Blog

Tourismus auf kreativen Wegen

Deutsche Tourismus-Organisationen sind derzeit äußerst kreativ unterwegs, um sich neu zu erfinden. Ein kleiner Streifzug durch Deutschland – vom Norden in den Osten und Westen Deutschlands.

01.11.2017, 07:55 Uhr
fvw-Redakteurin Sabine Pracht.
Foto: fvw

Im Herbst ziehen die meisten Unternehmen eine erste Jahresbilanz, sie korrigieren die Prognosen für das Geschäftsjahr und verabschieden neue Budgets und Pläne. Diese Herbststimmung hat wenig Kreatives. Was ich in den vergangenen zwei Wochen bei deutschen Destinationen erlebt habe, hat eher etwas von Frühlingsgefühlen. Ein regelrechter Aufbruch, Lust auf Neues und Veränderung ist zu spüren. Angefangen hat meine Tour in Hamburg, genauer gesagt bei Hamburg Tourismus.

Die Hamburger Tourismusorganisation hat sich für die Produktentwicklung von Fremden inspirieren lassen – also Menschen, die außerhalb der eigenen Organisation arbeiten. Zum so genannten Hackathon – das Wort setzt sich auch Hacker und Marathon zusammen – kamen etwa 20 Menschen mit zum Teil völlig unterschiedlichem Hintergrund, um gemeinsam an neuen Konzepten für Hamburg Tourismus zu arbeiten: Studenten, Unternehmensberater, Programmierer, Selbstständige und Angestellte aus der Touristik und anderen Branchen.

Hamburg geht neue Wege bei der Produktentwicklung. Mittels Hackathon holt sich die Organisation Ideen von Fremden.
Foto: Hamburg Tourismus

Das Beeindruckende: Gemeinsames, kreatives Arbeiten mit Fremden bringt nicht nur Spaß, sondern auch brauchbare Ideen hervor. Wer genau wissen möchte, wie so ein Hackthon abläuft, dem empfehle ich die aktuelle fvw. Dort habe ich meine Erlebnisse in einer Reportage niedergeschrieben.

Von Hamburg führte mich die Reise nach Berlin zur Konferenz Q. Unter dem Titel „Q Berlin Questions“ hat Visit Berlin ein neues Kongressformat geschaffen mit keinem geringeren Anspruch als diesem: Die wichtigen großen Fragen der Welt zu erörtern. Künstler, Architekten, Aktivisten, Wissenschaftler, Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Politik und Medien aus der ganzen Welt kamen vergangene Woche auf Einladung der Tourismusorganisation nach Berlin, um grundlegende Fragen über die Zukunft zu stellen: Wie sieht der nächste Generationenvertrag aus? Ist künstliche Intelligenz gut oder schlecht für uns? Was tun wir, wenn wir nichts mehr zu tun haben? Wie wollen wir in Zukunft leben? Was ist gerecht, was ungerecht? Was ist wahr, was ist unwahr? Auch hier galt: Jeder durfte mitmachen. Für den Marathon, der am Ende der zweitägigen Konferenz stattfand, konnten sich alle, die etwas beitragen wollten, um Redezeit auf der Bühne im Schiller Theater bewerben.

Zwei Jahre lang hat Visit Berlin an der Idee getüftelt und sich ebenfalls mit vielen verschiedenen Menschen ausgetauscht. „Einfach mal groß denken und machen“ war offenbar das Motto von Visit-Berlin-Chef Burkhard Kieker, der mit einem solchen Format auch die Kongressmarke Berlin schärfen will. Seine Vorstellung: Davos steht für den Wirtschaftsgipfel, München für die Sicherheitskonferenz und Berlin für den Diskurs über die Zukunft. „Wir sind die Stadt der Freiheit. Wir wollen eine Orientierungskonferenz sein“, sagt Kieker und fügt lachend hinzu: „nichts, wo wissenschaftliche Eierköppe für wissenschaftliche Eierköppe sprechen.“

Nordrhein-Westfalen setzt auf Kreativwirtschaft

Dann ging es von Berlin in den Westen zu NRW Tourismus. Das Land will die Kreativwirtschaft fördern, damit davon auch der Tourismus profitiert. Denn längst ist klar: Der Städtetourismus floriert nicht nur, weil sich Touristen gern Denkmäler und Museen anschauen, sondern auch weil eine aktive kulturelle Szene Reiseanlässe schafft. Von der EU mit Fördermitteln ausgestattet, hat NRW Tourismus einen Award aus der Taufe gehoben, um Kulturschaffende zu fördern und um selbst zu schauen, welche Projekte es im Land überhaupt gibt. Von der Resonanz auf den so genannten Urbanana-Award war die Tourismusorganisation selbst überrascht: Mehr als 60 Bewerbungen gingen ein.

Bei der Jury-Sitzung Anfang dieser Woche konnte ich nur staunen, wie vielfältig das kulturelle Angebot ist: Video- und Akustikkünstler inszenieren Events, Kulturschaffende- und Designer veranstalten jede Menge Festivals, Fotografen, Modedesigner und Street-Art-Künstler organisieren geführte Touren in bislang eher unbekannte Viertel von Düsseldorf und Köln. Welche Projekte den Award und damit jeweils 4000 Euro gewinnen, wird auf der Art Düsseldorf am 17. November 2017 bekannt gegeben.

0
Folgen Sie uns:
Top
© 2018 FVW Medien GmbH, Alle Rechte vorbehalten
Über uns FAQ Impressum AGB Datenschutz Kontakt Mediadaten