Bettensteuer

Mallorca lernt aus dem Touristensteuer-Chaos

Die neue Regierung der Balearen führt eine Touristensteuer ein. Die Politiker haben aus dem Ecotasa-Drama 2002 die richtigen Schlüsse gezogen. Denn bei einer solchen Art Kurtaxe kann man sehr viel falsch machen.

von Klaus Hildebrandt, 14.08.2015, 12:20 Uhr

Erst Ende 2016 soll die von der neuen Linksregierung seit langem angekündigte Touristensteuer kommen. Sie wird laut Minister Gabriel Barceló ein bis zwei Euro pro Tag und Person ab 14 Jahren betragen. Das Zentralorgan aller Mallorca-Urlauber, die "Bild", sieht zwar die "Ballermann-Steuer" als "Schock für die Mallorca-Fans" und verweist auch auf 2002. Doch die Regierung vermeidet offenbar die größten Fallstricke von damals.

Vor 13 Jahren hatte die damalige rot-grüne Regierung eine Ökosteuer überhastet und ohne Absprache mit der Branche eingeführt. Hoteliers und Veranstalter liefen Sturm, die "Bild" rief in einer großen Kampagne den spanischen König zu Hilfe, weil der Eindruck entstand, Mallorca wolle nur noch reiche Golfspieler statt die große Masse von Pauschalurlaubern. Die gegenseitigen Anfeindungen waren übrigens die Geburtsstunde der fvw Workshops. Um überhaupt wieder einen Gesprächsfaden zwischen Tourismusoffiziellen, Hoteliers und der deutschen Branche zu knüpfen, wurden wir als unabhängiges Medium gebeten, eine Konferenz in Palma zu organisieren. Wir sollten auch Reisebüros mitbringen, um ihnen zu zeigen, dass deutsche Gäste auf Mallorca immer noch hoch willkommen seien. Die Expedienten fanden es toll, dass sie selbst mit dem Tourismusminister diskutieren konnten.

Der eintägige Kongress im Januar 2003 verliefsehr emotional, aber es gab zum Schluss das gemeinsame Bekenntnis, konstruktiv zusammenzuarbeiten. Wichtig ist auch Transparenz. Damals war unklar, wohin die Ecotasa eigentlich fließt. Auf einer Stadtführung in Palma erklärte eine Umweltdezernentin, die Einnahmen kämen unter anderem der Abwasserentsorgung der Stadt zugute. Da merkten Reisebüros an, für derartige Infrastruktur-Investitionen sei doch eigentlich der Staat zuständig, der von den Hotels Steuern einziehe.

Minister Barceló kündigt jetzt an, die Einnahmen würden in den Tourismus reinvestiert. So läuft es zum Beispiel in meiner Heimatstadt Hamburg. Die Hoteliers waren von der Bettensteuer auch nicht begeistert. Zumindest werden die Einnahmen der Kultur- und Tourismustaxe dazu verwendet, über zusätzliches Marketing mehr Besucher anzulocken. Und die Balearen-Regierung klammert nach Rücksprache mit der Reisebranche die Hauptsaison 2016 noch aus. Ein "Schock" ist die neue Touristensteuer deshalb nicht. Viele andere Reiseländer verlangen sogar höhere Einreise- oder Visagebühren. Die mallorquinische Tourismusbranche wird jedoch genau schauen, dass die Einnahmen dann nicht im großen Loch der spanischen Staatsfinanzen verschwinden.

Kommentare

von Joaquin, 06.09.15, 17:29
Irgendwie aber doch auch erstaunlich, sobald man dem Kind einen anderen Namen gibt und etwas besser mit der Presse zusammen arbeitet, lösen sich viele Probleme in Luft auf. Selbst die BILD scheint nun mehr Verständnis dafür zu haben, wo sie zuvor noch den Retter der deutschen Touristen gespielt hat :)

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