Blog zum fvw Workshop Katar

Kleines Land mit großen Plänen

Nach sechs Jahren war die fvw wieder zum Workshop in Doha. Seitdem hat sich fast alles verändert – die Politik, der Sport und die Vision für den Tourismus.

von Klaus Hildebrandt, 27.11.2017, 15:33 Uhr
fvw-Chefredakteur Klaus Hildebrandt begleitete die Reise nach Katar und moderierte den Kongresstag auf dem fvw Workshop im Hotel Ritz-Carlton in Doha.
Foto: fvw

Als wir 2011 nach Doha flogen, begleiteten uns nicht, wie sonst üblich, Reisebüros und Veranstalter. Katar setzte damals allein auf Business Travel, große Sportereignisse und das Mice-Geschäft, entsprechend kamen die Workshop-Teilnehmer aus diesen Bereichen. Wie in anderen Emiraten wird im Rekordtempo gebaut. So wohnten wir nun im Marsa Malaz Kempinski auf der fast vollständig fertiggestellten aufgeschütteten Halbinsel „The Pearl-Qatar“, die wir vor sechs Jahren nur als Modell bestaunten. Und zwischenzeitlich erhielt Katar, bei Fußballfans nicht unumstritten, den Zuschlag für die im Jahr 2022 stattfindende WM.

Diesmal reisten wir mit knapp 40 Touristikern nach Katar. Die Halbinsel mit einer Fläche nur halb so groß wie Hessen profitiert von riesigen Offshore-Gasvorkommen. Doch schon vor gut zwei Jahren beschloss das Land, zusätzlich zu Geschäftsreisen und Events den Tourismus auszubauen und weltweit neue Quellmärkte zu erschließen. Jetzt wurde sogar noch die visafreie Einreise aus 80 Ländern eingeführt – so offen ist kaum ein Land.

In der aktuellen Lage entpuppt sich diese Strategie als Segen. Saudi-Arabiens junger Kronprinz Mohammed bin Salman al Saud, der im eigenen Land um die Macht kämpft, verhängte im Juni zusammen mit einigen anderen arabischen Ländern eine Blockade, nachdem Katar kaum erfüllbaren Forderungen nicht nachkam, darunter die Schließung des TV-Senders Al Jazeera, das Verbot eines türkischen Militärstützpunktes und die Aufkündigung der Beziehungen zum Iran.

Seitdem bleiben die vielen Gäste aus dem Nachbarland Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten aus. Niemand weiß, wie lange die politische Krise andauert. Die Saudis füllten vor allem am Wochenende die werktags von Geschäftsreisenden belegten Fünf-Sterne-Häuser in Doha und bescherten den Hoteliers ein gutes Auskommen. Die Blockade, von der im Alltag in Doha nichts zu spüren ist, forciert nochmal die Bemühungen, mehr Urlauber aus Deutschland zu gewinnen. Schließlich gibt es zwischen beiden Ländern sehr enge wirtschaftliche Beziehungen. Mehr als 200 deutsche Unternehmen sind in Katar tätig, das Emirat wiederum hat über 20 Mrd. Euro in Deutschland investiert und ist Großaktionär bei VW und der Deutschen Bank.

Welchen Weg Katar in den kommenden Jahren im Tourismus einschlagen will, wie das Angebot an Hotels und Aktivitäten verbreitert wird und wie die deutschen Veranstalter die Destination ausbauen wollen, lesen Sie in der fvw-Ausgabe 26. Ich fand die Reise sehr spannend. Wir erlebten eine großartige Gastfreundschaft und viele interessante Gespräche mit Hoteliers und den Vertretern der Qatar Tourism Authority auf dem Kongresstag. Gibt es Wachstumspotenzial für die Destination auf dem deutschen Markt? Wenn man die Erfolgsgeschichten von Dubai und Abu Dhabi sieht und das mit unseren Eindrücken von der Reise kombiniert, bin ich davon überzeugt. Das wird seine Zeit dauern. Aber den langen Atem dürfte das ebenso kleine wie wohlhabende Land haben.

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