Airlines

Vereinigung Cockpit ist in eine Falle getappt

Per Gericht wurde der Streik der Lufthansa-Piloten gestoppt, doch sind die Konflikte nicht gelöst. Gehen die Streitenden nun aufeinander zu oder folgen taktische Spielereinen, die in neuen Streiks münden?

von Georg Jegminat, 10.09.2015, 14:48 Uhr

Die Vereinigung Cockpit (VC) bemüht sich, den Rückhalt bei den Lufthansa-Piloten nicht zu verlieren. Denn das Urteil des Hessischen Landgerichts hat den Streik platzen lassen wie einen Luftballon. Der Knall war nicht zu überhören. In einem Brief an die Flugzeugführer lobt die Konzerntarifkommission "die große Solidarität". Sie sei der Schlüssel zum Erfolg, werden die Piloten ermuntert. Das ist auch nötig, nachdem die VC in eine Falle geraten war und damit das Urteil gegen den Streik ermöglichte.

In der öffentlichen Debatte über die Streiks war den Flugzeugführern immer wieder ihr hohes Einkommen und ihre hohe Altersabsicherung vorgehalten worden. Sie würde sich an alten Privilegien festkrallen. Deshalb sagten Pilotenvertreter immer deutlicher, dass man das Ausflaggen für Arbeitsplätzen und das damit verbundene Sozialdumping verhindern wollen. So ein Argument kann die Mehrheit der Arbeitnehmer in Deutschland nachvollziehen. Doch der Aufbau einer Auslandstochter ist eine Art von Geschäftsentscheidung, die in Deutschland nicht bestreikt werden darf.

In dem Brief an die Piloten kommt das Wort "Wings" nicht mehr vor. Die VC hat eine erste Lehre gezogen. Nun stehen sich die Konfliktparteien gegenüber. Mehrere Tarifverträge (Mantel, Gehalt, Übergangsversorgung) sind offen. Die Atmosphäre ist vergiftet. Die Konsenzkultur der Lufthansa ist Geschichte. Und Konzernchef Carsten Spohr muss das Unternehmen dem Wettbewerb anpassen, um es zukunftsfähig zu machen.

Doch Spohr kann nicht erwarten, dass die Piloten klein beigeben. Sie müssen nach dem Streikdisaster ein Ergebnis vorzeigen können. Also muss auch Spohr, dessen Härte ihn jetzt zum Erfolg geführt hat, ihnen entgegenkommen. Andernfalls kann jeder offene Tarifvertrag genutzt werden, um erneut in Arbeitskämpfe einzusteigen. Eine vergiftete Atmosphäre zu bereinigen, ist schwer und nicht von einer Konfliktseite allein zu bewerkstelligen.

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