Bodrum

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03.02.2011, 12:35 Uhr

Reise ins Blaue

Traumhafte Buchten, Kultur, ein lebhaftes Nachtleben und trendige Hotels. Doch trotzdem fehlen Bodrum die deutschen Gäste. Der fvw-Workshop suchte nach Antworten – und zeigte den Reiseverkäufern ein neues Bild der Türkei.

von Birgit Quandt
Eine der vielen Buchten, in denen die für die Ägäis typischen Holzgulets für eine Badepause ankern. 30 Expis lernten die Halbinsel Bodrum mit der fvw kennen.
Foto: Christian Wyrwa

Nur das leise Tuckern des Motors ist zu hören. Elegant gleitet die Sparkle an den Buchten der türkischen Halbinsel Bodrum vorbei. Die imposante Holzjacht ist einer der typischen Gulets, die auf sogenannten Blauen Reisen die Küste der Türkischen Ägäis entlangschippern. Die sechs Kabinen sind luxuriös ausgestattet – zwei bieten sogar einen Whirlpool.   An Bord genießen die Teilnehmer des fvw Workshops den seichten Seewind und die Aussicht auf das Studienobjekt. Sie sind begeistert – für die meisten war Bodrum bisher ein weißer Fleck. Da die Destination im deutschen Markt kaum bekannt ist, haben die wenigsten ihren Kunden bisher eine Reise in die Region verkauft.

Das soll sich jetzt ändern. Gemeinsam mit der Bodrum Peninsular Promotion Foundation (Boytav) will Bodrums Bürgermeister Mehmet Kocadon die Halbinsel in Deutschland künftig besser vermarkten. Denn im Gegensatz zu Antalya spielt der deutsche Markt in Bodrum eine Nebenrolle. 2008 verschlug es gerade mal 70.000 deutsche Urlauber hierher. Aus Großbritannien kamen dagegen rund 400.000 Gäste. Im Hochsommer befindet sich Bodrum dagegen fest in der Hand der türkischen Urlauber.

An Verkaufsargumenten fehlt es der Halbinsel nicht – davon überzeugten sich auch die Teilnehmer des fvw Workshops. Bodrum bietet fast 160 Kilometer Küste und ein angenehmes Klima. 33 Strände sind wegen ihrer guten Wasserqualität mit einer Blauen Flagge ausgezeichnet. Bodrum ist grün – 63 Prozent der Fläche sind Wälder. Wassersportler wie Surfer und Taucher finden optimale Bedingungen.Kulturfans kommen ebenfalls auf ihre Kosten. Highlights sind die Überreste des Mausoleums von Halikarnassos, das einst zu den sieben Weltwundern zählte, sowie das Unterwasser-Archäologie-Museum in der im 15. Jahrhundert erbauten Burg. Zudem ist Bodrum für sein Nachtleben berühmt: Es gibt viele trendige Clubs und Diskotheken, in denen man im Sommer türkische Prominente trifft. Auch in Sachen Gastronomie hat Bodrum die Nase vorn: Es gibt viele hochwertige Restaurants, und das Angebot wächst ständig.

Weniger Masse, mehr Klasse

"Bodrum ist Lifestyle", schwärmt Vural Öger. Der Inhaber der Öger Group fühlt sich mit Bodrum besonders verbunden. Vor 24 Jahren eröffnete er in Turgutreis sein erstes Hotel, mit 27 Zimmern. Heute betreibt er das Boutique-Hotel Marina Vista. In Boutique-Hotels sieht der Türkei-Pionier auch Bodrums Zukunft. Seine Vision: "Weniger Masse, mehr Klasse." Bodrum dürfte sich auf keinen Fall dem Massen-Tourismus zuwenden. "Wenn Bodrum Antalya nachahmt, ist es verloren", ist Öger überzeugt und spricht sich strikt gegen All-inclusive-Konzepte aus. Stattdessen solle sich Bodrum an St. Tropez orientieren, wo selbst Drei-Sterne-Hotels hohe Raten erzielten. Allerdings erfordere dies ein Umdenken bei Bodrums Touristikern."Es reicht nicht, ein Boutique-Hotel zu bauen – die ganze Stadt muss danach ausgerichtet sein."

Hotelführung vom Chef: Vural Öger führte die Expis persönlich durch sein Boutique-Hotel Marina Vista in Bodrum.
Foto: Christian Wyrwa

Ögers flammendes Plädoyer für Bodrum als Boutique-Hotel-Destination stößt nicht nur auf Zustimmung. "Bodrum muss sich entscheiden, ob es Geld verdienen oder in Schönheit sterben will", sagt Birsen Barasik. Die Managerin des Comca Manzara Hotels, das zur Cactus-Hotelgruppe gehört, spricht sich für mehr Fünf-Sterne-Resorts mit All-inclusive-Konzepten aus.Guido Wieling plädiert für einen Mittelweg – eine Mischung aus St. Tropez und Massen-Tourismus. Der TUI-Manager will sich nicht auf ein Segment festlegen. Schließlich verfüge Bodrum neben wunderschönen Boutique-Hotels inzwischen auch über ausreichend neue oder renovierte Resorts, die für Familien und auch jüngere Urlauber gut geeignet seien.

Bodrum im deutschen Markt

Auch wenn Bodrum im deutschen Markt ein Nischendasein fristet, würden einige Veranstalter ihr Angebot gern aufstocken. "Das ist bei dem unzureichenden Flugangebot nicht möglich", sagt Özkan Saygili von FTIs Incoming-Partner IQ Travel. Auch Markus Hartwig, Geschäftsführer von LMX Touristik, wünscht sich bessere Flugverbindungen – vor allem von kleineren deutschen Flughäfen aus. Bodrums Flugproblem ist nicht neu. Seit Jahren wird das dünne Angebot beklagt. Airlines und Veranstalter schieben sich abwechselnd den schwarzen Peter zu und fordern sich gegenseitig auf, stärker ins Risiko zu gehen. Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht.

Den Veranstaltern fehlen nicht nur gute Flugverbindungen, sondern auch Hotel-Kontingente während der Hochsaison. Im Juli und August ist die Halbinsel bei tür­kischen Urlaubern so beliebt, dass die Hotelpreise in die Höhe schnellen. Deutsche Veranstalter mit ihren vergleichsweise niedrigen Pauschalpreisen gehen dann oft leer aus: Viele Hoteliers geben ihnen nur während der Vor- und Nachsaison die gewünschten Kapazitäten.

Genossen die Aussicht vom Hotel Xanadu Island auf das gegenüberliegende Kefaluka Resort: Tanja Dittmar, Kerem Demertzi-Ali und Özgül Yagiz (von links).
Foto: Christian Wyrwa

Nach Ansicht von TUI-Manager Wieling sollte Bodrum sein Angebot auf eine breit gefächterte Kundenschicht auslegen – von der Familie bis zum Best Ager. Gerald Weitgasser von Thomas Cook wünscht sich ebenfalls ein breiteres Angebot – vor allem für Segler und Golfer.

Bodrum kann viele Zielgruppen ansprechen. Allerdings unterscheidet sich die Klientel aufgrund des höheren Preis­niveaus deutlich von der Antalyas. Potenzielle Gäste sind nach Meinung von Wieling nicht bei den typischen Antalya-Gästen zu suchen, sondern bei Urlaubern, die sonst nach Spanien oder Griechenland reisen.

Bei allen Chancen für die trendige Halbinsel: Ein paar Bedenken bleiben am Ende doch. "Der Transfer vom Flughafen zu den Hotels im Südwesten der Halbinsel dauert für viele Gäste zu lang", sagt Frauke Meisel, Inhaberin des Reisebüros Meisel in Edingen-Neckarshausen. Und Romana Wien­ke vom ADAC Reisebüro Derpart in Frankfurt befürchtet, dass viele deutsche Urlauber die Dominanz des britischen Marktes abschrecken könnte.

Das ficht Hüseyin Baraner nicht an. Der Türkei-Experte und TUI-Berater glaubt an das Potenzial der Halbinsel. Auch wenn Bodrum seinen Weg noch suche, kämen viele Investoren. Bekannte türkische Hotelketten sondieren den Markt. Auch sie wollen weg von der All-inclusive-Monokultur an der Riviera und sich mit dem ganz besonderen Lifyestyle schmücken, der Bodrum von anderen türkischen Badezielen abhebt.

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