Blog zum fvw Workshop Türkei

Offene Arme in Antalya

Eine ganz besondere Tour mit Reisebüros und Veranstaltern in politisch angespannten Zeiten: Der fvw Workshop in Antalya hatte eine hohe Symbolkraft.

von Klaus Hildebrandt, 13.06.2016, 09:49 Uhr
Chefredakteur Klaus Hildebrandt moderierte den fvw Workshop in Antalya.
Foto: fvw

Mehr als 80 deutsche Teilnehmer, darunter rund 60 aus Reisebüros, DRV-Präsident Norbert Fiebig, hochrangige Manager aller relevanten deutschen Türkei-Veranstalter und von Sun Express, zusätzlich 180 türkische Hoteliers beim Kongresstag, ein gewaltiges Presse-Echo in der Türkei – der fvw Workshop in Antalya war nicht nur größer als sonst, sondern kam offenbar genau zur rechten Zeit.

Der Türkei-Tourismus durchlebt durch den russischen Reiseboykott und die hohen Rückgänge aus allen europäischen Quellmärkten seine schwerste Krise. Bei vielen Hoteliers und Geschäftsinhabern geht es um die Existenz, tausende Arbeitsplätze sind schon jetzt entfallen. Die Anschläge in Istanbul und Ankara haben das Sicherheitsempfinden vieler Deutscher erschüttert, die politischen Beziehungen sind nach der Armenien-Resolution des Bundestags auf einem Tiefpunkt, die Pressefreiheit in der Türkei wird zunehmend eingeschränkt.

Soll, kann, darf man in dieser Situation überhaupt eine Konferenz in der Türkei abhalten? Das haben einige unserer Leser im Vorfeld auf fvw.de und wir bei der fvw, auch nach der Absage der Schmetterling-Tagung, intern ebenfalls diskutiert. Nun, zurück in Hamburg, bin ich froh, dass wir gefahren sind und uns so viele begleitet haben. Nicht nur, weil dieser Besuch von den türkischen Touristikern als wichtige Geste der Solidarität verstanden und wir mit offenen Armen empfangen wurden. Sondern vor allem auch, weil es gelungen ist, dass sich deutsche und türkische Geschäftspartner vom überlauten Gedröhne der Politik freimachen und das gemeinsame Interesse betonten.

Dabei kam es auf die Zwischentöne an. Kein türkischer Touristiker kann es mehr wagen, den zunehmend autokratisch regierenden Präsidenten Erdogan offen auf der Bühne zu kritisieren. Aber wenn neben den Sicherheitsbedenken von den Image-Problemen des Landes die Rede war, wussten alle, was gemeint ist. Längst nicht alle Türken sind glühende Anhänger ihres Präsidenten, die zumeist liberal und westlich eingestellten Touristiker des Landes sparen im vertraulichen Gespräch nicht mit harscher Kritik.

Einen ausführlichen Bericht vom fvw Workshop lesen Sie in der nächsten Ausgabe der fvw, die am Freitag, den 24. Juni, erscheint. Zuvor wäre ich aber neugierig, wie Sie aktuell den Türkei-Tourismus sehen, und welche Eindrücke die Teilnehmer aus Antalya mit nach Hause nehmen.

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