Blog zur Pokémon-Manie

Rumdaddeln oder mitspielen?

Was für eine Hysterie: Das neue Handy-Spiel Pokémon Go beherrscht die Schlagzeilen. Viele Unternehmen versuchen sich aus Marketing-Zwecken als Trittbrettfahrer. Doch nur ein einziger Player hat schon einen Fuß in der Tür – und könnte fett profitieren.

von Tobias Pusch, 14.07.2016, 14:24 Uhr
fvw-Redakteur Tobias Pusch
Foto: Heike Fritsch

Seit Jahren wird über die Möglichkeiten gesprochen, die Augmented Reality bietet. Bei dieser Technologie verschmelzen am Handybildschirm reale Welt und Software zu einer neuen Wirklichkeit. Doch erst jetzt scheint es mit Pokémon Go die erste richtige Killer-Applikation in diesem Bereich zu geben. Die Publikumsmedien – am deutlichsten die „Bild“-Zeitung – überschlagen sich mit Sensationsmeldungen. Vor allem der Zusammenbruch der Nintendo-Server nach der Veröffentlichung des Spiels dient als Hinweis auf die unglaubliche Popularität.

Dabei ist die Spielidee von Pokémon Go recht simpel und alles andere als neu. Im Grunde genommen handelt es sich um eine Art Schnitzeljagd oder Schatzsuche, neudeutsch auch Geocaching genannt. Es gilt, im öffentlichen Raum Fabeltiere zu fangen. Sie können fast überall postiert sein. Sichtbar werden sie aber nur auf dem Handy. Auf dem Bildschirm sieht es dann so aus, als säße das Pokémon auf dem Gehweg, am Ufer eines Flusses oder auf einer Parkbank.

Natürlich bietet diese Spielform schier unbegrenzte Marketing-Möglichkeiten. Die wohl offensichtlichste: Händler kooperieren mit Nintendo, um eines der zu fangenden Tiere in ihrem Laden zu platzieren. Laufkundschaft wäre dann garantiert. Doch wie es aussieht, hat Nintendo diese Monetarisierungsmöglichkeit ziemlich unterschätzt. Einzig McDonalds soll bislang als Betreiber so genannter „Sponsored Locations“ in Frage kommen. Das zumindest lasse sich laut Technik-Fachzeitschriften – mühsam – aus dem Quellcode herauslesen.

Wie groß das Potenzial des Spiels ist, zeigt sich unterdessen bei einem Blick in die Sozialen Netzwerke. Die fvw-Schwesterzeitschrift „Horizont“ beleuchtet in einem Artikel, dass viele Firmen sich derzeit – mangels vorhandener Marketing-Angebote von Nintendo – mit mehr oder weniger originellen Tweets und Posts rund um das Thema Pokémon aushelfen. Die Botschaft an die User soll lauten: Irgendwie sind wir auch mit dabei.

Letztendlich wird sich weisen, ob Pokémon Go wirklich das nächste große Marketing-Ding ist und wie stark Nintendo das Spiel für Unternehmen öffnet. Klar dürfte aber eines sein: Nur mit Rumdaddeln, so wie es derzeit getan wird, ist kein Blumentopf zu gewinnen. Wer hier siegen will, muss mitspielen. Und zwar richtig.

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