Apple

Der gläserne Kunde - endlich im Reisebüro

Einmal wie Amazon & Co ganz viel über den Kunden wissen, das ist der Traum der Reisebranche. Jetzt kommt Apple mit einer neuen Technik, die die Zahlungsbereitschaft der Kunden ermittelt. Das wäre das ultimative Verkaufstool am Counter.

von Klaus Hildebrandt, 24.07.2015, 12:39 Uhr

Wem die ganze Datensammelei von Google, Facebook und Online-Shops nicht geheuer ist, dem muss es auf dem jüngsten fvw Online Marketing Day kalt über den Rücken gelaufen sein. Es ist unglaublich, wie viel sich mit heutigen Analyse- und Targeting-Systemen schon über Kunden und ihr Verhalten herausfinden lässt. Apple möchte jetzt, wie Heise Online meldet, einen Schritt weiter gehen. Der iPhone-Konzern, der im jüngsten Quartal mit 10,7 Mrd. Dollar so viel verdiente wie wahrscheinlich die ganze deutsche Reisebranche im Jahr nicht, möchte mit einer zum Patent angemeldeten Entwicklung den Kontostand des Nutzers prüfen, um Werbung auf Mobilgeräten möglichst gezielt auszuliefern. Mit dieser Information sei es möglich, nur Anzeigen für Produkte einzublenden, die sich der Empfänger tatsächlich leisten kann. Dies erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass auf die Werbebotschaft reagiert werde und es zum Kauf komme, so Apple.

Sollte das wirklich gelingen – deutsche Datenschützer wären sicher begeistert – ,wäre es sinnvoll, dies über die iCloud gleich auf alle Geräte auszuspielen. Kommt ein Kunde also ins Reisebüro, fragt der Expedient nur noch nach dem Namen. Verknüpft mit Webanalyse- und Social-Media-Tools weiß der Expedient dann nicht nur sofort, für welche Art von Reisen und Ziele sich der Kunde interessiert. Er sieht sofort, ob das Konto tief im Minus ist und er den Gast am besten mit einem Katalog abwimmelt, oder in welcher Preisklasse er Angebote empfehlen sollte.

Gute Reiseverkäufer wissen das natürlich auch so. Reisebüro-Veteran Klaus Laepple zum Beispiel empfahl immer einen Blick auf die Schuhe des Kunden, um die monetären Verhältnisse einschätzen zu können. Aber was ist, wenn der Kunde sich mit seinen Schuh- und Bekleidungsverkäufen so verschuldet hat, dass er sich nur zum Zeitvertreib über den Urlaub beraten lässt? Eine Erweiterung des Apple-Tools ist unabdingbar: Wichtigste Urlaubsentscheider in Familien sind die Frauen (das hat Thomas Cook sogar mit einer Studie nochmal bestätigt). Die wiederum hören stark auf die Kinder. Es müssen also alle Konten einer Familie durchleuchtet werden, inklusive Schweizer Geldanlagen. Wenn nur die "Mäusekonten" (so heißen die Kinderkonten bei unserer Hamburger Bank) gescannt werden, wäre jede Beratung innerhalb von einer Minute beendet.

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