Blog zur Air-Berlin-Verwertung

Politisches Gezerre um Niki

Die endgültige Pleite von Air Berlin war ein öffentliches Drama. Nicht weniger dramatisch ist das Gezerre um deren Touristik-Flugtochter Niki. Allerdings läuft viel hinter den Kulissen.

von Georg Jegminat, 29.11.2017, 15:33 Uhr
fvw Chefreporter Georg Jegminat
Foto: fvw

Die Szene war skurril. Auf der Bühne lieferten sich Vertreter von vier potenziellen Regierungsparteien, die Jamaika-Verhandler und die SPD, ein kleines Redescharmützel, wer denn welche Schuld dafür trage, dass es noch keine neue Regierungskoalition in Berlin gibt. Doch mehrfach beschwerten sich die Redner, dass die etwa 400 Airliner, Airport-Manager und Politiker laut miteinander schnatterten. Für sie gab es andere Themen.

Die Bühne bot der Bundesverbrand der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) mit seinem traditionellen Abend des Luftverkehrs. Das heiße Thema des Abends war, dass die EU-Kommission, in Person der Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, der Lufthansa die Touristik-Airline Niki nicht zusprechen will. Lufthansa-Manager und Thomas Cook ziehen derzeit alle Register, um politisch für ihre Position zu werben. Cook hatte gemeinsam mit Niki Lauda ebenfalls für Niki und ihr Touristikgeschäft geboten.

Druck auf EU-Kommission

An Tischen und Tresen wurden die Köpfe zusammengesteckt. Aber das eigentliche Gezerre um Niki läuft in Brüssel. Bereits am Freitag (30. November) soll Lufthansa Auflagen wie den Verzicht auf Flughafen-Slots anbieten, um ihren Deal durchzubekommen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr sei zu Vestager nach Brüssel gereist, um das Schlimmste zu verhindern. Weil nämlich Niki aus dem Paket herausgenommen werden soll, baut Lufthansa ein Drohszenario auf: Ohne Niki lohne der Air-Berlin-Deal nicht. Man werde sofort die Zahlungen einstellen, und Niki werde Konkurs gehen.

Damit hofft Lufthansa einen starken politischen Hebel in Händen zu haben. Denn Lufthansa wollte 210 Mio. Euro für Niki zahlen. Ohne die Summe können die Insolvenz-Verwalter von Air Berlin den staatlichen Überbrückungskredit von 150 Mio. Euro nicht begleichen. Das wäre eine Blamage für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie hatte sich im August für den Kredit ausgesprochen, weil weil er ja aus der Insolvenz beglichen werden könne.

Vestager könnte auf Merkel angewiesen sein

Das Bundeskanzleramt hat wiederum ein gewisses Druckmittel gegen Margrethe Vestager in Händen, wurde an dem Abend kolportiert: Die Wettbewerbskommissarin habe Ambitionen, Präsidentin der EU-Kommission zu werden. Dafür benötigt sie aber die Unterstützung der Bundesregierung, darf es sich also nicht mit Angela Merkel verscherzen. Der französische Präsident Emmanuel Macron hat sich jedenfalls schon einmal für Vestager ausgesprochen. Wo die Tatsachen enden und wo die Verschwörungstheorie beginnt, ist schwer zu erkennen.

Die Besucher des BDL-Abends ließen sich weder von den Appellen der Politiker noch dem von BDL-Präsident Stefan Schulte nach mehr Aufmerksamkeit beeindrucken. Das von Mund zu Ohr besprochene Thema war einfach spannender als das per Mikrofon und Lautsprecher übertragene.

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