Big Data

Daten sind Geld

Facebook und seine Werbekunden leben von den persönlichen Daten seiner Nutzer. Dass durch einen Vorstoß des Hamburgischen Datenschutzbeauftragen die strikte Klarnamen-Regelung wieder Gesprächsthema ist, wird dem Konzern gar nicht in den Kram passen.

von Philipp Dudek, 29.07.2015, 12:27 Uhr

Facebook lebt von den persönlichen Daten seiner Nutzer. Der Konzern investiert Millionen Dollar in Personal, Technik und Rechtsanwälte. Geld, das er wiederum von Werbekunden bekommt. Und die bezahlen das Unternehmen dafür, dass sie auf Facebook auf die User direkt eingehen und perfekt platzierte Anzeigen schalten können. Genau aus diesem Grund sind Synonyme auf Facebook nicht gerne gesehen. Sie verschlechtern die Datenqualität. Und Daten sind Geld.

Jetzt hat der Hamburgische Datenschutzbeauftragte Johannes Casper wegen eines Verstoßes gegen das Telemediengesetz und das Personalausweisgesetz einen Anordnung gegen Facebook erlassen. Das Unternehmen wird darin verpflichtet, Pseudonyme wieder zuzulassen. Facebook dürfe pseudonyme Profile nicht sperren und auch keine Kopie des Personalausweises als Beleg für den Namen der Nutzer fordern.

Naturgemäß sträubt sich das Netzwerk. „Wir sind enttäuscht, dass Facebooks Klarnamen-Regeln wieder zum Thema werden, weil deutsche Gerichte sie mehrfach überprüft und Vertreter von Regulierungsbehörden entschieden haben, dass diese dem maßgeblichen europäischen Datenschutzrecht in jeder Hinsicht genügen“, erklärte eine Unternehmenssprecherin, laut Medienberichten.
Schleswig-Holsteins Datenschutzbeauftragter ist tatsächlich bereits im Jahr 2013 vor dem Oberverwaltungsgericht Schleswig gescheitert. Das Gericht wies damals eine Klage zur Klarnamen-Pflicht ab. Facebooks Europasitz ist in Irland, daher seien die irischen Datenschützer für das Thema zuständig, befanden die Richter damals. Deutsche Vorschriften greifen also nicht.

Neu ist jetzt: Die Anordnung Caspars richtet sich gegen Facebook Irland mit Hauptquartier in Dublin. Casper ist nämlich der Ansicht, der Europäische Gerichtshof habe mit seiner Rechtsprechung zu Google geklärt, dass US-Internetkonzerne sich an nationales Recht halten müssten. „Facebook ist mit seiner Niederlassung in Hamburg wirtschaftlich in Deutschland tätig“, sagt Casper. „Danach gilt: Wer auf unserem Spielfeld steht, muss sich auch an unsere Regeln halten.“

Nun ist es nicht so, dass die Verwaltungsanordnung eines deutschen Datenschützers Facebook zu Änderungen verpflichtet. Das Unternehmen kann dagegen Widerspruch einlegen. Wird dieser abgelehnt, steht außerdem noch der Klageweg vor Verwaltungsgerichten offen.

Für entspannte Gelassenheit wird der Vorstoß Caspers bei Facebook trotzdem nicht sorgen. Alleine, dass die Klarnamen-Regelung wieder Gesprächsthema ist, dürfte dem Konzern unangenehm sein. Dass Klarnamen bares Geld wert sind, will das Unternehmen nämlich nicht thematisieren. Als Grund für seine strikte Namenspolitik heißt es bei Facebook stattdessen: „Damit immer klar ist, mit wem du dich verbindest. Das trägt zur Sicherheit unserer Gemeinschaft bei.“

Im Sinne eines freien Internets und zur Sicherheit der Nutzer ist es aber eher so, dass es möglich sein sollte, sich unter Pseudonym auf Facebook anzumelden. Auch wenn das Marketing-Strategen nicht gefällt.

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