Ausbildung

„Uns geht der Nachwuchs aus!“

In Reisebüros und Hotels, bei Airlines und Veranstaltern: In diesen Tagen starten die neuen Auszubildenden. Doch längst nicht alle Betriebe haben ihre Lehrstellen mit geeigneten Bewerbern besetzen können.

von Evelyn Sander, 06.09.2017, 07:24 Uhr
Die Zahl der Auszubildenden im Reisebüro ist seit Jahren rückläufig.
Foto: Statista/DIHK

Der Ausbildungsmarkt bleibt angespannt. Bei der aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) konnten ein Drittel der Unternehmen ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen. Das seien doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Die Bewerberzahlen gingen zurück, ebenso die Qualität der Bewerber. „Uns geht der Nachwuchs aus“, warnt DIHK-Präsident Eric Schweitzer. Auch in der Touristik sind die Ausbildungszahlen seit Jahren rückläufig: 2015 gab es 4936 angehende Tourismuskaufleute, 2016 waren es nur noch 4754 Azubis. Ein deutlicher Rückgang um fast 200 Lehrstellen, so die DIHK-Statistik. Daten für 2017 liegen noch nicht vor.

Branchenübergreifend war 2016 die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen so hoch wie seit 1995 nicht mehr, ermittelte das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB). Bundesweit blieben im vergangenen Herbst 43.500 Lehrstellen unbesetzt. Kein Wunder: Die Schülerzahlen schrumpfen, das Studium liegt im Trend. Schweitzer findet dagegen: „Entscheidend ist, welche Qualifikationen in Zukunft gebraucht werden.“ Unbesetzte Ausbildungsplätze seien ungenutzte Chancen für junge Menschen.

Der große Unterschied zum Studium sei doch, dass Lehrstellen nach Bedarf und oft mit Übernahmezusagen angeboten würden. Ob ein Studium gute Jobperspektiven biete, zeige sich oft erst nach dem Abschluss. Viele Jugendliche wissen nicht, was sie in der Ausbildung erwartet und welche Perspektiven sie damit haben. Schweitzer: „Es ist so wichtig, dass wir die Berufsorientierung an Schulen verbessern – vor allem an den Gymnasien.“ Auch der Deutsche Reise Verband (DRV) versucht, mehr Jugendliche für die Branche zu begeistern, bietet neue Werbeclips für Reisebüro-Websites und hat die Azubi-Website überarbeitet.

Fehlt der Nachwuchs, wird es in Zukunft eng. DIHK-Präsident Schweitzer: „Schon jetzt ist der Fachkräftemangel ein Geschäftsrisiko für jedes zweite Unternehmen.“ Ohne schnelles Umsteuern drohe der Wirtschaft langfristig eine große Lücke, bestätigte das Basler Forschungsinstitut Prognos. Hauptgrund sei die Überalterung der Gesellschaft. Ohne Gegenmaßnahmen würden bis zum Jahr 2030 rund drei Millionen Fachkräfte fehlen. Die Forscher empfehlen unter anderem eine Bildungsoffensive: „Die berufliche Ausbildung muss gezielt gefördert werden.“

Mehr Informationen zum Nachwuchsmangel in der Touristik und zum beginnenden Ausbildungsjahr finden Sie in der aktuellen TravelTalk, dem Schwestermagazin der fvw.

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