Anschläge

Brüssels Flughafen im Ausnahmezustand

Nach Terroranschlägen in Brüssel war der Flughafen Zaventem viele Tage geschlossen und wurde dann schrittweise wieder eröffnet. fvw-Redakteur Georg Jegminat hat sich die Sicherheitseinrichtungen angesehen. Die Passagierabfertigung ist alles andere als normal.

von Georg Jegminat, 28.04.2016, 16:34 Uhr

Die belgischen Sicherheitsbehörden haben nicht nur wettergeschützte Kontrollen vor den Terminaltüren eingerichtet. Die Kontrollen beginnen schon vor dem Flughafen und haben beachtliche organisatorische Dimensionen.

Von dort geht es zu Fuß durch verschlungene Wege, die auf einem Parkplatz neben dem Terminal enden. Wie viele Andre muss auch ich einen der bewaffneten Soldaten nach dem Weg fragen. Der Weg führt durch die Katakomben des Parkhauses, über Autorampen und vorbei an stillgelegten Fahrstühlen. Dort unten stößt der Reisende auf einen Lindwurm Wartender. Durch den teils nur zwei Meter breiten Weg drängen sich vereinzelt gelandete Passagiere mit ihren Koffern.

Stoßweise rückt der Lindwurm vor. Vor den ersten Zelten passieren überschaubare Gruppen von Fluggästen ein Stück Parkplatz durch zwei Reihen bewaffneter Soldaten mit schusssichern Westen. Eine Soldatin mit Sprengstoffspürhund geht umher. Vor dem Zelteintritt kontrollieren Soldaten erstmals Bordkarten und Pässe. Die beiden Zelte sind etwa 30 Meter lang. Je Zelt führen vier Schlangen zu zwei Kontrollstellen. Hinter einem Betonmauerelement werden Passagiere, Handgepäck und ihre großen Koffer gescannt.

Nach einem weiteren Stück Parkplatz folgen zwei weitere, noch größere Zelte, in die ein Teil des Terminalbetriebs ausgelagert wurde. Es herrscht ein Durcheinander. An provisorischen Schaltern, die an Campingmöbeln erinnern, fertigen Mitarbeiter von Airlines und Veranstaltern ab. Mitarbeiter von Brussels Airlines und Qatar Airways suchen mit Schildern ausgestattet nach Premiumpassagieren. Billigflieger sammeln ihre Kunden mitten im vierten Zelt, um sie zu Check-in und Gepäckaufgabe in einen Nebenraum zu führen. Die Hälfte des 60 Meter langen Zeltes ist mit gut belegten Sitzreihen zugestellt, dazwischen kleine Bäume in Töpfen.

Die meisten Fluggäste sind entspannt, eher neugierig. Mit Smartphones fotografieren sie jede Phase des Ablaufs. Suchende Blicke: Wo geht es weiter? Nur selten rennt ein Passagier um seinen Flug zu erwischen oder beschimpft einen Flughafenmitarbeiter.

Am Ende des vierten Zeltes folgt eine weitere Bordkartenkontrolle, dann geht es über eine schmucklose Betontreppe vier Etagen hoch. Durch eine Hintertür gelangt der Reisende zur üblichen Sicherheitskontrolle im Terminal. Allerdings beginnt die Schlange gleich an der Hintertür, obwohl es ein verkehrsschwacher Mittwochnachmittag ist. Nur sechs der 40 Kontrolllinie sind geöffnet. Häufige Sprengstoffchecks verlangsamen den Ablauf zusätzlich.

Knapp zwei Stunden von der Vorfahrt bis nach der Sicherheitskontrolle muss ein Passagier einplanen. Donnerstag- und Freitagabend vermutlich mehr. Normal ist das nicht und wird von den Fluggästen auch nicht als normal empfunden. Mehr Sicherheit? Jedenfalls nicht für die zusammengedrängt Wartenden in den Katakomben des Parkhauses.

Kommentare

von Dries De Maré, 29.04.16, 09:36
Gut und detailliert beschrieben, besten Dank. Ab mitte Mai, vielleicht etwas früher, wird die Abflughalle wieder in Betrieb genommen, wahrscheinlich bis zu 3/4 von den Schaltern können dann benutzt werden. Mehrere Fluggesellschaften gehen von einer Wiederinbetriebnahme aus sogar schon am 02. Mai. Schrittweise soll dann bis spätestens die letzte Juni-Woche die ganze Abflughalle eröffnet und benutzt werden. Im Vergleich zu anderen Flughafenkatastrofen wie z.B. Düsseldorf 1996, ist dieser Ausnahmezustand, auch wenn sehr lästig für Passagiere mit Abflug, wohl besonders beschränkt geblieben.

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