfristigen Blackout des mit vollen Zugriffsrechen auf die Brähmig-Mailbox ausgestatteten Referenten bis hin zu einem bis dato nicht bekannten Auslöser für die unhaltbaren Worte ist so einiges denkbar. Gut möglich aber wäre auch, dass Brähmig und sein Vorzimmer exakt so denken wie oben zitiert. Das wäre dann nicht hinnehmbar.

Ganz wichtig sind nun zwei Dinge: Erstens eine zeitnahe Klarstellung und vermutlich auch Entschuldigung Klaus Brähmigs, wie auch von DRV-Präsident Jürgen Büchy gefordert. Und zweitens mehr Dialog und Verständnis zwischen dem Tourismus-Ausschuss und der Reiseindustrie. Jenes Gremium hat übrigens 18 Mitglieder und wählt, trotz des vorhandenen Proporzzwangs bei der Verteilung der Vorsitze aller 22 ständigen Bundestagsausschüsse, den Vorsitzenden aus seiner Mitte heraus. Die Touristik ist in dieser Legislaturperiode ein Thema für einen CDU-Vorsitzenden. Leider muss man sagen: "leider".

UPDATE: 17.49 Uhr

Nach einem längeren Telefonat mit dem Brähmig-Referenten Gregor Strabel erscheint der Fall in einem anderen Licht. Karl Born hat hier sehr pointiert eine Aussage aus einem längeren Schriftverkehr ausgewählt. In der gleichen Mail an ihn finden sich viele erklärende Worte und die Aussage - journalistisch sehr relevant - dass Strabel nicht im Auftrag Klaus Brähmigs schreibt. Zitat Strabel (aus der Mailbox Brähmig vom 13. März, 3.44 Uhr):

Hintergründe und eine Einordnung lesen Sie in Kürze auf fvw.de.

Kommentare

von Andreas Schulte, 19.03.12, 15:25
Der eigentliche Skandal ist die Tatsache, dass Typen wie Brähmig überhaupt im BT sitzen und dann auch noch Vorsitzender eines Ausschusses werden kann, von dessen Thema er erkennbar keine Ahnung hat.

von Alexander Schulten, 19.03.12, 15:45
Es stimmt, Dirk, es handelt sich um einen handfesten Politik-Skandal! Egal wie das Zitat zustande gekommen ist, wer wen eventuell provoziert hat, eine solche verbale Entgleisung ist nicht hinnehmbar, egal von wem. Am wenigsten aber sicherlich von dem Herrn, der im Bundestag für unsere Branche zuständig ist. Und wenn er Professor Born als willen- und kritiklos bezeichnet, hat er offenbar noch nie die BBB gelesen. Herr Brähmig demontiert sich zusehens selbst. Normal sollte man denken, dass er nach dem Fauxpas pünktlich zur ITB nun versucht, die Wogen zu glätten, aber das Gegenteil ist der Fall. Ein Politiker in der Position sollte über den Dingen stehen und mit Argumenten arbeiten statt auf Stammtischniveau mit übelster Polemik um sich zu schießen. Schade, Herr Brähmig!

von Martin Fuchs, 19.03.12, 16:05
Diese Verunglimpfung der gesamten Branche ist eine bodenlose Frechheit. Da wundert es nicht, dass die Reisebranche keine Lobby bei der Politik hat und ständig neuen Belastungen ausgesetzt wird. Andere Branchen bekommen in Krisenzeiten eine Abwrackpräme und schreiben inzwischen wieder Rekordergebnisse. Die Reisebranche bekommt eine Luftverkehrsabgabe, Emmissionshandel, ständig höhere Gebühren, Bettensteuern etc.

von Skeptiker, 19.03.12, 16:30
Ach Herr Brähmig, was geben Sie sich denn mit einem Land ab, das wirtschaftlich am Boden liegt, auf der Suche nach politischer Stabilität und von uns sowieso abhängiger ist als wir von ihm? Das ist einem Mann Ihrer Statur doch nicht würdig. Wenn Sie nach Zielen (Doppelsinn!) suchen, deren Rechtssysteme fragwürdig sind, deren Wahlergebnisse bisweilen etwas undurchsichtig zustandezukommen scheinen, die Protestdemonstrationen routinemäßig auseinanderprügeln lassen und die Bürger- und Menschenrechtsrechtsverletzungen nicht nur nicht abstreiten, sondern als offizielle Politik betreiben, dann würden mir aber ein paar deutlich prominentere Länder einfallen als gerade das wehrlose Ägypten! Aufs Podest und mutig das Wort ergriffen, Herr Brähmig! Nur Männer Ihres Formats können all diese Unrechtsregime noch zur Umkehr bewegen! Und überhaupt, warum nur kleinmütig freiwillige Reiseboykotte fordern? Zur Tat, Mann!

von Tony Böhmer, 19.03.12, 16:33
Man könnte sehr viel zu dem Thema sagen...Die Tourismusbranche hatte nie eine echte Lobby bei der Politik ( siehe Pharma, Automobile), war finanziell nie stark genug, um auch bei der Gesetzgebung mitzugestalten ( siehe Banken) und ein Herr Brähmig (wer kannte ihn vorher? ) steht nun im Rampenlicht der Branche! Dieses "Aushängeschild" der Politik in Deutschland sollte für eine Riesenbranche stehen, die Hundertausende beschäftigt! Nicht nur Herr Borm und Herr Büchy sollten ihm "auf die Palme" steigen, sondern der BT-Ausschuß sollte sich schleunigst neu formieren!

von Skeptiker, 19.03.12, 16:34
.... was nicht heißt, dass ich den Ägyptern das alles unterstellen würde. Ich sagte ja schon, dass mir da zuerst andere Länder in den Sinn kämen. Bitte um Entschuldigung für nicht-nochmal-durchgelesenes Abschicken.

von Jürgen Drensek, 19.03.12, 16:43
Kleine Ergänzung: der Schmähbrief von Brähmigs Büroleiter Strabel ging nicht nur an Karl Born, sondern auch an mich. Und ebenso wie Born wurde auch ich heftig angegangen und als Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten in meiner fachlichen Kompetenz in Frage gestellt... Aber sei es drum: Karl und ich teilen in unseren akustischen Bissigen Bemerkungen aus, und müssen auch einstecken können. Viel schlimmer sind allerdings die Versuche aus dem Hause B., so zu tun, als seien seine Äußerungen zu Ägypten von Medien verbreitet worden, obwohl es tatsächlich gar kein Gespräch gegeben hätte. Dies wird im Reiseradio klar widerlegt. Und was wg. der Aufregung um Ägypten viel zu kurz kam: wir dokumentieren den Wortlaut seiner autorisierten (!) Aussage zu den Malediven. Die ist noch viel härterer Tobak. Alles - trotzdem - sehr amüsant nachzuhören unter www.reiseradio.org

von Andreas Schulte, 19.03.12, 16:59
Mail an karl.braehmig@bundestag.de Hallo, „Sind Sie ein willen- und kritikloses Sprachrohr der sonnengebräunten Drückerkolonne im Einreiher, die auf der ITB nur Reisen verkaufen will und dabei jede Nachfrage zum Thema Ethik scheut, da das ja nur die Gewinne drückt?“ Wie definieren Sie eigentlich Ethik – Herr Brähmig ? Gehört bei Ihnen die verbale Herabwürdigung und Diskriminierung anderer Menschen zu einem sittlichen (ethischen) Verhalten eines Menschen ? Ist es bei Ihrer Definition von Ethik ethisch, Bürger und Steuerzahler dieser Landes zu beschimpfen ?

von frank m, 19.03.12, 17:23
Ich würde gerne einmal mit Herrn Brähmig tauschen. Nicht nur die Arbeit, auch das Gehalt und den abgesicherten Rentenbereich

von Michael Buller, 19.03.12, 17:40
Eigentlich kann man Herrn Brähmig nur empfehlen.....gehen sie in die Länder mal reisen ....denn Reisen bildet.... und das scheint ihm abhanden gekommen zu sein!

von Martin Pundt, 19.03.12, 18:07
Noch letzte Woche hatte ich angesichts einer Presse-Meldung gehofft, dass Herr Brähmig sein Amt aufgeben und zur Air Berlin wechseln werde - schließlich war der Titel eigentlich unmissverständlich: "Mehdorn will 2012 die schwarze Null". Aber immerhin muss man ihm zugestehen, dass er - anders als Wulff - über jeden Vorwurf, zu sehr mit der Wirtschaft zu klüngeln, spätestens jetzt zweifelsfrei erhaben ist. Und in die Gefahr, von einem Unternehmer zu einem Urlaub eingeladen zu werden, kommt er sicher auch nicht mehr... Ist das ein sachlicher, konstruktiver, de-eskalierender Kommentar? Ganz sicher nicht. Hätten Herr Brähmig und/oder Herr Strabel eine sachliche Auseinandersetzung mit ihrer abstrusen branchenfeindlichen einseitigen Polemik verdient? Ganz sicher auch nicht.

von Karl Born, 19.03.12, 22:55
Da verstehe ich Dirk Rogl nicht. Bevor er nach einem Gespäch mit Brähmig schreibt "doch kein Skandal" wäre es fair gewesen mich mal anzurufen. Ich bin zur Zeit im Ausland und konnte nicht zeitnah reagieren. Zur Sache: Die Einlassung von Brähmig und Strabel ist doch ein Witz. Erstens wird der Eindruck erweckt man müsse die ganze Email kennen um den von mir monierten Satz zu verstehen. Entschuldigung, ich habe diesen Satz nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Er bleibt genauso stehen wie von mir beschrieben. Nächster Punkt: Strabel schreibt in seiner Mail "ich hatte nicht den Auftrag Ihnen zu schreiben". Und damit ist alles gut? Er hat diesen Mist unter dem Account "Klaus.Braehmig@bundestag.de" geschrieben. Das ist die hochoffizielle Email-Adresse von Brähmig. Etwas anderes habe ich nicht behauptet. Und jetzt ist Brähmig gefordert sich davon zu distanzieren oder es bleibt ihm angerechnet. Ich möchte mal wissen, was im Hause fvw los wäre, wenn Rogl vergleichbares unter dem Account von Frau Niedecken geschrieben hätte. Ich kann überhaupt nicht verstehen warum Rogl nach diesem schwachen Ablenkungsmanöver von Brähmig gleich einknickt. Und was meine Kritikfähigkeit betrifft, glaubt jemand dass nach über 500 BBBs es keine Kritik der Betroffenen gegeben hat. Wöhrl hat z.b. schon zweimal längere Mails geschickt. Bin ich in den 10 Jahren auch nur einmal vergleichbar in die Öffentlichkeit getreten? Karl Born

von Jürgen Drensek, 19.03.12, 23:44
wow! Lieber Dirk Rogl, hochverehrter Fachjournalist des Jahres :-) Das ist allerdings bemerkenswert, dass sich der "Fall" für dich in einem "anderen Licht" darstellt, nachdem du das Vergnügen (?) hattest, mit Herrn Strabel zu telefonieren. Wieso bitte ist es plötzlich für dich "journalistisch sehr relevant", dass Herr Strabel behauptet, nicht im Auftrag seines Arbeitgebers, Herrn Brähmig, diese dir nun anscheinend auch in Gänze vorliegende, corpus-delicti Mail geschrieben zu haben...? Wurde jemals das Gegenteil behauptend festgestellt? Was Karl Born und ich im Reiseradio ausführlich darstellen, und was Jürgen Büchy mit großer Berechtigung anprangert, ist der unstrittig vom Büroleiter des Herrn Brähmig (mit oder ohne dessen ausdrücklichen Auftrag) geschriebene skandalöse, schon viel zu oft zitierte "Sonnenbankgebräunte Drückerkolonne" Satz. Der steht schwarz auf weiß im Raum. Absolut unstrittig. Und die fast schon volksverhetzende Aussage von Herrn Brähmig (dieses Mal er persönlich und schriftlich von ihm autorisiert) zum "zivilisierten" Christentum contra der islamisch geprägten Bevölkerung der Malediven gegenüber dem Springer-Kollegen Kammholz ist ebenfalls unstrittig. Beide Zitate stammen vom selben Mailaccount - und nicht, wie bei anderen Abgeordneten (auch des Tourismus-Ausschusses) absolut üblich, durch unterschiedliche Absender-Kennung eindeutig zuzuordnen zu Abgeordneten-Mitarbeitern. Diese Vorgänge rund um den Vorsitzenden des Tourismus-Ausschusses des Deutschen Bundestages öffentlich zu machen, gebietet die journalistische Verantwortung. Ob nun des Reiseradios oder der fvw. Herr Strabel mag der Autor des Drückerkolonnen-Satzes sein, Herr Brähmig ist eindeutig der Autor des Malediven-Ziates (und der Ägypten-Aussage) - beide Vorgänge liegen auf jeden Fall in seiner Verantwortung. Und die muss er nun beweisen. Nun bin ich wirklich gespannt, wie meine hochverehrten fvw-Kolleg(inn)en Hintergründe und Einordnung neu sortieren werden :-)

von Dirk Rogl, 20.03.12, 09:18
Lieber Herr Born, lieber Jürgen, Danke, dass Sie sich der Diskussion stellen. Ich persönlich möchte Sie gern an dieser Stelle möglichst kurz halten, denn das Meiste scheint mir gesagt. Hier hat sich ein Parlaments-Mitarbeiter sichtlich im Ton vergriffen. Allerdings nicht nur er. Wie dieser Streit ausgeht, liegt allein an Ihnen Dreien. Die komplette Reisebranche taugt in dieser als persönlich gekennzeichneten Mail nicht als Kronzeuge, geschweige denn als Betroffener. Ihr Text, lieber Herr Born, pointiert – um es freundlich zu sagen. Nehmen wir die Überschrift. "Wie Brähmig und Co. wirklich über die Touristik denken." In diesem Fall hat Brähmig nachweislich nicht gedacht. Er war ganz klar nicht beteiligt. Und Sie wussten das. Ihr Ärger über dessen Vorzimmer ist verständlich und berechtigt. Mehr aber auch nicht. Ich rate deshalb zu Frieden. Einen sonnigen Tag Ihnen allen.

von Jürgen Drensek, 20.03.12, 10:05
Lieber Dirk, dir natürlich auch einen sonnigen Tag :-) Aber mit allem freundschaftlichen Respekt...: ich glaube, du machst es dir zu einfach, wenn du die Causa "Drückerkolonne" als eine persönliche Dreiecks-Geschichte zwischen Karl Born, Gregor Strabel und mir als beteiligten Journalisten quasi in publizistische Quarantäne schicken möchtest :-) Denn wir haben doch eine gewisse Parallelität mit der Diekmann-Mailbox (auch wenn es mir fern liegt, hier qualitative Vergleiche ziehen zu wollen) Nicht nur Karl Born war Adressat der Strabel-Mail, sondern ich auch ganz persönlich. Wie muss ich als Journalist mit so einer Mail umgehen, die eine Haltung und Meinung eines Büroleiters und oft selbst so stilisierten Bruder-im Geiste des Tourismus-Ausschuss-Vorsitzenden offenbart, und die für die Tourismusbranche (die sein Arbeitgeber ja politisch vertreten soll) so desavouierend ist...? Wie gesagt, es geht nicht um einen Praktikanten, der hier ungeschickt Mist gebaut hat. Es ist der Büroleiter und engste wissenschaftliche Mitarbeiter, der mit Brähmig die politischen Leitlinien erarbeitet und seine Reden und Äußerungen mitentwirft.. Und der sehr bewusst für seine Mail den Account seines Arbeitgebers kapert, und nicht etwa seinen privaten Account bei Googlemail oder anderswo..! Wie du sicher bemerkt hat beim Hören des aktuellen Reiseradios spreche ich immer sehr korrekt vom "Büro Brähmig". Einfach, weil ich nicht dabei war, als die Drückerkolonnen-Mail abgeschickt wurde. Aber es geht eben auch immer noch um die Äußerungen von Brähmig zu Ägypten und den Malediven. Öffentlich. Für alle. Und deshalb denke ich, können wir als verantwortungsbewusste journalistische Begleiter der Touristik diesen Vorgang nicht einfach ad acta legen. ...Auch wenn ich mich freuen würde, wenn tatsächlich touristisch relevante und hochinteressante Gespräche im Reiseradio nur ansatzweise so viel Wiederhall bei meinen Fach-Hörern hätten, wie diese doch eher boulevardesk anmutende Auseinandersetzung... :-)

von Horst, 20.03.12, 10:55
Da äußert einer mal Bedenken gegen Urlaub in einem (noch) von Unruhen gebeutelten Land und schon erfolgt der Aufschrei? Es ist doch richtig, dass einige nordafrikanische Länder alles andere als stabil sind - da gehören keine Urlauber hin! "Unruhen, Tote, Verletzte ausblenden - hier am Strand bekomme ich davon ja nichts mit..."? Ich kann mich noch an Bilder nach dem Tsunami 2004/Thailand erinnern, da lagen die Touristen neben abgedeckten Leichen am Strand, Urlaub war ja schließlich bezahlt. Was ging da ein Aufschrei durch Presse/Zunft! Alles vergessen... Und wenn man sich in der ersten und zweiten Etage der Touristik-Liga umschaut, da sehen einige "Manager" so aus, als schliefen diese jede Nacht unter dem "Assi-Toaster" - oder in den Positionen hat man einfach genug Zeit für Urlaub...;-) ITB = Trinkerbörse...;-) Ist wohl auf jeder Messe so. Aber nur bei der ITB kann eine Hotelbar nächtens schrottiges Bier für 8,-!!! Euro verkaufen - und jeder greift zu als wäre es das einzige Bier in Berlin...

von Skeptiker, 20.03.12, 12:57
Ziemlicher Rundumschlag, Horst... :-) aber ich glaube, man kann sagen, dass Tsunamis nicht nur politisch instabile Länder heimsuchen. Und nochwas: Einer der Gründe, weshalb (a) die Weltöffentlichkeit während des "arabischen Frühlings" 2011 so detailliert und differenziert über die Lage und Entwicklungen informiert war, und weshalb das alles (b) so halbwegs glimpflich abgegangen ist, war die große Anzahl ausländischer Touristen und Geschäftsleute im Land, von denen man dort halt mal wirtschaftlich ziemlich abhängig ist. Vergleiche dazu Syrien, Libyen, Jemen, Sudan.... soviel zur unmittelbar friedenserhaltenden/-stiftenden Wirkung des Tourismus und der internationalen Zusammenarbeit! Und ich glaube übrigens auch, dass das Risiko, als Reisender Opfer einer Gewalttat zu werden, in New York, London oder Frankfurt am Main um einiges höher ist als ausgerechnet in Hurghada oder Hammamet. Gibt sicher Statistiken dazu.... p.s. diese Städtliste hat nichts zu tun mit meinem Posting weiter oben ;-)

von Michael Buller, 20.03.12, 21:08
Ich glaube wir müssen die Emotionen aus der Geschichte mal rausnehemn. Tatsache ist die Aussagen wurden getroffen ….sarkastisch gemeint oder auch nicht…..spielt eigentlich auch keine Rolle denn ein Funke Wahrheit oder Haltung steckt dort auf jeden Fall drinnen. Viel wichtiger ist doch die Frage wie kann ein solches Bild von den Touristikern bei Herrn Brähmig und Strabel entstehen? Irgendwie ärgern wir uns in der Aussage über die Touristiker in Nadelstreifen oder eben Ägypten (wenn angeblich auch so nicht gesagt) das man den Eindruck hat….hier wird ohne die Touristik wirklich zu kennen etwas gefordert oder ein Bild gezeichnet das eben nicht unser eigenes Verständnis dazu ist und irgendwie nicht vollständig ist. Zu Ägypten wissen wir als Touristiker…..es gibt Ausweichdestinationen (also geht es nicht um das Geschäftemachen….alleine). Auch wissen wir dass jeder 2te Arbeitsplatz in Ägypten vom Tourismus abhängig ist. Das bedeutet, das zarte Pflänzlein das die Ägypter hier gesät haben wird nur in einem wirtschaftlichen stabilen Umfeld wirklich eine Chance haben. Der Tourismus spielt also eine enorme Rolle beim gelingen und gehört das nicht auch irgendwie zur Ethik? Aber wie kommt es zu so unterschiedlichen Meinungen die beide an unterschiedlichen Enden stehen? Es ist einfach mangelnder Diaolog der hier vorhanden ist . Auch die Forderung von Herrn Brähmig könnte durchaus eine Chance haben wenn man im Diaolog endlich wäre und evtl. hat man dann die Chance eine Lösung zu finden die beide Seiten berücksichtigt und zu einen Erfolg führen! Ich denke man sollte diese Geschichte von beiden Seiten zum Anlass …oder sagen wir als Chance nutzen um endlich in den Diaolog zu gehen und aus Unverständnis eine Verständigung machen die längst überfällig ist. Gruß Buller ...und Horst....wer für seine Meinung nicht einsteht und unter Pseudonym schreiben muss...dessen Meinung ist nicht ein mal ein Pfifferling wert!

von Horst, 20.03.12, 21:48
@Buller Manchmal ist es wichtig, dass es einer ausspricht - wer ist zweitrangig. Ironie ist auch nicht jedermanns Sache... Wobei - ihr code of conduct ohne die relevanten Online-Player - war irgendwie auch Ironie... Und ebenfalls keinen Pfifferling für die Unterzeichner wert.

von A.Schlehuber, 21.03.12, 08:22
Schoen, dass endlich mal etwas Staub aufgewirbelt wird und einige Politiker, die offenbar in Paralell-Welten auf Steuerzahlers Kosten leben, mit Realitaten zu tun bekommen. Hoffe Prof. Born laesst Mal wieder eine Salve auf Ramsauer los.

von Thomas Job, 21.03.12, 08:26
Ich stimme Michael Buller zu. Ganz klar Kommunikationsprobleme auf beiden Seiten, die man lösen können sollte, wenn man solche Erfahrungen und Positionen vorweisen kann. Der Branche / den gebeutelten Regionen ist nicht geholfen, wenn man sich die Köpfe verbal einschlägt. Dirk Rogl will offenbar nichts unter den Teppich kehren, sondern Schärfe rausnehmen. Gut so. Dass das "Büro Brähmig" spätestens jetzt unter besonderer Beobachtung steht ist doch immerhin erreicht. Damit sollte man doch auf Verbands- und Ausschuss-Ebene arbeiten können. P.S.: Hätte noch ne ungenutzte Zehnerkarte für Sunpoint abzugeben...

von Prof. Dr. Hans Rück, 21.03.12, 12:37
Drei Beobachtungen zum Streit Brähmig-Born-Büchy: 1. Die Touristik hat kein funktionierendes Lobbying. 2. Folge aus 1.: Sie wird von den politischen Entscheidern nicht ernst genommen. Vergleiche des Kalibers "sonnenbankgeräunte Drückerkolonne" kommen nicht von ungefähr, selbst wenn sie ironisch gemeint gewesen sein sollten. Da steckt schon ein (Vor-)Urteil dahinter. 3. Ebenfalls Folge aus 1.: Die politischen Entscheider verstehen nichts von den Belangen der Touristik. Daran ist die Touristik selber schuld, niemand sonst. Diese Branche organisiert Reisen und erstellt die dafür notwendigen Leistungen. Entwicklungshilfe oder politische Missionierung sind nicht ihre Aufgabe. Das soll nicht heißen, dass man Menschenrechte und Demokratie nicht im Blick haben solle; doch gilt das auch für die Politiker selbst, da hat der Kollege Born schon ganz recht: Wie war das z.B. gerade kürzlich mit dem Ehrenempfang für den Diktator von Kasachstan durch Kanzlerin und Bundespräsident in Berlin? Warum sollten sich die Reisenden moralischer verhalten als ihre gewählten Vertreter bis hinauf zu den höchsten Repräsentanten des Staates? Intelligenz ist unter den Menschen nicht gleich verteilt, daran kann man nichts ändern. Dass ausgerechnet ein Herr Brähmig Vorsitzender des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestags ist, gehört auch zu diesen Unabänderlichkeiten. Was man aber ändern kann - und was die Branche schnellstens ändern muss - ist die aktive Information über Bedeutung und Belange der deutschen Tourismuswirtschaft. Man kann die Kenntnis dieser Dinge bei Volksvertretern nicht voraussetzen.

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